Die Partnersuche von bwin geht weiter:
US-Anbieter soll an Bord geholt werden

Die Partnersuche des österreichischen Anbieters von Wetten und Glücksspiel im Internet geht in die Verlängerung. Nun laufen Verhandlungen mit einem US-Anbieter. Für die weitere Expansion stellt sich bwin neu auf.

Von Markus Groll und Michael Moravec

Einen Euro riskieren und 2500 Euro gewinnen? Das geht. Theoretisch. Mit einem Tipp auf die Nordkoreaner als Fußball-Weltmeister zum Beispiel. Aber die sind zur Halbzeit der WM schon ausgeschieden. Wer während des Spiels Italien gegen Neuseeland wettete, beide Teams würden gleichzeitig jeweils einen Mann durch eine Rote Karte verlieren, dem hätte bwin pro Euro immerhin 41 ausbezahlt – doch leider waren die Spieler in diesem Spiel Musterknaben.

Das Wettfieber grassiert während der Fußball-WM. Solche Ereignisse sind die Hochzeit von Online-Wettanbietern wie bwin. Das österreichische Unternehmen rechnet mit zusätzlichen Wetteinsätzen von rund 250 Millionen Euro. Rund acht Prozent davon bleiben nach Auszahlung der Gewinne: der eigentliche Umsatz, auch Bruttospielertrag genannt. Bei Großereignissen liegt dieser traditio­nell etwas niedriger (zirka fünf Prozent). Allerdings könnte ein ­Favoritensterben in Südafrika das WM-Ergebnis für bwin noch verbessern. Immer wenn Mannschaften wie Deutschland oder Spanien unerwartet Spiele verlieren, dürfen die Buchmacher jubeln.

Zehn bis 15 Millionen investieren die bwin-Bosse Manfred Bodner und Norbert Teufelberger extra ins Marketing für die WM, was die eigenen Profite ebenfalls schmälert. Doch die Marke profitiert extrem. bwin ist omnipräsent, nicht nur auf österreichischen TV-Schirmen, auch international.

Bodner und Teufelberger stehen aber nicht nur deswegen unter Strom. Im Hintergrund müssen sie auch das Unternehmen neu aufstellen. bwin, der Marktführer in Kontinentaleuropa, soll weiter wachsen. Die Möglichkeiten dafür: eine Fusion, die Eroberung neuer Märkte und der Ausbau von Online-Glücksspielen wie Poker und Roulette.

Kommt bald US-Partner? Sehr weit gediehene Pläne zur Fusion mit einem Konkurrenten sind soeben geplatzt. Mit Partygaming, einem aggressiven britischen Anbieter aller möglichen Glücksspiele im Internet, wäre bwin zu einem Giganten für Zocker im Netz geworden. Es lagen schon Bewertungsgutachten für beide Unternehmen vor, als Basis für einen Merger. Letztlich konnte man sich aber mit Partygaming über die operativen Details eines gemeinsamen Konzerns nicht einigen. Hannes Androsch, Aufsichtsratsvorsitzender und mit einem Aktienanteil von knapp weniger als zehn Prozent der größte Einzelaktionär von bwin, bestätigt das Scheitern der Verhandlungen: „Es stimmt, die Gespräche mit den Engländern haben zu guter Letzt nicht zu dem erwünschten Ergebnis geführt.“ Allerdings betont Androsch: „Wir sind nicht unter Zugzwang.“ Zum einen wäre durchaus auch eine Stand-alone-Lösung möglich. Zum anderen gebe es Alternativen zu den Engländern.

Wie der trend in Erfahrung bringen konnte, verhandeln die bwin-Chefs derzeit intensiv in Amerika. Es geht dabei einerseits um ein Joint Venture für den amerikanischen Markt. Andererseits wird auch über den Verkauf eines bwin-Minderheitenanteils in der Höhe von bis zu elf Prozent gesprochen. Der Partner ist dem Vernehmen nach ein Unternehmen mit Sitz in San Francisco. Ob ein Deal klappt oder nicht, Androsch will bei bwin keinesfalls aussteigen: „Ich bleibe Kernaktionär, weil ich die sich nun ergebenden Chancen für das Unternehmen in nächster Zeit in vollem Umfang nützen will.“

bwin-Vorstand Teufelberger nennt zwar noch keinen Namen, räumt aber ein: „Es gibt derzeit in einzelnen US-Bundesstaaten einige Indizien dafür, dass es im kommenden Jahr zu einer Teilöffnung des amerikanischen Markts kommen wird. Einen Markt­eintritt in die USA will bwin mit einem kompetenten und lokalen Partner in Angriff nehmen. Dazu werden laufend Gespräche geführt.“

Tatsächlich dürfte die neue Amerika-Connection (das halbe Management von bwin befand sich kürzlich in San Francisco) mehr sein als nur ein Gerücht, um nach der geplatzten Partygaming-Fusion die Aktionäre bei der Stange zu halten. Immerhin ist im aktuellen Aktienkurs von rund 37 Euro einiges an Übernahmefantasie eingepreist – verglichen mit dem operativen Ergebnis, ist die Marktkapitalisierung ziemlich hoch.

Teures Marketing
Die USA, wo der Markt wieder aufgeht, stehen ganz oben auf der bwin-Expansionsliste. Daneben besteht Interesse an der Türkei, China und Südamerika. Die Marke international bekannt zu machen, ließ sich bwin 2009 Marketingaufwendungen von 102 Millionen Euro kosten (im Jahr davor sogar 132 Millionen). Alleine der Spitzen-Fußballklub Real Madrid bekommt von bwin dem Vernehmen nach mehr als 18 Millionen Pfund (21,6 Mio. Euro) pro Jahr.

Parallel zur Eroberung neuer Märkte soll der Anteil des Glücksspielgeschäfts steigen, weil es wesentlich höhere Margen bringt als Sportwetten. Im Stammgeschäft erzielte bwin im Vorjahr bei gut drei Milliarden Euro Wetteinsatz 226 Millionen Bruttospielerträge – im Glücksspiel (Black Jack, Roulette etc.) mit einem Bruchteil der Einsätze 220 Millionen. Ein bwin-Partner soll daher nicht nur finanzstark, sondern auch fest im Glücksspiel verankert sein und Expertise im technischen Bereich einbringen.
Für beide Expansionsziele kommt Androsch, Bodner und Teufelberger die regulative Entwicklung bei Glücksspiel und Sportwetten entgegen. Androsch: „Das Klima hat sich in den vergangenen Wochen zu unseren Gunsten gewandelt.“ Frankreich etwa, wo die bwin-Vorstände vor vier Jahren noch kurzfristig wegen illegalen Glücksspiels sogar verhaftet wurden, hat mittlerweile Lizenzen vergeben – und bwin hat zwei davon bekommen: für Poker und Sportwetten. Für die USA rechnet man mit einer Liberalisierung der rigiden Glücksspielregelungen, die bwin noch 2006 zum bilanziellen Abschreiben des 600-Millionen-Euro-Kaufpreises für die schwedische Poker-Firma Ongame zwangen. Und in Deutschland gilt das jetzige Verbot für Sportwetten in Form eines Staatsvertrags zwischen Bund und Ländern nur mehr bis Jahresende. Ab 2011 muss neu verhandelt werden. Geht es in Richtung Liberalisierung, bekäme auch die Neuerwerbung von bwin, die italienische Glücksspielfirma Gioco Digitale, die um 115 Millionen Euro übernommen wurde (in guter alter bwin-Tradition mehrheitlich in Form eines Aktientauschs), einen hohen Stellenwert im Beteiligungsportefeuille.

Klimawandel
Beim Internetglücksspiel scheint sich auch in Österreich eine Art Übereinkommen abzuzeichnen, welches das von der Politik nach außen noch hochgehaltene Monopol durchaus aushöhlen könnte. Zwar findet sich in der jüngsten, vom Parlament im Juni verabschiedeten Gesetzesnovelle dazu noch kein Wort. Internetglücksspiel ohne österreichische Konzession werde hierzulande illegal angeboten, sagt der zuständige Finanzstaats­sekretär Reinhold Lopatka. Er will nun aber in einem Gespräch mit EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier ausloten, ob es zu einer EU-weiten Lösung kommen kann. Ihm schwebt für ­Österreich ein Lizenzsystem vor. Es könnten also schon bald auch private Internetbetreiber eine Geschäftserlaubnis bekommen – falls sie bestimmte Kriterien (wie z. B. ausreichenden Spielerschutz) erfüllen.

Lopatka: „Man muss dann aber massiv gegen jene vorgehen, die keine Lizenz haben.“ So könnte es den österreichischen Geldins­tituten verboten werden, an bestimmte Anbieter Geld weiterzuleiten oder von diesen Gewinne in Empfang zu nehmen, ähnlich einer Regelung, wie sie in den USA gilt.

bwin wird sich mit Sicherheit – „wenn die Rahmenbedingungen passen“ – für eine österreichische Internet-Glücksspiellizenz bewerben, bestätigt Vorstand Teufelberger.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente