Dringende Wahlempfehlung

Man muss sich nur an die Vorgänger von Willi Molterer und Werner Faymann erinnern und hat plötzlich die Gewissheit, dass nicht immer alles schlechter wird. Von Othmar Pruckner

Früher, so jammern viele brave Zeitgenossen, war alles viel einfacher, aber heute? Früher gab es eine Fernsehanstalt mit zwei Programmen, ein Telefon und dazu passend – wie einfach! – einen Anbieter. Einen einzigen Stromlieferanten – und auch sonst: Einfachheit, wohin man nur blickte. Zwei Parteien. Alles war überschaubar. Es gab kein überbordendes Megamarktangebot, keine endlose Qual der Auswahl. Heute dagegen, so tönt es aus allen Himmelsrichtungen, ist alles viel, viel komplizierter. Niemand kennt sich mehr aus! Wer soll in diversen Shoppingtempeln noch den Überblick behalten? Wer in der glitzernden Konsumwelt nicht die Orientierung verlieren? Ratlosigkeit und Verunsicherung sind die ungebetenen Schwestern des freien, großen Markts.

Und jetzt auch das noch: Nicht nur die Waren- und Medienlandschaft, auch die Politszene wird zusehends abwechslungsreicher. Der Prozess dauert zwar schon länger an, doch erst jetzt, anno 2008, wird es so richtig heavy: sieben Parteien zur Wahl! Sieben Parteien mit realistischen Chancen in den Nationalrat zu kommen! Unüberschaubar, unzumutbar, chao­tisch!, rufen die Nörgler gemeinsam mit den Pessimisten. ­Österreich wird unregierbar! Her mit einem Mehrheitswahlrecht! Eliminiert die Kleinen! Wir wollen wieder – ja was ­eigentlich?

Sieben Parteien stehen zur Wahl. Hand aufs Herz: Ein wirkliches Problem kann das ja wohl kaum sein. Außerdem sind die vorhandenen Parteien nicht ganz so schlecht wie ihr Ruf. Sicher, vieles ist zuletzt schiefgelaufen. Über die Selbstbeschädigung von Schwarz und Rot wurde ja ausgiebig geredet und geschrieben. Die großen Reformen – Schule, Gesundheit, Verwaltung, Steuersystem – sind liegen geblieben. Aber eben deshalb sind, einem Selbstreinigungsprozess nicht unähnlich, diese Wahlen vom Himmel gefallen. Bei aller berechtigten und notwendigen Kritik, das Land ist keine Bananenrepublik. Die Chance für einen Neustart lebt. Sieben Parteien zur Wahl. Super.

Dass derzeit besonders heftig über die Spitzenkandidaten und -kandidatinnen der Parteien lamentiert wird, ist logisch. Es stimmt schon, dass keiner von denen da oben eine charismatische Lichtfigur, so etwas Ähnliches wie ein Austro-Obama, ist. Doch genieren muss man sich für das vorhandene Politpersonal auch wieder nicht. Werner Faymann war ein funktionsfähiger Infrastrukturminister. Willi Molterer ein verlässlicher Finanzminister. Man braucht sich nur an die Vorgänger der beiden erinnern und hat plötzlich die Gewissheit, dass nicht immer alles schlechter wird. Keiner der beiden wird Österreich ins wirtschaftliche Desaster führen. Und die anderen? Alexander Van der Bellen ist ein Oppositionspolitiker, dessen Markenzeichen pure Unaufgeregtheit ist. Heinz-Christian Strache kann man mitsamt seiner brachialen EU- und Ausländerfeindlichkeit immerhin noch als berechenbar ansehen. Heide Schmidt bedient die liberale Marktlücke souverän. Fritz Dinkhauser, so er die Kandidatur schafft, hat als AK-Präsident bewiesen, dass er nicht nur den Tiroler Dialekt beherrscht, sondern auch arbeiten kann. Nur Jörg Haider spielt eine ernsthaft problematische Rolle. Er stellt sich – als Landeshauptmann! – in Ortstafel- und Flüchtlingsfragen gegen das Gesetz und will ohnedies nicht ins Parlament, sondern daheim in Kärnten bleiben.

Fazit: Dies hier ist eine Wahlempfehlung. Eine Empfehlung, zur Wahl zu gehen. Und dabei nicht ungültig, nicht taktisch, auch nicht weiß, sondern das naheliegendste Programm beziehungsweise die überzeugendste Persönlichkeit zu wählen. Daheim bleiben ist dumpfe Resignation, und die hat noch nie irgendwem geholfen. Man kann und soll zwischen den vorhandenen politischen Alternativen wählen. Die Qual der Wahl: Kann schon sein. Aber zumutbar ist dieses eher bescheidene Maß an Pein für uns Staatsbürger allemal.

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