Einsamkeit

Über die Einsamkeit der Manager und Unternehmer.

Wir verdanken dem amerikanischen Schriftsteller Ray Bradbury geistvolle Romane wie „Die Mars-Chroniken“, „Der illustrierte Mann“ und „Fahrenheit 451“. Die Bücher blieben gespenstisch aktuell. „Fahrenheit 451“ sensibilisiert uns immer noch für Bücher-Verbrenner und andere Geistestöter, so wie uns George Orwell mit seinem Werk „1984“ wach hielt gegen anmaßende Obrigkeitskontrollen („Big Brother“). Das Bradbury-Zitat „Morgen wird heute schon gestern sein“ ist sogar gültiger als im Jahr 1953, da er es schrieb. Damals war die Zeitgeschwindigkeit nur ein Fall für Zukunftsforscher. Heute ist sie ein Fall für jeden und für alle Tage. Damals, vor einem halben Jahrhundert, acht Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, stand die Wirtschaft nach heutigen Maßstäben still. Das Wirtschaftswunder forderte nichts Neues. Es gab den Wiederaufbau der Infrastruktur, den man im Griff hatte, denn dafür genügte das Wissen der Vorkriegszeit. Und die Industrie hatte alle Hände voll zu tun, nach alten Strickmustern möglichst große Mengen zu produzieren, da alles Elementare fehlte. Selbst die Autos, die heute mit jedem Jahrgang innovativer werden, konnten über viele Jahre in gleicher Form erzeugt und verkauft werden.

Es mag sinnvoll sein, an diese Zeit zu erinnern. Sie kam den meisten Menschen entgegen. Was man gelernt hatte, galt für lange Zeit, in der Regel bis in den Ruhestand. Auch deshalb die oft sehnsüchtige Anrufung einer „guten alten Zeit“. Es ist nie wahr gewesen, dass die BürgerInnen gierig nach Neuem wären. Es gab immer ein Bedürfnis nach Ruhe und dem so genannten Bewährten. Die Neu-Gierigen und Freiheitsliebenden waren stets eine Minorität. Sie waren der Mehrheit immer unsympathisch, wurden aber unwillig geduldet, weil sie aufgrund ihrer Beschaffenheit das Zeug hatten, Führungspositionen einzunehmen. Und gegen Chefs muckte man nicht auf, das hätte die Ordnung und den Frieden gestört. Heute ist manches anders geworden, aber bei Weitem nicht alles. In der normalen, zahlenmäßig größten Berufswelt der Arbeiter, Angestellten, Dienstleister und Beamten hat sich bis heute wenig verändert. Es sind zwar alle weniger zufrieden als einst, doch hat dies eher mit den Erwartungen ans Leben zu tun, die von TV-Sendungen wie „Die Reichen und Schönen“ diktiert werden.

Das Schnelle der Zeit, das unser Heute schon morgen zum Gestern macht, berührt natürlich das Schicksal aller, selbst jenes der Politiker, Bischöfe und Beamten. Extrem und alltäglich wirksam wird es aber nur in der Welt der Wirtschaftsführungskräfte. Diese müssen die neue Geschwindigkeit als Erste abfedern, in größter Einsamkeit. Sie haben kein Mitgefühl zu erwarten, da sie als Urheber der Beschleunigung vermutet werden. Sie müssten sich also wie Fische im Wasser fühlen. Nach meiner Beobachtung gilt das nur für wenige. Auch in dieser Elite wird im persönlichen Gespräch eine Sehnsucht erkennbar, die altmodisch wirkt: Der Bessere möge gewinnen. Was im Umkehrschluss heißt: Man ist sich dessen nicht länger sicher. Es gab eine Zeit, da jeder, der klug im Rahmen seiner Kernkompetenz blieb und nie etwas anderes im Sinn hatte als die immerwährende Verbesserung seines Produktes, automatisch gewann. Gilt dies tatsächlich nicht mehr? Wedeln die Wertpapierbörsen schon als Schwanz mit dem Hund? Sind globale Mengen wirklich schon wichtiger als Qualität? Die nächsten drei trend-Essays werden sich diesen Fragen widmen. E-Mail-Beiträge an gansterer@netway.at sind erwünscht und willkommen.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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