Erfolgs-Imperative

Eine Geschichte der wichtigsten und witzigsten Schlüsselwörter für Manager und Unternehmer – bis zum heutigen Networking. Von Helmut A. Gansterer

Die Managementtheorie wärmt die Spitzenkräfte der Wirtschaft seit 60 Jahren. Eigentlich ist sie 230 Jahre alt, nur hieß sie damals nicht so. Die moderne Managementtheorie, die sich bald nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte, ging in zwei Richtungen. Einerseits in eine seriös-wissenschaftliche, anderseits in eine fragwürdig-launige. Die seriöse Abteilung wird stark von Exil-Österreichern dominiert: einst von Peter Drucker und Ernest Dichter (beide USA), heute von Fredmund Malik (Schweiz). Die fragwürdige Abteilung ist das Spielfeld vieler windiger Unternehmensberater, vor allem aber von Verlagen, die sensationell schlechte Sachbücher und halb nackte Wirtschaftsmagazine produzieren. Während die Seriösen mit untadeliger Wissenschaftlichkeit vorgehen, sind die Fragwürdigen eher spekulativ. Nachteile haben beide: Die Seriösen lähmen zuweilen durch monumentale Ausführlichkeit und hunderte Wenn und Aber; den Fragwürdigen sind Leichtfasslichkeit und Pointe wichtiger als die reine Wirklichkeit und höchste Wahrheit.

Dennoch: Schlagwörter produzierten beide. Auf ihre Erfolgs-Imperative („Motiviere!“, „Teile und herrsche!“, „Sei Machiavelli!“) hörten fast alle fügsamen Manager und Unternehmer. Sie zahlten viel Geld dafür, Ratschläge und Befehle entgegenzunehmen. Wir gehen nun flussaufwärts zur Quelle, um einige wichtige Stationen der Belehrung in Erinnerung zu rufen.

Ende des 18. Jahrhunderts hieß das Schlüsselwort selflove. Die Summe der Einzel-Egoismen werde das größte Gesamtwohl ergeben. Der bis heute berühmte Botschafter dieses Gedankens war Adam Smith. Sein Standardwerk „Der Wohlstand der Nationen“ begründete 1776 den Kapitalismus. Die ersten Industriellen waren zur liberalen Egozentrik aufgerufen, was ihnen gut gefiel.
Anfang des 19. Jahrhunderts hieß es: Go south and east, young man! Geografische Ausdehnung versprach einen höheren Ertrag als zickige Überlegungen zur Unternehmensführung. Allerdings brachte der Kolonialismus auch einen ersten Humanisierungsschub. Fürs Exportgeschäft nach Afrika, Indien und China brauchte man selbstbewusste Experten, die man nicht mehr wie Sklaven halten konnte. Die Exportmanager waren die ersten Mitarbeiter, die von den Unternehmern gut, fast wie Menschen behandelt wurden.

1935, als die US-Company Sears-Roebuck den ersten Versandkatalog verschickte, war erstmals Marketing angesagt, ein wichtiger zweiter Humanisierungsschub. Nun sah man selbst in den Kunden mündige Menschen. Man bemühte sich sogar, mit ihrem Kopf zu denken.
Ab 1945 kam ein qualitativer Rückschlag. Der primitive Erfolgs-Imperativ hieß: Produziere!, um die vom Weltkrieg entleerten europäischen Märkte irgendwie zu beliefern, unabhängig von Art und Qualität des Produkts. Wie im Krieg selbst hieß es für lange Zeit wieder: „Anschaffen und gehorchen.“
Das Revolutionsjahr 1968 forderte Demokratie statt Diktatur zunächst für die Politik, später auch für die firmeninternen Verhältnisse. Motivation auch der geringsten Mitarbeiter war angesagt.

Die 1970er Jahre, das Jahrzehnt der zwei großen Ölpreiskrisen, brachte den Befehl nach Innovation!, um sich aus der Geiselhaft der Araber und Ölkonzerne zu befreien. 1981, nach dem Stapellauf des PC, kam logisch der Zuruf: „Digitalisiere!“ Pünktlich zum Millennium 2000, nach dem New Economy Crash, kam es zu sanften Rückwärtsreformen. Durch übertriebene Gläubigkeit an die computerbegeisterte Jugend war es zu einer Diktatur der Habenichtse und Nichtskönner gekommen, die um nichts besser war als die einstige Diktatur der Aristokraten und Pfeffersäcke. Ein Schlagwort trat immer wieder zwischen den anderen auf. Die Aufforderung nach Ethik! trieb wie ein Flaschenkorken auf den Wellen der Konjunkturen. In den Haussen war sie obenauf, in den Baissen ganz unten. Bertolt Brechts Kritik (die, wie man heute weiß, auch eine Selbstkritik war) blieb gültig: „Zuerst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“

Fazit: Man sollte als Unternehmer und Manager die gerade aktuellen Fantasie-Trends durchaus verfolgen, aber mit größter Gelassenheit. Die besten Führungskräfte begreifen, dass ihre Lage individuell einzigartig ist. Ihr eigenes Wissen und ihr eigener Instinkt sind gefordert, nicht eine Geisteshilfe von außen, die alle Adressaten über einen Kamm schert. Derzeit ist die Lage eher unübersichtlich. Etliche Schlüsselbegriffe kämpfen um die Vorherrschaft, beispielsweise Kostenmanagement und Umweltbewusstsein. Kostenmanagement, beliebt bei allen, die eher menschlich-hart als innovativ sind, ist immer noch aktuell. Es kommt aber zunehmend in Misskredit. Wer auf kurzfristige Gewinne zielt, raubt sich langfristig das Humankapital (Fachkräfte, Kreative, Grundlagenforscher) für künftige Booms. Die Grün-Gedanken werden von gestrigen Unternehmern lauthals bekämpft, von modernen Unternehmern aber schweigend willkommen geheißen. Die meisten Produkte der meis­ten Branchen werden mit immer strengeren Umweltauflagen obsolet. Sie veralten und sterben vor der Zeit. Man darf wieder von vorn anfangen. Früher brauchte es zur Herstellung dieses Zustands Weltkriege. Aber wie gesagt: It’s up to you, auf die aktuellen Forderungen zu reagieren oder nicht.

Dieser Tage begleitete ich eine so genannte „Sommerakademie“, die allen Schlagworten abhold war und auf erfrischende, pragmatische Weise konkreten Nutzen bot. Der Volksbanken-Event bot KMU-Spitzenkräften down-to-earth workshops für folgende Schnittstellen: Projektmanagement, Personalmanagement, Teamwork + Führung, Marketing, Vertrieb, Internet, Meditation, Strategie, Steuern, Selbstmanagement und Networking. Hallo! Networking? Ist dieser Begriff nicht auch so ein abgenudeltes Schlagwort und letztlich inhaltsleer? Die Kursteilnehmer fanden das nicht. Erstens ist es kein Schlagwort. Es ist eine zirka 30 Millionen Jahre alte Zivilisationstechnik, seit sich Mann und Frau zu erfolgreichen Teams vernetzten. Zweitens wird im Business zu wenig an Networking getan. Die schlauen Volksbank-Trainer, geführt von Marketing-Boss Kurt Kaiser und Trainings-Guru Chris Brandstätter, griffen daher tief unter die Wurzeln. Sie verschenkten fürs Erste einmal hübsche Etuis zum wohl organisierten Sammeln fremder Visitenkarten.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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