Die besten Lebensversicherungen: Die Börsenkrise hat einen Boom ausgelöst

Immobilienkrise und Börsenturbulenzen haben einen Boom bei Lebensversicherungen ausgelöst. Sie versprechen gute Renditen bei hoher Sicherheit. trend sagt Ihnen, worauf Sie bei einem Neuabschluss achten müssen, welche Versicherung am meisten bringt, wie Sie eine bestehende Lebensversicherung optimieren und wie Sie Ihren Vertrag wieder loswerden.

Wahrscheinlich werden sich Anleger noch lange an das erste Quartal 2008 erinnern: schwindelerregende Kursverluste an den Börsen, sich überschlagende Meldungen vom drohenden Kollaps des Weltfinanzsystems, weltweite Flucht aus „unsicheren“ Aktien und Fonds. Doch es gibt auch Profiteure des Weltuntergangs-szenarios: Der Lebensversicherungsmarkt boomt. Mit einer Wachstumsrate, die selbst die optimistischsten Schätzungen der Branche um das Dreifache übertraf, zählen Lebensversicherungen bisher zu den beliebtesten Anlageformen im heurigen Jahr. Denn: „Versichern beruhigt.“ Eigentlich kann sich niemand mehr so richtig daran erinnern, wer diesen ­Slogan erfunden hat – doch er zieht immer noch. Und zwar mehr als je zuvor. Auf bescheidene 1,7 Prozent prognostizierte der Versicherungsverband das Prämienwachstum bei Lebensversicherungen im heurigen Jahr. Mit einem Plus von zwei Prozent rechneten die optimistischeren Anbieter. Doch es kam ganz anders. „Wir halten branchenweit derzeit bei einem Prämienwachstum von sechs Prozent“, freut sich Elisabeth Stadler, Vorstandsmitglied der Uniqa-Versicherung. „Wir sind sehr zufrieden“, kommentiert die gelernte Versicherungsmathematikerin das dreifach höhere Prämienwachstum. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum erlitt die Fondsbranche in Österreich einen schmerzhaften Mittelabfluss von 4,5 Milliarden Euro oder minus 2,8 Prozent.

Einen Grund für das unerwartete Füllhorn , das sich über die heimischen Assekuranzen ergießt, hat Versicherungsmakler Günter Nanke parat: „Versicherungen können mit Sicherheit punkten. Imagemäßig ist das in der jetzigen Situation natürlich ein großer Vorteil. Derzeit liest man ja so viel über Probleme bei Banken.“ Tatsächlich gab es in der Zweiten Republik zwar schon einige Bankpleiten, aber noch nie schlitterte eine Versicherung in die Insolvenz – ein Argument, das den Assekuranzen derzeit offenbar besonders nützt. Sicherheit steht auch für Christian Sedlnitzky, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Versicherung, im Vordergrund. „Vor Jahren habe ich in den USA bei Prudential gearbeitet. Als ich gefragt habe, welche Rendite geboten wird, waren die ganz überrascht. Da ging es vor allem darum, den über Jahre angesparten Betrag zu sichern. Ich glaube, auch hierzulande wird Sicherheit immer wichtiger.“

Den angesparten Betrag sichern – an sich ein bescheidenes Ziel. Doch erreichen das auch alle derzeit angebotenen Lebensversicherungen?
Walter Hager, Versicherungsexperte des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), ist da eher skeptisch. „Ich bin kein großer Freund von Lebensversicherungen. Die Konsumenten haben keine Ahnung von der Spesenbelastung, und Renditeversprechungen stellen sich im Nachhinein oft als Seifenblasen heraus.“ Dies gelte auch für das innovativste und derzeit überdies besonders erfolgreiche Produkt der Branche: die fondsgebundene Lebensversicherung mit Einmalerlag und Renditegarantie. An sich klingt das Angebot tatsächlich verlockend: Sie zahlen einen Betrag X – den „Einmalerlag“ – ein (die Mindesteinstiegssumme beträgt meist 5000 Euro) und brauchen sich anschließend um nichts mehr zu kümmern. Die Versicherung investiert das Geld zum Teil in lukrative Fonds, und Sie streifen nach zwölf Jahren (der typischen Laufzeit der derzeit angebotenen Produkte) garantierte 160 bis 170 Prozent ein; hinzu kommt noch eine erhoffte saftige Gewinnbeteiligung.

Allerdings bedeutet beispielsweise eine Garantie von 60 Prozent Gewinn auf zwölf Jahre keineswegs eine fünfprozentige Jahresverzinsung – der Zinseszinseffekt drückt die vergleichbare Rendite auf knapp über vier Prozent, und die Hoffnung, durch besonders günstige Veranlagung mehr zu erlangen, kann sich leicht zerschlagen. Aus dem 60 Prozent übersteigenden Gesamtertrag deckt die Assekuranz nämlich zunächst einmal Abschlussprämie, laufende Kosten und die Versicherungssteuer ab.
Außerdem haben die Assekuranzen bei einigen ihrer Produkte Konstruktionen gewählt, wie sie auch bei Garantiezertifikaten Verwendung finden: Die eingezahlten Beträge werden auf zwei ­„Investment-Pools“ aufgeteilt. Der sichere Pool – der unter anderem aus Nullkuponanleihen besteht – ermöglicht die Kapital- und Renditegarantie. Mit dem kleineren Betrag spekulieren die Vermögensmanager der Assekuranzen auf teils hoch riskanten Märkten und versuchen dadurch, eine möglichst hohe so genannte „Gewinnbeteiligung“ (die neben dem garantierten Sockel zweite Komponente der Gesamtrendite) zustande zu bringen.

Geht es gut, dann winken saftige Zusatzgewinne, und die Versicherungsnehmer erwartet am Laufzeitende eine freudige Überraschung in Form einer hohen Gewinnbeteiligung, die den garantierten Sockel auch sehr deutlich übersteigen kann. Geht es allerdings gleich zu Beginn schief, dann verringert sich dadurch das im „Risikopool“ zur Verfügung stehende Kapital. Laufen gleich mehrere Investments in den ersten Jahren in die falsche Richtung, dann bleibt nur noch wenig für den Risikoteil übrig – die Gewinnbeteiligung wird entsprechend mager dotiert, in der schlechtesten Variante kann sie sogar gänzlich ausfallen. „Natürlich kann man im Vorhinein nie exakt prognostizieren, wie sich die Märkte entwickeln. Aber wenn man Modellrechnungen mit Zahlen aus der Vergangenheit anstellt, kann man schon Aussagen treffen. Wir haben ein Produkt mit einer Mischung aus Aktien- und Garantiefonds, das hat in den vergangenen fünf Jahren 5,72 Prozent jährlich gemacht“, verteidigt Hans-Hermann Knorr, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger Versicherung, den momentanen Aufsteiger der Branche.

Gut läuft derzeit aber auch das Geschäft mit der biederen „klassischen“ Lebensversicherung. „Gerade in der jetzigen Zeit beweist die klassische Lebensversicherung, dass sie relativ stabil durch unsichere Zeiten steuert“, rührt Manfred Baumgartl, Vorstand der Allianz-Versicherung und Spartensprecher im Versicherungsverband, die Werbetrommel für das neben dem Sparbuch und Bausparverträgen vielleicht langweiligste, aber beim Publikum nicht minder erfolgreiche Anlageprodukt. Zwar verweisen Konsumentenschützer und kritische Anlage­berater immer wieder auf die Schwachstellen der Lebensversicherung, doch die nüchternen Zahlen belegen, dass sich die Österreicher dadurch nicht beeindrucken lassen: Derzeit existieren bei einer Gesamtbevölkerung von rund acht Millionen Menschen insgesamt 10,2 Millionen Lebensversicherungsverträge. Statistisch betrachtet haben also mehr als zwei Millionen Landsleute ihr kostbares Leben vorsichtshalber zweimal versichert. Die „klassische“ Lebensversicherung stellt hier die größte Gruppe dar.

Angesichts der aktuellen Renditezahlen verwundert das ein wenig. „Prognosen für eine Rendite am Ende der Laufzeit sind sehr schwierig, doch im ungünstigsten Fall müssen Versicherungsnehmer damit rechnen, dass letztlich nur eine Jahresverzinsung unter zwei Prozent herausschaut – und das ist deutlich weniger als die aktuelle Inflation“, kritisiert VKI-Experte Hager. „Da wird es für einige Kunden am Laufzeitende ein böses Erwachen geben.“ Derzeit beträgt der so genannte „Rechnungszins“ – also jene Zinsen, mit denen die Assekuranzen werben dürfen und die sie garantieren müssen – nämlich höchstens 2,25 Prozent. Doch selbst dieser bescheidene Prozentsatz gilt – ähnlich wie die Gewinngarantie bei den Einmalerlagsverträgen – nur für das tatsächlich investierte Kapital. Auch hier wird die Versicherungssteuer abgezogen, sodass nur noch ein Teil des eingezahlten Kapitals veranlagt wird. Wie hoch die Spesenbelastung pro Vertrag tatsächlich ist, zählt zu den gut gehüteten Geheimnissen der Versicherungen.

Brancheninsider schätzen diese Spesenbelastung über die gesamte Laufzeit auf rund 20 Prozent – was bedeutet, dass lediglich 80 Prozent der eingezahlten Summe für eine Veranlagung zur Verfügung stehen. Besonders unangenehm dabei: In den ersten Jahren ist diese Spesenbelastung besonders hoch, was über den ­Zinseszinseffekt erhebliche negative Auswirkungen auf die Gesamtperformance hat. Seit einer Gesetzesnovelle dürfen die Abschlusskosten zwar nicht mehr im ersten Jahr abgerechnet werden – was dazu führte, dass von den Einzahlungen der Kunden meist gar nichts mehr übrig blieb –, doch auch die Aufteilung auf mindestens fünf Jahre (die gesetzliche Mindestfrist) führt zu Verlusten.

Andererseits bietet die klassische Lebensversicherung aber einen Vorteil, den Anleger derzeit besonders schätzen: eine Kapital- und Höchststandsgarantie. Mit den jährlichen Abrechnungen erhalten Kunden nämlich auch Informationen über die Gewinnbeteiligung, also jenen Betrag, den die Assekuranz durch erfolgreiche Veranlagung über den Garantiezins hinaus erwirtschaftet hat. Veranlagtes Kapital, Rechnungszins und Gewinnbeteiligung werden Jahr für Jahr festgeschrieben und können nicht mehr unterschritten werden. Bei Fonds und Zertifikaten wird dies als „profit-lock-in“ heftig beworben. „Vielleicht sollten wir dieses Merkmal auch für Versicherungen in Zukunft intensiver bewerben“, überlegt Branchensprecher Baumgartl.

Im Langfrist-Vergleich mit Anleihenfonds – einem ähnlich konservativen Anlageprodukt – schneiden die Versicherungen auf lange Sicht außerdem gar nicht so schlecht ab. Mit der vierprozentigen Versicherungssteuer erkaufen sich die Versicherten bzw. ­Anleger nämlich die Befreiung von allen anderen Steuern, unter anderem der 25-prozentigen Kapitalertragsteuer (KESt), die das Ergebnis der Fonds schmälert. Außerdem drücken Ausgabe­aufschlag und Managementgebühr ja auch bei Fonds auf die ­Performance. Schließlich sollte der Rechnungszins ja auch keineswegs die einzige Profitquelle bleiben. Selbst den ungeschicktesten Geldmanagern dürfte es derzeit kaum gelingen, so schlecht zu investieren, dass am Ende nur die garantierten 2,25 Prozent herauskommen, bringen doch schon simple Festgelddepots deutlich über vier Prozent. „Einschließlich Gewinnbeteiligung sollten es ältere Verträge am Laufzeitende auf 4,5 Prozent bis 5,5 Prozent Gesamtrendite bringen – und zwar netto, weil da ja keine Steuer mehr abgezogen wird“, schätzt Versicherungsmakler Nanke. Und das ist im Vergleich mit Anleihen schon wieder gar nicht so schlecht: Um nämlich mit einer Anleihe eine Nettorendite nach Kapitalertragsteuer von fünf Prozent zu erzielen, müsste diese über einen Kupon von 6,67 Prozent verfügen. Staatsanleihen oder sichere Unternehmensanleihen mit einer solchen Verzinsung gibt es derzeit nicht und wird es wohl in absehbarer Zeit auch nicht mehr geben. Aktuelle Renditeschätzungen für jüngere Lebensversicherungsverträge sehen allerdings etwas weniger rosig aus: Hier sollten Anleger aus jetziger Sicht mit nicht viel mehr als viereinhalb Prozent Rendite rechnen. Doch auch damit schlagen die umstrittenen Lebensversicherungen Staatsanleihen immer noch deutlich.

Von Franz C. Bauer

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