Die Bilanz über zehn Jahre Euro-Währung:
Die Währungsunion in unruhigen Zeiten

Die europäische Gemeinschaftswährung feiert ihren ersten runden Geburtstag. Der trend zieht Bilanz über zehn Jahre Euro, Teuro und die Bedeutung der Währungsunion für die europäische und die österreichische Wirtschaft in Zeiten der Krise.

Zehn Jahre ist es her, dass der Euro als europäische Gemeinschaftswährung eingeführt wurde. Am 1.1.1999 löste er den Schilling zunächst als Buchgeld, ab 2002 auch als reale Währung ab. Bei dem festgesetzten Wechselkurs von 13,7603 Schilling dauerte es lange, bis sich Wirtschaft und Bevölkerung an die neuen Beträge gewöhnt hatten.

Inzwischen zeigt sich klar, dass der Euro eine unverzichtbare Stütze für Europas Wirtschaft ist. Trotz der nicht enden wollenden Diskussionen über durch ihn ausgelöste Teuerungen überwiegen in der Bilanz eindeutig die positiven Effekte. Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise erweist sich der Euro auch als Garant für Stabilität und bewahrt Europa aufgrund des Wegfalls der Wechselkursschwankungen vor noch größeren Problemen.

Experten sind sich einig, dass es Österreich ohne Euro besonders schwer hätte. „Wäre Österreich nicht der Währungsunion beigetreten, dann wäre es als kleines Land in den Strudel von Währungsspekulanten geraten“, meint Bernhard Felderer, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS); und Franz Hahn, Experte für Finanzen und Geldpolitik beim Wifo, glaubt gar, dass es ohne den Euro mehrere Konkursfälle wie Island gegeben ­hätte und eventuell sogar die EU auseinandergebrochen wäre: „Der Riss zwischen Hartwährungsländern wie Deutschland und Weichwährungs­ländern wie Italien oder Spanien wäre unüberbrückbar gewesen.“

Euro = Teuro?
Insgesamt 320 Millionen Europäer bezahlen seit dem 1. Jänner 2002 mit der neuen europäischen Gemeinschaftswährung. Die Banken und die großen Wirtschaftsbetriebe verwendeten den Euro davor schon drei Jahre lang als Buchgeld im Zahlungsverkehr. Für den Handel und die Gastronomie gab es Anfang 2002 viel zu tun. Die Preise mussten neu ausgezeichnet werden, und Personal wie Klientel mussten sich erst an das neue Geld gewöhnen. Der Umrechnungskurs von 13,7603 Schilling je Euro trug dazu bei, dass gerne zugunsten der ­Anbieter gerundet wurde. „In einzelnen Branchen, vor allem in der Gastronomie, im Dienstleistungssektor, aber auch bei den Gebietskörperschaften, etwa bei Parkgebühren, wurde nicht immer genau umgerechnet“, sagt Klaus Liebscher, zur Zeit der Euro-Einführung Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank. In der Gastronomie wurde oft mit dem Kurs 10:1 gerechnet. In Kaffeehäusern kostete die Melange statt 30 Schilling drei Euro (umgerechnet 41,28 Schilling), das Bier in vielen Wirtshäusern statt 25 Schilling 2,50 Euro (34,40 Schilling). Der Euro bekam deshalb bald den Beinamen „Teuro“, und Preiserhöhungen wurden automatisch seiner Einführung zugeschoben.

Zu Unrecht, wie Ökonomen meinen. „Rundungseffekte gab es nur im ersten Jahr“, erklärt Ulrich Kater, Chefvolkswirt bei der Dekabank. Tatsächlich sei die Kaufkraft seit der Euro-Einführung durch historisch niedrige Inflationsraten gestiegen. Laut Eurostat liegt die durchschnittliche Teuerungsrate in der Eurozone seit 1999 auch nur bei knapp zwei Prozent. Anfang der neunziger Jahre waren es noch sechs Prozent. Die Bedeutung des Euro ist dabei nicht zu unterschätzen. Viele Preise sind nun europaweit einheitlich und daher leichter zu vergleichen.

Positiv ist auch der Wegfall des Geldwechselns beim grenzüberschreitenden Warenverkehr. Davon profitieren Konsumenten ebenso wie Unternehmen. Ewald Grünzweig, Leiter des Bereichs Export- und Investitionsfinanzierungen der Bank Austria: „Die Ersparnis innerhalb des Euroraums liegt bei rund drei Prozent des jährlichen Umsatzes. Der Kostenvorteil kann von der Wirtschaft direkt an die Konsumenten weitergegeben werden.“

Robert Kastil, Finanzvorstand des Löschfahrzeuge-Spezialisten Rosenbauer, schätzt den Vorteil für stark exportorientierte Unternehmen noch höher ein. „Bei Geschäften in Länder wie Afghanistan oder in Afrika mussten wir zu Schilling-Zeiten noch auf die D-Mark oder den Dollar ausweichen. Die Währungen mussten also bei den Geschäften doppelt gedreht und auch noch abgesichert werden. Die Ersparnis durch den Euro als international anerkannte Währung liegt bei gut fünf Prozent.“ Der Wegfall des Geldwechsels hat auch positiven Einfluss auf das BIP-Wachstum im Euroraum. Ökonomen schätzen den Beitrag auf plus 0,8 Prozent.

Von Raja Korinek und Peter Sempelmann

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