Die geheimen Werbeausgaben der ÖBB

Die Diskussion um von der Politik bestellte Inserate hat die ÖBB-Führung bewogen, dem trend gegenüber alle Aufwendungen für Werbung offenzulegen.

Die Aufregung um von den ÖBB bezahlte, aber vom heutigen Kanzler Werner Faymann bestellte Inserate in der Zeit zwischen 2007 und 2008 veranlasst Bahn-Chef Christian Kern (Bild) nun, in die Offensive zu gehen. Dem trend liegen erstmals die exakten ÖBB-Werbeausgaben vor – jene Aufstellung, wie sie künftig der geplanten Medien-Transparenzdatenbank gemeldet werden soll. Danach hat der Bahnkonzern in den ersten drei Quartalen 2011 netto knapp 7,6 Millionen Euro für Medienwerbung ausgegeben.

Die Boulevardzeitungen, die damals mit den „Faymann-Medienkooperationen“ gefüttert worden sein sollen, erhielten davon 2,55 Millionen: die „Krone“ 1,12 Millionen, „Heute“ 816.000 Euro und „Österreich“ 620.000 Euro.

Zum Vergleich: Beim „Kurier“, der sich mit „Österreich“ eine erbitterte öffentliche Schlacht wegen der umstrittenen Schaltungen liefert, gaben die ÖBB im Jahr 2011 bislang 355.000 Euro aus.

Das Brutto-Werbebudget der ÖBB für das Gesamtjahr 2011 beträgt 10,5 Millionen, ähnlich hoch wie in den vergangenen Jahren. Damit liegt man auf Rang 50 im Ranking österreichischer Unternehmen. Pro Kopf und Jahr investiert die Bahn 1,2 Euro in Werbung, etwas weniger als die Schweizer Bahn (1,5 Euro).

Mit der neuartigen Transparenz wollen Kern und seine Kommunikationschefin Kristin Hanusch-Linser Spekulationen entgegentreten, die ÖBB könnten nach wie vor mediales Wohlwollen für SPÖ-Spitzenpolitiker durch besondere Zuwendungen an einzelne Medien erkaufen. Hanusch-Linser: „Mediaplanung ist bei uns kein Wünsch-dir-was der Begehrlichkeiten, sondern eine strenge Rechnung.“

Die gesamten Werbeschaltungen wurden unter Kern zentralisiert. Unter seinen Vorgängern Martin Huber und Peter Klugar verfügte etwa die ÖBB-Holding in den Jahren 2007 und 2008 – neben Personen-, Güterverkehr und Infrastruktur – noch über ein eigenes Budget von 2,6 Millionen Euro. Davon sollen laut Angaben von Insidern allein 2,2 Millionen in so genannte Medienkooperationen mit „Krone“ „Heute“ und „Österreich“ geflossen sein.

Kristin Hanusch-Linser versichert aber, dass keinerlei politische Einflussnahme auf die Inseratenvergabe mehr stattfinde: „Seitdem ich bei den ÖBB arbeite, hat es noch keine einzige Intervention von welcher Seite auch immer gegeben. Wäre dem so, wäre ich schon längst wieder weg. Gute Ratschläge über medientechnische Budgetverwaltung akzeptiere ich ausschließlich von unserer Medienagentur.“

Inwieweit das in der Vergangenheit anders war, überprüft derzeit gerade der Rechnungshof. Die Kontrollore checken die Öffentlichkeitsarbeit des gesamten Konzerns seit 2007, wobei den Ausgaben für Werbung besonderes Augenmerk geschenkt wird. Der Bericht des Rechnungshofs darüber soll noch heuer vorliegen.

Die Verlagsgruppe News, zu der auch der trend gehört, hat in den ersten drei Quartalen 2011 übrigens 512.000 Euro Werbegeld von den ÖBB erhalten. Die Bundesländerzeitungen kamen in Summe auf gut 800.000 Euro.

Zum geplanten Transparenzgesetz sagt Hanusch-Linser: „Damit wird den wilden Spekulationen rund um öffentliche Inseratenvergaben hoffentlich Einhalt geboten.“

ÖBB-Werbeausgabe nach Medien 2011

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