Die Unternehmerfamilie Schultz erweitert die größte Skiliftgruppe Österreichs

Österreichweit brechen die Investitionen der Seilbahnen ein. Aber die Tiroler Unternehmerfamilie Schultz erweitert unverdrossen die größte private Skiliftgruppe Österreichs.

Für durchschnittliche Alpin-Fans beginnt die Skisaison demnächst. Für Heinz Schultz hingegen ist sie schon so gut wie gelaufen. Denn wenn in den Skibars die Stimmung erstmals wieder so richtig feuchtfröhlich wird, muss der Seilbahnkaiser aus dem Tiroler Zillertal eigentlich schon alles im Trockenen haben: die Wasserversorgung für die neuen Schneekanonen; die Pachtverträge mit den örtlichen Bauern; die Hauptrevision der neuen Seilbahnanlage. Und die neue WebApp für das iPhone: Schließlich will man mögliche Gäste jederzeit über volle Pisten und leere Betten informieren. Und umgekehrt.

Dass heuer die Vorarbeiten für die neue Saison noch nicht so weit gediehen sind, wie das um diese Zeit sonst der Fall ist, liegt daran, dass der größte private Skigebietbetreiber Österreichs wieder einmal sein Reich erweitert: In den kommenden Wochen will Heinz Schultz auch beim Kärntner Skigebiet Nassfeld zum Einkehrschwung ansetzen. Die bekannte Skiarena im Süden soll als weiteres Glied in das inzwischen weitverzweigte Imperium des Tirolers eingefügt werden.

Zuvor muss er noch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten. Denn nichts ist komplizierter als die Eigentumsverhältnisse alpiner Bergbahngesellschaften. Am Nassfeld etwa reden da die Tourismusholding des Landes mit, die Hypo Alpa-Adria-Bank und eine Reihe von örtlichen Privateigentümern. Doch die Chancen stehen gut, dass der Deal klappen wird. Mit zusätzlichen 30 Liften und 110 Pistenkilometern hätte der smarte Tourismusmanager Schultz dann den Platz an der Spitze seiner Zunft noch verfestigt. Seine Firmengruppe würde mit dem Nassfeld an der 100-Millionen-Euro-Umsatz-Grenze kratzen. Das ist beinahe doppelt so viel wie beim nächstgrößeren Seilbahnbetreiber Österreichs und dreimal so viel wie bei Deutschlands größtem Bergbahnunternehmen, der Zugspitzbahn.

Schultz bestätigt die Verhandlungen in Kärnten, bleibt aber aus Erfahrung vorsichtig: „Noch ist nichts unterschrieben.“

Seilbahnmulti

Schultz ist ein Sonderfall in Österreich. Denn die Seilbahnwirtschaft ist sonst mit wenigen Ausnahmen – etwa der Seilbahnholding des ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel – eher durch Einzelbetriebe gekennzeichnet, die sich bestenfalls über ein, zwei Bergkämme hinweg zu einem gemeinsamen Ticketverbund durchringen. Auch wenn einige, zum Beispiel die Skiwelt Amadé, durch solche Kooperationen beachtliche Größenordnungen erreichen, bleiben die beteiligten Firmen Einzelunternehmen.

Die Schultz-Gruppe hingegen ist mit ihren mittlerweile sieben Seilbahngesellschaften und 504 Pistenkilometern in drei Bundesländern ein echter Multi in dieser Branche. Und das aus alter Tradition: Schon Vater Schultz hatte nach seinem Beginn mit der Bergbahn Hochzillertal in Kaltenbach Lift um Lift dazugekauft. 1988 kam der Mölltaler Gletscher dazu, 1989 die Pustertaler Bergbahnen, 1991 die Ankogel Seilbahnen, 1994 die Matreier Goldriedbergbahn. Nach dem Tod des Seniors setzten seine Nachkommen Martha und Heinz Schultz die Expansion fort. Sie kauften 2006 die Bergbahnen Kals am Großglockner und 2010 die Bergbahn St. Jakob im Defreggental. Und jetzt steht eben das Nassfeld am Programm.

Der Wachstumsdrang ist auch damit noch nicht gestillt. Denn auch bei der Erlebniswelt Dolomiten (Osttirol) haben die Schultz-Geschwister mittels Vorvertrags schon einen Fuß in der Tür. Gelingt auch hier eine Zusammenarbeit, würde sich die Zahl der verbundenen Skigebiete gar auf acht erhöhen.

Der Elan der Gruppe ist in Österreich derzeit gar nicht so selbstverständlich. Denn im Grunde genommen steckt die Branche in schwierigen Zeiten. Im Kampf gegen den (vermeintlichen oder tatsächlichen) Klimawandel, um die immer anspruchsvolleren Gäste und vor allem im Kampf der Destinationen untereinander hat man in den vergangenen Jahren regelmäßig mehr als die Hälfte der Umsätze in neue Seilbahnanlagen, Schneekanonen und Funparks investiert: Alleine im Vorjahr waren das 565 Millionen Euro, rund die Hälfte der 1,152 Milliarden Euro Umsatz, die an den österreichischen Liftkassen erzielt wurden.

Weniger Geld für Investitionen

Gleichzeitig sinkt schon das zweite Jahr hintereinander die Zahl der absolvierten Skitage in Österreich: 51,2 Millionen waren es österreichweit im vergangenen Winter. Tendenz: weiter talwärts. Besonders kleinere Skigebiete haben unter dieser Entwicklung zu leiden, konstatiert Schultz: „Skigebiete unter 100 Pistenkilometern werden es in Zukunft immer schwerer haben.“ Franz Hörl, der Obmann der Seilbahnwirtschaft, prognostiziert bereits einen massiven Einbruch bei den Investitionen: „Minus zwanzig Prozent werden es heuer schon sein – früher oder später musste es zu einer Verflachung kommen.“

Das stimmt für die Branche, aber nicht für Heinz Schultz: Derzeit investiert er rund 40 Millionen Euro in den Ausbau des Großglockner Mountain Resort Kals (490 Betten) sowie je sieben Millionen in eine neue Beschneiungsanlage im Hochzillertal und eine neue Vierer-Sesselbahn am Mölltaler Gletscher.

Die zur Gruppe gehörenden Resorts unterscheiden sich von anderen Gebieten, indem sie keine Alpenballermann-Partys veranstalten. „Die Pseudojodlerei geht mir auf die Nerven“, so Schultz. Die eigene „Kristallhütte“ am Öfelerjoch im Zillertal etwa wird mit Kunstvernissagen, cooler Loungemusik und einer Portion Selbstironie vermarktet: Auf der Speisekarte wird das vierjährige Bestehen auf über 2000 Meter Sehhöhe mit vier gebrochenen Glasscheiben, fünf Blitzeinschlägen, 13 verstauchten Fingern von Mitarbeitern sowie 14 Heiratsanträgen unter Gästen (davon 13 erfolgreich) bilanziert.

Mit seiner Anti-Mainstream-Strategie macht sich Schultz nicht nur Freunde. Jack Falkner, legendärer Manager und Miteigentümer der Söldner Bergbahnen, etwa rätselt: „Was soll das bringen? Zusammenschlüsse machen nur dann Sinn, wenn auch die Skigebiete nebeneinanderliegen.“ Auch Jo Margreiter, Chef der Tirol Werbung, ist ambivalent in seiner Einschätzung von Schultz: „Ich verstehe, wenn manche nicht glücklich sind mit ihm. Denn er geht kompromisslos in strukturschwache Regionen. Und dann müssen dort manch lieb gewordene Gewohnheiten aufgegeben werden. Aber von Nettigkeit alleine kommt kein Erfolg, da ist er schon ein harter Hund.“

Selten geht Schultz wirtschaftliche Partnerschaften ein wie etwa am Mölltaler Gletscher. Das dortige Skigebiet betreibt und entwickelt er gemeinsam mit Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner, der wohl aus dem gleichen Holz geschnitzt ist. Markenzeichen der Schultz-Gruppe ist, möglichst alle touristischen Anbieter einer Destination zu vereinen: vom Seilbahnbetrieb über die Skischule, Hotels und Gastronomie bis hin zum Reisebüro, das für ordentliche Frequenz sorgen soll. Eine eigene Baugesellschaft liefert das nötige Know-how für auch architektonisch anspruchsvolle Objekte. „Das ist das Resort-Denken, wie es eher in Amerika üblich ist – wir haben damit die ganze Wertschöpfungskette in der Hand“, sagt Schultz.

Zur Absicherung des Business für die nächste Generation engagiert er sich für Schulskikurse. Er schloss sich mit dem Wiener Autobusunternehmen Blaguss zusammen, um kostengünstige Angebotspakete für die junge Klientel zusammenzustellen.

Die Gletscherspalten im Tagesgeschäft umgeht der Zillertaler mit dem Selbstbewusstsein von jemandem, der weiß, dass praktisch die halbe Wertschöpfung in Tirol von Unternehmen wie dem seinen abhängt. Etwa wenn im Skigebiet Kals-Matrei (Großglockner) die Einzelprojekte exakt so aufgeteilt werden, dass der 20-Hektar-Grenzwert für eine Umweltverträglichkeitsprüfung nirgendwo überschritten wird. Oder wenn – weil es rasch gehen muss – die Baggerarbeiten für neue Sesselbahnen (etwa am Mölltaler Gletscher) zuerst durchgeführt und erst hinterher Naturschutzbescheide oder die Zustimmung anderer Grundstückseigner abgeklärt werden.

Kein Wunder, dass auch der Alpenverein die Aktivitäten von Schultz mit Argusaugen verfolgt. Naturschutzreferent Peter Hasslacher hat etwa die Idee des Zusammenschlusses der Mölltaler Gletscherbahnen mit Sportgastein über den Nationalpark Hohe Tauern als eines der 15 ökologisch bedenklichsten Erweiterungsprojekte heimischer Skigebiete eingestuft.

Manche stoßen sich auch an den engmaschigen politischen Netzwerken der Geschwister Schultz. Nach ihrer öffentlichen Wahlempfehlung für die ÖVP im Landtagswahlkampf 2008 ließ sich der damalige Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa nicht lumpen und subventionierte den Zusammenschluss der Skigebiete Kals und Matrei mit zehn Millionen Euro. Auch mit van Staas Nachfolger Günther Platter ist das Verhältnis gut. Dessen Landesregierung lässt auch drei Millionen Euro für das Chalet-Dorf in Kals springen. Schultz: „Förderungen sind immer ein Ausgleich für regionale Nachteile, ohne sie würde es keine ausreichenden Umsätze geben.“

Die Arbeitsteilung unter den Schultz-Geschwistern scheint perfekt zu funktionieren. Martha Schultz ist für Marketing und politisches Networking zuständig. Beste Voraussetzungen dafür bringt sie als Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich mit. Im Jahr 2009 war sie knapp davor, als Familienstaatssekretärin für die ÖVP nach Wien zu wechseln. Daraus wurde nichts – aber die Kontakte blieben. Wenig später veranstaltete die gesamte Bundesregierung eine Klausur im Sporthotel Sillian der Familie Schultz in Osttirol.

Von Markus Groll

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