Eisenköpfe und -Weicheier

Über Sinn und Unsinn der Begriffe „hart“ und „weich“ für Manager.

„Suche nicht wie die Elster das Glänzende,
sondern die Summe aus allem.“

Alois Pammer

1. Vogelschau auf Wirtschaftswissenschaft, Management und Menschenführung

Nicht jedes Vorspiel erregt. Unlustig beispielsweise, den Begriff „Management“ immer wieder einordnen zu müssen, ehe man sich lustvollen Spezialthemen widmen darf, diesmal der Frage, ob herzlose Eisenköpfe oder liebevolle Weicheier als Manager geeigneter sind.
Die Überschrift des ersten Kapitels mag die neuen trend-LeserInnen irritieren, die bisher Magazine gewöhnt waren, die alles in einen Topf schmissen. Sie werden fragen: „Ist Menschenführung und Management nicht ein und dasselbe, und zählt Managementlehre nicht längst zu den Wirtschaftswissenschaften?“ In beiden Fällen lautet die Antwort: Nein.
Als höchste und nobelste, für manche auch einzige Wirtschaftswissenschaft gilt die Nationalökonomie vulgo Volkswirtschaftslehre. Seit ihren Anfängen vor 250 Jahren ist sie Gegenstand von Spott und Bewunderung. Wobei die Spötter und Bewunderer vor allem aus den eigenen Reihen kommen. Paul Samuelson, einschlägiger Nobelpreisträger, fragte kokett, warum man dieses Fach überhaupt studieren solle. Und Joseph Schumpeter, einer von Österreichs Weltklasse-Nationalökonomen neben Carl Menger, Ludwig von Mises und August von Hayek (alle tot), schrieb schon 1908 in seiner Dogmengeschichte, die theoretische Ökonomie könnte schon bald als Wissenschaft verschwinden.

In der Praxis war das Gegenteil der Fall, wie der Ökonom und Selbst-Bewunderer John Maynard Keynes darlegte, in seiner süffigen Art: „Die Ideen der Ökonomen, seien sie richtig oder falsch, sind einflussreicher, als allgemein angenommen wird. Die Welt wird in der Tat durch nicht viel anderes beherrscht. Praktiker, die sich frei von intellektuellen Einflüssen glauben, sind gewöhnlich die Sklaven irgendeines längst verstorbenen Ökonomen. Wahnsinnige in hoher Stellung, die Stimmen in der Luft hören, zapfen ihren wilden Irrsinn aus dem, was irgendein akademischer Schreiber ein paar Jahre vorher verfasste.“
Gegen den berauschenden Rotwein Nationalökonomie wirkt die Betriebswirtschaftslehre (BWL) wie Diätbrot. Man nannte sie schon „Handwerk des Kopfes“. Kritiker monieren, man habe in der BWL über eine modulare Vielfalt schlichter Praxis-Brötchen (wie Kostenrechnung, Logistik, Einkauf, Vertrieb) das damastene Tischtuch einer akademischen Disziplin geworfen. Man bemühte sich um komplizierte Wortschöpfungen wie „Rechnungsabgrenzung“, um fürs gemeine Volk ausreichend unverständlich zu sein.
Man hat das Lehrfach „Management“ gerne in die BWL inkorporiert. Das gab modernen Touch und macht goldene Brösel. Es ist auch kein Beinbruch, sofern gute Lehrer das Richtige lehren. Beispielsweise, dass „managen“ nicht nur „Menschen führen“ heißt. Management ist eine hohe, universelle, gesellschaftliche Funktion, ohne die keine Familie, kein Ministerium und kein Militär funktionierte – und natürlich keine Firma, vom Flickschuster Nowak bis zur Unilever.
Management ist keine Wissenschaft. Es ist zugleich weniger und mehr. Man sagt ja auch nicht, die Luft sei ein Nahrungsmittel, obwohl sie das wichtigste ist. Allerdings bedient sich die Managementlehre vieler Wissenschaften. Darin erinnert sie an den hochmütigsten Satz des legendären Altpräsidenten der Deutschen Bank, Hermann Josef Abs: „Ich bin kein Generaldirektor, ich beschäftige welche.“
Sinnvoll eine weitere Präzisierung: Managen heißt nicht Geschäfte machen. Ein Manager führt ein Unternehmen, das Geschäfte macht. Das ist ein Riesenunterschied. Ein Manager ist kein Dealer, oder nur dann, wenn er in die mittlere Rolle des Verkaufsmanagers schlüpft, um schnelle Beute zu machen.

2. Die merkwürdige Beliebtheit der so genannten weichen Faktoren

Fast unglaubwürdig, wie jung zwei heute unverzichtbare Begriffe sind. Die Wörter „Mitarbeiter“ und „Manager“ kamen erst in den 1970er-Jahren auf.
Das eine Wort ersetzte hell den dunklen, blöden Begriff „Lohnabhängige“, das andere den Begriff „Herr Direktor“. Der Titel Direktor war im Prinzip gar nicht so übel. Darin steckt korrekt die Bedeutung „die Richtung vorgeben“, auch „dirigieren“. Da er aber Staub trug wie andere allzu alte Wörter, etwa „Kontor“, war auch der Wechsel zu Manager gut. Beziehungsweise: Er wäre gut gewesen, hätte der Überbegriff Management mit seinem geheimnisvollen, zunächst fremden Sirenen-Sound nicht gar so viele Amateure und Glücksritter angezogen.
Seit fast 40 Jahren ersticken wir in Lawinen von so genannter Management-Literatur. „So genannt“, weil es dabei fast nie um eine seriöse, tiefe, präzise, sachkundige Vermessung geht, wie im Fall des US-Exil-Österreichers und Management-Pioniers Peter Drucker. Seine Werke empfehle ich jedem, der unter die Oberfläche greifen will.
Das Beste, das man über die Managementbuch-Lawine sagen kann, ist dies: Sie hielt viele verdiente, schwer atmende Verlage am Leben. Die Amateurwerke (außen dick, innen dünn) boomten in fünf entsetzlichen Schüben. Erstens: der Idioten-Schub für Illustriertenleser („Die Kleidung und Frisur des idealen Managers“). Zweitens: der Vollidioten-Schub nach dem Vorbild der Diätbücher, beispielsweise das unvergessliche, enorm erfolgreiche Werk „The One Minute Manager“. Drittens: der scheinkluge Philosophie-Schub („Management nach Aristoteles“). Viertens: der Esoterik-Schub („Häng deinen Erfolg an deinen Stern“). Fünftens: der Meditations-Schub („Richtig managen heißt richtig atmen“). Anmerkung: Die meisten der genannten Buchtitel sind meine schwache Nachempfindung stärkerer Originale.
Den sechsten Schub liefere ich selbst, mit der Essay-Titelfrage.

3. Eisenkopf oder Weichei als Idealmanager?

Ich bin stolz darauf, die dümmste Schwarz-Weiß-Frage gefunden zu haben. Das war nicht einfach, da ich „Managen“ unverändert zu den Königsdisziplinen zähle, wie etwa „Dirigieren“, wo die primitive Entweder-oder-Variante nicht zulässig ist. Dort gilt nur Sowohl-als-auch. Härte, wo sie gefordert ist. Emotionale Intelligenz und soziale Verantwortung, wo Weichheit gefordert ist. Alles darunter entspräche auch nicht der Bezahlung.
Selbst diese guten Kombi-Charaktere haben noch Luft zum Plafond. Mit Entzücken sieht man derzeit das Werden von Ideal-ManagerInnen. Sie arbeiten nicht mehr sechzehn Stunden, sondern nur noch zwölf. Sie wissen, dass danach die Denkkraft in den Keller fällt. Sie betreuen wieder ihre Familien. Sie betreuen wieder ihre wenigen Freunde, ihren Körper und ihren Geist. Sie suchen die Kunst und greifen als Leser wieder nach Heine und Hölderlin, nicht nach dem „One Minute Manager“.
Oft verzinst sich dieses Umschalten im Wege frischer Ideen, die sie mitten im „More of the same“-Stress niemals gehabt hätten. Sie betreten einen Regenbogen, an dessen Ende ein Topf voll Gold winkt.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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