Die Star-Allüren von Apples iPhone

Apples iPhone kommt nach Österreich. Ein ausführlicher Test des Mobiltelefons, das in puncto Bedienung neue Maßstäbe setzt – aber im Vergleich zur Konkurrenz trotzdem enttäuscht.

Es ist wahnsinnig elegant, hat ein exzellentes Display und lässt sich direkt mit den Fingern über den Bildschirm steuern, um etwa bequem die Musikdatenbank durchzublättern. Sie wissen natürlich, wovon die Rede ist. Klar – es ist das neue Nokia-Handy. Das gibt es zwar noch nicht zu kaufen, auch fehlen noch technische Daten oder Modellname, aber es soll noch heuer auf den Markt kommen. Dass das bereits vor einem halben Jahr vorgestellte Wunderding Apples iPhone verdammt nahekommt, ist kein Zufall, wie Nokia-Vizepräsident Anssi Vanjoki bei der Präsentation indirekt zugab: „Wenn es etwas Gutes in der Welt gibt, dann kopieren wir es mit Stolz.“ Kein anderes Handy hat die Hersteller so aufgerüttelt wie das iPhone, das noch in der ersten Jahreshälfte – voraussichtlich im März – von T-Mobile nach Österreich gebracht wird. Kein Wunder also, dass Nokia intensiv an neuen Handys mit Touchscreen arbeitet – „wir wollen kein Gimmick anbieten, sondern eine ganze Reihe von Top-Handys“ (Nokia-Direktor Juha P. Kokkonen).

Auch die anderen Hersteller entwickeln neuerdings Geräte, die eine gewisse Ähnlichkeit zum iPhone kaum verleugnen können. Was das so genannte „User Interface“ betrifft, dem sich seit dem iPhone alle Hersteller lautstark verschrieben haben, kann es jedoch von den Mitte Februar auf dem Mobilfunk-Weltkongress in Barcelona vorgestellten Handys noch keines mit dem Apple-Handy aufnehmen. „Das iPhone hat noch keine wirkliche Konkurrenz bekommen“, konstatiert auch T-Mobile-Chef Robert Chvátal.

Andererseits kann das iPhone kaum mit der technischen Ausstattung der Konkurrenz mithalten. Als normales Handy ist es eine Spur zu groß, und damit es einen guten Organizer ersetzen könnte, fehlt die Tastatur. Als Digicam ist es ungeeignet, das mobile Internet lahmt, und die integrierte Navigation arbeitet ungenau. So weit nur eine erste Auflistung der beim trend-Test festgestellten Einschränkungen. Ausgezeichnet sind dafür die zum Niederknien einfache Nutzerführung und das aufs Minimum reduzierte Design. Eine einzige Taste reicht aus, um alles im Griff zu haben. Ansonsten werden sämtliche Funktionen über den Touchscreen gesteuert. In wenigen Augenblicken findet man heraus, wie man damit umgehen muss. Ein Druck auf die Home-Taste führt zum Startbildschirm, auf dem die wichtigsten Funktionen über bunte Symbole direkt ausgewählt werden können. Der Bildschirm reagiert dabei schon auf sanften Druck so präzise, dass er die Gedanken des Benutzers fast vorwegzunehmen scheint. Was die Bedienung betrifft, hat Apple auch bei der kongenialen Mischung aus Handy und Apples Musik-Player iPod alles richtig gemacht. Mit der von iTunes bekannten Coverflow-Darstellung ist es eine Freude, durch die dreidimensionale Musikbibliothek zu blättern. Schade nur, dass die beigelegten Kopfhörer definitiv nicht zu den besten zählen. Und dass man auf den iTunes-Store nicht über das Mobilfunknetz, sondern nur via Wireless-LAN Zugriff hat, ist ebenso bedauerlich wie die Erkenntnis, dass Pod­casts vom iPhone nicht direkt geladen werden können.

Bei dem Vorhaben, alles so einfach wie möglich zu machen, hat Apple auch einmal etwas übers Ziel hinausgeschossen. Die Fotofunktion ist so simpel wie bei Fotohandys der ersten Generation: Es gibt keinerlei Einstellmöglichkeiten für die Kamera, die mit läppischen zwei Megapixeln arbeitet. Dass die verschwommenen Fotos zudem weder per Bluetooth noch als MMS verschickt werden können, ist unverständlich – wie auch die fehlende Möglichkeit, kurze Videos zu drehen. In seinem Element ist das iPhone hingegen bei der Darstellung der Fotos. Wischt man einmal über das Display, blättert man zur nächsten Aufnahme. Dreht man das Gerät, dann dreht sich auch die Anzeige; und wer Daumen und Zeigefinger am Bildschirm auseinanderzieht, vergrößert das Foto.

Bedauerlich ist hingegen, dass das iPhone weder UMTS noch HSDPA unterstützt. Sofern nicht gerade ein offenes WLAN-Netz zur Verfügung steht, ist damit das Aufrufen des integrierten Video­portals YouTube eher ein Geduldsspiel. Das trifft genauso auf die Navigation via Google Maps zu, die mangels GPS-Ortung etwas ungenau über das Handynetz erfolgt, wie auf das Surfen im Internet. Da ist es wenig tröstlich, dass der Safari-Browser Webseiten an und für sich hervorragend für das iPhone-Display skaliert.
Und selbst bei den klassischen Handyfunktionen präsentiert sich das iPhone als eigenwillig. Die Sprachqualität ist nicht berauschend, Profileinstellungen oder Sprachwahl fehlen, und beim SMS-Versenden ist der User durch die fehlende Tastatur gehandicapt. Die Texteingabe erfolgt über eine kleine eingeblendete Tas­tatur, wobei die Wörter automatisch vervollständigt werden. Die Ergänzungen stimmen freilich nicht immer. Im direkten Vergleich können Nachrichten oder e-Mails mit einer herkömmlichen Handytastatur schneller und richtiger getippt werden.

Aber das ist eigentlich nebensächlich. Das Wichtigste ist wohl, mit dem außergewöhnlichen iPhone auffallen zu können – und dieses Konzept wird vermutlich auch in Österreich zahlreiche Interessenten finden. In Deutschland konnte T-Mobile bis Jänner bereits 70.000 iPhones um je 399 Euro samt Zweijahresvertrag verkaufen – und das binnen elf Wochen.

Von Oliver Judex und Peter Sempelmann

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente