Die OMV-Raffinerie Schwechat könnte ihre größten Kunden verlieren

Kaum hat OMV-Boss Gerhard Roiss die Verlagerung der Konzernstrategie von Raffinerie & Tankstellen Richtung Erdöl- und Erdgasförderung angekündigt, zeigt sich wohl mit ein Grund dafür: Gut informierten Kreisen zufolge hat BP ihre Bezugsverträge für Treibstoff mit der OMV-Raffinerie Schwechat gekündigt.

Man will um bessere Bedingungen verhandeln – oder den Lieferanten ganz wechseln. Immerhin locken nur wenige Kilometer hinter der Grenze zwei billigere Raffinerien der ungarischen MOL (in Százhalombatta und Bratislava, Slowakei). Damit wird genau jene Konkurrenz schlagend, die die OMV mit ihrem letztlich geplatzten Versuch, die MOL zu übernehmen, unterbinden wollte.

Für Roiss bedeutet das mehr als nur Ärger im lokalen Tankstellenbusiness. Die Raffinerie Schwechat kann ihren Ausstoß lange nicht zur Gänze im eigenen Konzern absetzen. Beispiel Diesel: Von den insgesamt jährlich produzierten rund 3,2 Millionen Tonnen nehmen knapp mehr als die Hälfte Mitbewerber ab, immerhin bis zu 58 Prozent davon die BP. Gerüchteweise verhandelt mit der Eni auch ein zweiter großer Schwechat-Kunde um neue Bedingungen: Die Italiener hatten 2010 zu ihrem Agip-Netz auch die österreichischen Esso-Stationen übernommen und sind gerade dabei, Überkapazitäten abzubauen. Weder der neue BP-Boss Patrick Wendeler noch die Eni wollen sich zu den Verhandlungen äußern. Die OMV lässt sich, leicht verschnupft, zu einem Statement hinreißen: „Es steht selbstverständlich jedem Marktteilnehmer frei, von wo er die benötigten Produkte bezieht.“

Dabei ist das konzernweite Raffinerie- und Tankstellengeschäft (R&M) – wie übrigens in ganz Europa – deutlich unter Druck. Die OMV-Raffineriemarge lag zuletzt bei mageren 1,7 Dollar/ Barrel, 2010 waren es noch 3,15 Dollar/Barrel. Und die Hoffnung, dass die heuer neu konsolidierte türkische Tankstellentochter Petrol Ofisi das Geschäftsfeld rausreißen könnte, dürfte sich nicht erfüllen: Die OMV verdoppelte damit zwar die Anzahl ihrer Tankstellen, setzte aber nur um 45 Prozent mehr Treibstoff ab, der lokal zugekauft werden musste. Die elegante Lösung, Überkapazitäten aus Schwechat an den Bosporus umzuleiten, käme wegen der großen Entfernung viel zu teuer.

- magr

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