e!trend-Test: Abgeblitzt

Ist das vielfach beworbene mobile Breitband-Internet nun „blitzschnell“ oder „schneller als der Blitz“? Der e!trend-Test zeigt: weder noch. Keiner der Mobilfunkanbieter erreicht die angepriesenen Geschwindigkeitsrekorde. Dennoch sind die Messergebnisse beeindruckend.

Ein ganz normaler Vormittag im Café Hawelka in der Wiener Innenstadt. Leopold Hawelka, der 96-jährige Seniorchef, steht wie immer am Eingang und begrüßt seine Gäste. „Der Chef muss immer da sein“, erklärt der betagte Herr. Über 70 Jahre lang ist der alte Hawelka bereits Cafetier und hat in dieser Zeit so manches erlebt. Dass aber ein Gast gleich mit vier Laptops in das Lokal kommt und auf allen Geräten gleichzeitig arbeitet, das hat auch er noch nie gesehen. „Internet, ach so“, meint er abgeklärt, als er erfährt, dass e!trend das mobile Internet testet, „mir genügt die Zeitung.“

Auch der Mann im Nadelstreif am Nachbartisch beobachtet das Treiben interessiert, bis er sich als belgischer Investor vorstellt und darum bittet, kurz einen Blick auf die aktuellen Aktienkurse werfen zu dürfen. Wenige Augenblicke später ist die Euronext-Homepage auf dem Bildschirm. Für den Belgier ein beeindruckendes Erlebnis, weniger ob der guten Kursentwicklung, die Rasanz des Seitenaufbaus über mobiles Internet, also mithilfe eines USB-Modems, das die Daten via Mobilfunk auf den Laptop holt, lässt ihn ins Schwärmen kommen: „Das haben wir bei uns nicht. Das ist ja sensationell.“

Das ist es tatsächlich, denn Österreich zählt in Europa zu den Ländern mit den schnellsten Mobilfunknetzen. Möglich macht das die neue Breitband-Internettechnologie HSDPA (High Speed Downlink Packet Access), die derzeit mit den Attributen „höllenschnell“ (One), „blitzschnell“ (A1) oder „schneller als der Blitz“ (T-Mobile) beworben wird. Österreichweit – zumindest dort, wo mehrere 1000 Einwohner in einer Stadt anzutreffen sind – werden Übertragungsraten von bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) in Aussicht gestellt, das ist fast viermal so schnell wie ein üblicher Internet-Festnetzanschluss (ADSL).

Der Test im Café Hawelka zeigt, dass das mobile Breitband-Internet in der Wiener Innenstadt bereits funktioniert. Allerdings: Von 7,2 Mbit/s sind die tatsächlich gemessenen Übertragungsraten noch weit entfernt (siehe „So wurde getestet“, Seite 174).

e!trend wollte wissen, wie es wirklich mit dem „österreichweiten“ HSDPA-Angebot aussieht und hat sich dazu mit vier Laptops auf den Weg gemacht, um das Breitband-Internet von A1, T-Mobile, One und 3 gründlich zu testen. Das Resümee nach rund 1500 Kilometer Fahrt durch sieben Bundesländer mit über 2500 Messergebnissen an 50 Messpunkten: Wo die Handynetze bereits entsprechend ausgebaut sind, werden in der Regel Übertragungsraten zwischen einem und zwei Megabit pro Sekunde erreicht, in einzelnen Bezirken Wiens auch schon einmal mehr.

Die besten Download-Raten im Gesamtdurchschnitt bieten mit 1,45 und 1,35 Mbit/s A1 und T-Mobile. Das ist beachtlich, die von den Netzbetreibern angegebenen und zum Teil beworbenen Übertragungsraten von „bis zu 3,6“ oder gar „bis zu 7,2 Mbit/s“ wurden jedoch während des gesamten Tests kaum wirklich erreicht.

„Auf solche Werte kommt ein User nur in Ausnahmefällen“, erklärt Jürgen Bierstedt, technischer Leiter des deutschen Funkmessunternehmens Tellix. „Dazu müsste er neben dem Sendemast stehen und der einzige User innerhalb der Funkzelle sein.“ Denn einerseits nimmt die verfügbare Bandbreite mit zunehmendem Abstand vom Sender ab, andererseits hängt sie davon ab, wie viele User wie viele Daten gleichzeitig downloaden. Bierstedt: „Darum kann ein Betreiber nie Datenraten von zum Beispiel 3,6 Megabit garantieren.“

T-Mobile-Technikchef Jim Burke stellt klar: „Unsere Angaben beziehen sich auf die Versorgung im Freien und auf maximal erzielbare Datendurchsatzraten. In weniger dicht ausgebauten Regionen können auch niedrigere Werte gemessen werden.“ Auch One-Geschäftsführer Jørgen Bang-Jensen verteidigt sich: „Unser Netz erlaubt bis zu 7,2 Megabit. Allerdings ist dies nur eine theoretische Größe, daher werben wir auch nicht damit.“ Und der CEO von 3, Berthold Thoma, ergänzt spitzfindig: „Die Datenraten bewerben wir mit 3,6, unsere Hardware mit 7,2, weil sie schon 7,2-fähig ist.“

Aber auch woher die Daten beim Surfen angefordert werden, kann die Performance beeinflussen. „Der Flaschenhals ist oft nicht die Funkübertragung, sondern das Festnetz-Internet“, erklärt Karim Taga, Geschäftsführer des Consultingunternehmens Arthur D. Little. „Seiten aus Übersee werden oft nur mit 30 oder 40 Kilobit übertragen.“ Da reklamiert die Mobilkom einen entscheidenden Vorteil für sich: „Die enge Kooperation mit der Telekom Austria ermöglicht uns eine extrem schnelle Anbindung an Standleitungen“, erklärt Marketingvorstand Hannes Ametsreiter – was A1 aber noch nicht schneller als durchschnittlich 1,45 Mbit/s macht.

Andererseits sind Werte in dieser Größenordnung gar nicht so schlecht, wie Taga feststellt: „Dieses Ergebnis überrascht mich positiv. Die in der Branche angepeilte Geschwindigkeit, die von den Usern noch als schnell empfunden wird, liegt bei 0,5 bis 0,8 Megabit.“ Was auch Burke bestätigt: „Beim Web-Browsing sind Geschwindigkeitsdifferenzen beim Seitenaufbau ab einem Megabit für den Kunden kaum mehr feststellbar. Und die meisten HSDPA-User sind Surfer und laden keine Videos herunter.“ Bang-Jensen dazu: „Die Testergebnisse zeigen, dass ausreichende Bandbreiten für ein zufrieden stellendes Surferlebnis zur Verfügung stehen.“

Aber auch der Netzausbau ist noch nicht ganz so weit fortgeschritten wie von den Netzbetreibern behauptet. Die Angaben zur Verfügbarkeit sind mit Vorsicht zu genießen, denn gelegentlich muss man sich an Orten, an denen bereits HSDPA existieren sollte, noch mit Werten im zweistelligen Kilobit-Bereich (unter 0,01 Mb) herumschlagen, etwa an den Stadträndern von Eisenstadt, Perchtoldsdorf oder Linz. So bot an der Johannes Kepler Universität zum Testzeitpunkt weder A1 noch T-Mobile HSDPA.

Die einzige Ausnahme beim großzügigen Umgang mit Angaben zur Netzabdeckung ist One. Die HSDPA-Versorgung von One ist zwar im direkten Vergleich mit A1 und T-Mobile geringer – One will bis Ende 2008 90 Prozent der Bevölkerung erreichen –, dafür funktionierte die Online-Abfrage der aktuellen Netzverfügbarkeit im Test auf die Straße genau.

Anbieter Hutchison („3“) hinkt überhaupt noch ein wenig hinterher, was die Verbreitung von HSDPA betrifft, doch nach der Übernahme der tele.ring-Standorte Ende April peilt 3 die 90-Prozent-Marke nun schon für Anfang 2008 an. Thoma: „Die flächendeckende HSDPA-Versorgung muss auch in den ländlichen Gebieten gewährleistet sein.“

Damit greift Hutchison so wie auch die Mitbewerber frontal das Festnetz-Internet an. Schon jetzt entscheiden sich rund 40 Prozent aller Breitband-Neukunden für die mobile Variante. Dennoch glaubt Consulter Taga nicht daran, dass HSDPA & Co dem Festnetz generell den Rang ablaufen werden. Vor allem für die neuen Web-

2.0-Dienste, etwa mit Videostreaming, seien die tatsächlich erreichbaren Datenraten zu gering: „Für große Datenmengen ist das mobile Internet noch zu teuer. Doch zum Surfen und Mailen reicht es.“


Von Oliver Judex und peter sempelmann

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