Ein Faulenzer-Urlaub lässt den Intelligenzquotienten rasch absinken

Wer kennt das nicht: Im Urlaub kann man nicht abschalten von der Arbeit und zurück im Job nicht vom Urlaub. Wie der Wechsel zwischen den Welten am besten gelingt.

An manchen Tagen sieht das Büro aus wie ein Strandabschnitt auf der griechischen Insel Kreta. Dann hat der graue Teppich plötzlich die Weite der blau funkelnden Ägäis, der Bürostuhl mit seiner verstellbaren Rückenlehne wird zur Sonnenliege, und der Kaffeebecher sieht dem Mokkatässchen aus der Hotelbar zum Verwechseln ähnlich. Solche Rückblenden sind typisch für die ersten Arbeitstage nach einem mehrwöchigen Urlaub. Denn der Kopf will partout nicht akzeptieren, was dennoch unerquickliche Realität ist – die Rückkehr in den beruflichen Alltag. Mal dauert diese Übergangsphase nur einige Stunden, mal mehrere Tage. Mal lässt sie sich nahezu stoisch ertragen, mal schlägt sie auf die Laune.

Das Urlaubsende, aber auch der Urlaubsanfang gelten als die kritischen Tage im Sinne des ferialen Wohlbefindens. Erst kann man nicht abschalten von der Arbeit und zurück im Job nicht von den Ferien. Dabei wollen die ein bis zwei Wochen, die das Gros der Österreicher im Sommer üblicherweise urlaubt, gut geplant sein, will man nicht riskieren, dass die Zeit verstreicht, ohne dass die ersehnte und oft bitter benötigte Erholung eintritt. Doch wie lässt sich im Urlaub so viel Kraft tanken, dass später im Job wieder Höchstleistungen erbracht werden können? Wie lange sollte die Auszeit dauern, um sich optimal zu erholen, und wie gelingt die Rückkehr in den Arbeitsalltag ohne Anlaufschwierigkeiten?

Die Antworten kennt Gerhard Blasche, studierter Psychologe und einer der wenigen Urlaubsforscher in Europa. Dass seine Disziplin ein Orchideenfach geblieben ist, findet er selbst verwunderlich. „Der Gesetzgeber gewährt den Menschen großzügig Urlaub, aber fast niemanden interessiert es, wie sich diese Zeit auf die Gesundheit auswirkt“, sagt er. In Österreich haben Arbeitnehmer üblicherweise Anspruch auf 25 Tage Urlaub, dieser erhöht sich nach einem Vierteljahrhundert Betriebszugehörigkeit um fünf weitere Tage.

Aus Sicht der Gewerkschaft ist das in der heutigen Zeit mit ihren wechselnden Beschäftigungsverhältnissen zu wenig, sie forderte jüngst „sechs Wochen für alle“. Natürlich nicht am Stück, sondern etwa ab dem 43. Lebensjahr oder nach 20 Jahren im selben Betrieb. Damit kann sich nicht jeder anfreunden. Robert Bilek, Personalleiter der Wiener Städtischen Versicherung, meint: „Es gibt grundsätzlich ausreichend Möglichkeit, sich zu erholen.“ Er selbst geht „mit gutem Beispiel“ voran und fährt im August für zwei Wochen nach Griechenland. Doch die Anzahl der Tage allein macht leider noch keinen gelungenen Urlaub.

Zeit für sich

Hierfür muss man zunächst einmal abschalten – und zwar sowohl das Handy als auch den Computer. Das wird sich – abhängig von der Position – nicht jeder Mitarbeiter leisten können oder wollen. Nichtsdestotrotz ist es notwendig, um eine mentale Distanz zwischen Arbeit und Urlaub zu schaffen. In Deutschland haben erste Unternehmen wie die Deutsche Telekom bereits Richtlinien erlassen, die den Umgang mit BlackBerry und Mail in den Ferien, aber auch an den Wochenenden und Abenden regeln. Ein so rigides Vorgehen erscheint dem Personalchef der Wiener Städtischen nicht ganz angemessen.

Er empfiehlt seinen 3500 Mitarbeitern lieber, im Urlaub eine Sendepause einzulegen. „In diesen zwei, drei Wochen sollte jeder versuchen, die Arbeit so weit wie möglich hinter sich zu lassen“, so Bilek. So richtig erholsam wird der Urlaub aber erst dann, wenn man wenige Verpflichtungen und viel Zeit für sich hat. Dabei spielt es im Sinne der Regeneration keine Rolle, wie diese verbracht wird – solange einem das Programm zusagt. „Für den einen ist ein Surftrip nach Nordafrika das Richtige, für den anderen ein Aufenthalt auf einer Almhütte“, so Urlaubsforscher Blasche. Ein warmes Klima, körperliche Bewegung und neue Begegnungen helfen zudem beim Krafttanken für die Karriere nach der Rückkehr. Robert Levine, US-Psychologe und Buchautor („Eine Landkarte der Zeit“), hat noch einen einfachen Tipp parat: Er empfiehlt, die Armbanduhr abzulegen, um sich ganz auf seine innere Uhr konzentrieren zu können.

Keine dauerhafte Erholung

Wer diese Regeln befolgt, wird mit dem so genannten „Urlaubseffekt“ belohnt. Studien belegen, dass sich nach den Ferien der Schlaf verbessert und körperliche Beschwerden abgenommen haben. Die Stimmung ist allerdings in den Keller gerasselt: Das feriale Wohlbefinden ist nicht von Dauer. Es klingt rasch ab, und nach einigen Wochen ist fast alles wieder beim Alten. Ein durchaus bedauerlicher Befund aus Sicht der Rückkehrer, aber keineswegs überraschend, meint der Experte: Urlaub sei nichts anderes als eine längere Arbeitspause, in der sich, wie in jeder Pause, Erschöpfung abbauen lasse, ohne dass sich deswegen das Wohlbefinden dauerhaft verbessert.

Blasche selbst ist gerade aus Griechenland zurückgekehrt, wo er seine Zeit mit Sonnenbaden, Wandern und Radfahren verbracht hat. Forschungsergebnisse legen nahe, dass eine Woche in der Regel ausreicht, um die Leistungsfähigkeit zu verbessern. Längerer Urlaub ist hingegen dann sinnvoll, wenn etwa ein Burn-out vorliegt oder eine berufliche Neuorientierung angestrebt wird.

Falsch genutzt, kann er aber auch „dumm“ machen. So wies der deutsche Intelligenzforscher Siegfried Lehrl nach, dass der Intelligenzquotient nach drei Wochen Faulenzen um 20 Punkte sinkt. Ein Uniabsolvent würde somit auf das Niveau eines Normalbürgers absinken – allerdings nur vorübergehend. Das Gehirn erholt sich wieder, dafür braucht es allerdings ebenfalls drei Wochen in der gewohnten Umgebung. „Ich rate dazu, lieber kürzer, dafür häufiger Urlaub zu machen. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, ins vermeintlich süße Nichtstun abzugleiten“, so Lehrl.

Back-Lag

Und auch die Rückkehr ins Büro fällt weniger schwer. Denn bei einem mehrwöchigen Urlaub hatte der Körper viel Zeit, sich auf den langsameren Rhythmus einzustellen. Muss er nun wieder um sechs Uhr aufstehen und ohne Mittagsschläfchen bis abends durchhalten, sind Ermüdungserscheinungen vorprogrammiert. Diese fallen dann besonders heftig aus, wenn die Reise in eine weit entfernte Zeitzone führte. Dann dauert es schon allein deswegen einige Tage, bis der Jetlag überwunden ist.

Paul Jimenez, Arbeitspsychologe von der Universität Graz, rät daher, möglichst keinen Kaltstart hinzulegen und lieber einige Tage früher aus dem Urlaub zurückzukommen. Das belegt auch eine Studie der MedUni Wien, für die über 300 Gäste eines Gesundheitsresorts in Österreich untersucht wurden. Danach erlebten diejenigen die stärksten Stimmungsschwankungen, die erst am Sonntag nach Hause fuhren. Wer hingegen bereits zwischen Donnerstag und Samstag abgereist war, blieb auch Tage nach der Rückkehr deutlich entspannter.

Aber nicht nur körperlich muss sich der Urlauber akklimatisieren, sondern auch geistig. Eine Anforderung, die schnell zu schlechter Laune führen kann, vor allem, wenn die Arbeitsbelastung an den ersten Tagen sehr hoch ist. Sabine Seyfriedsberger, ärztliche Leiterin beim Arbeitsmedizinischen Dienst in Linz, empfiehlt daher, es möglichst langsam angehen zu lassen. Sie selbst legt sich keine Termine auf den ersten Arbeitstag, sondern checkt lediglich ihre Mails, unterhält sich mit den Kollegen. Das hilft ihr, sich auch „sozial wieder einzufinden“ in ihren Job. Die Gefahr, die ersten Tage als „Bürotaucherin“ zu verbringen, hat sie damit für sich gebannt.

- Vanessa Voss

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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