Die 25 mächtigsten Österreicher

Sie lenken Konzerne, regieren das Land, weben weit verzweigte Netzwerke oder dominieren die Meinungsbildung. Einfach gesagt: Sie bestimmen die Geschicke des Landes. trend porträtiert die 25 mächtigsten Österreicher.

Als OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer am 21. April 2007 seine Unterschrift unter eine gemeinsame Absichtserklärung mit der National Iranian Oil Company setzte, wusste er vermutlich, was auf ihn zukommen würde. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Zwei Tage später drohte das US-Außenministerium bereits mit möglichen Sanktionen gegen die OMV, sollte die Beteiligung an einer iranischen Flüssiggasanlage tatsächlich zustande kommen und der österreichische Erdölkonzern wie geplant ein iranisches Gasfeld anzapfen.

Doch Ruttenstorfer blieb ungerührt. „Wir halten uns an alle Gesetze“, erklärte er. Über seine Unternehmenssprecherin ließ er etwas patzig ausrichten, dass es Öl und Gas eben nicht nur im Weinviertel gebe. Bundespräsident, Kanzler und Außenministerin stellten sich umgehend hinter den OMV-General. Man werde sich diesbezüglich von der amerikanischen Politik nicht dreinreden lassen.

Dass ein österreichischer Unternehmenschef die Weltpolitik beschäftigt und dabei auch noch von Politikern beider Großparteien unterstützt wird, kommt ziemlich selten vor. Wolfgang Ruttenstorfer hat allerdings ein paar sehr gute Argumente auf seiner Seite: rund 41.000 Mitarbeiter, einen Jahresumsatz von über 17 Milliarden Euro und Beziehungen, die weit in die Politik hineinreichen. Der 56-Jährige gehört zweifellos zu den mächtigsten Managern Österreichs.

Macht kann sich auf verschiedenste Arten manifestieren. Über die Größe des Unternehmens, dem ein Manager vorsteht, wie im Fall Ruttenstorfer. Über ein politisches Amt, die Qualität des Netzwerkes oder das gesellschaftliche Ansehen. trend hat sich in österreichischen Unternehmen, in der Politik sowie in der Kultur umgesehen und die 25 mächtigsten Österreicher gekürt.

Die Lebenswege, Karrieren und Persönlichkeiten der Porträtierten sind höchst unterschiedlich. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie wurden, was sie sind, nicht durch Zufall.

Reich und berühmt kann ein Mensch unter Umständen werden, ohne es angestrebt zu haben. Auch der Erfolg kann einem in den Schoß fallen. Die Macht jedoch kommt niemals von selbst, und sie kommt auch nicht über Nacht. Sie gleicht einem prallen Bizeps, der hart erarbeitet und sorgsam gepflegt werden will. Jeder Tag des Schlendrians kann einer zu viel sein.

Was wäre, um beim Bizeps zu bleiben, beispielsweise aus Arnold Schwarzenegger geworden, wenn er seinerzeit nicht die Steiermark verlassen hätte? Vielleicht ein braver Polizist wie sein Vater Gustav. Dann stünde Arnie jetzt, mit 60 Jahren, kurz vor der Pensionierung. Er hätte wahrscheinlich ein Häuschen im Grünen, zwei oder drei Enkelkinder und einen Opel Vectra in der Garage. Vielleicht hätte er auch sein Hobby zum Beruf gemacht und in Graz ein Fitnessstudio eröffnet. Mag sein, dass er irgendwann für eine politische Partei kandidiert hätte – weiter hinten auf der Bezirksliste, wo es weniger stört, wenn der Kandidat kein Hochdeutsch spricht. Dass es nicht so kam, liegt hauptsächlich daran, dass Arnold Schwarzenegger selbst diese Gedankenexperimente niemals anstellte. Das kleine, bescheidene, abhängige Leben war für ihn einfach keine Option.

Siegfried Wolf, Chef des Autozulieferkonzerns Magna, hätte nach seiner Lehre zum Werkzeugmacher mit anschließender Meisterprüfung eigentlich auch zufrieden sein können. Facharbeiter werden immer gebraucht, es wäre ihm nichts abgegangen. Außer natürlich die Kontrolle über 83.000 Mitarbeiter in 229 Fabriken auf der ganzen Welt.

Brigitte Ederer, Generaldirektorin von Siemens Österreich, musste sich vor 13 Jahren vom damaligen Außenminister Alois Mock als „Maskottchen“ des EU-Verhandlungsteams verniedlichen lassen. Während ihrer ersten Karriere in der Politik kämpfte sie stets gegen (männliche) Vorurteile und immer wieder gegen die grobe Unterschätzung ihrer Fähigkeiten. Viele andere hätten irgendwann kapituliert und sich mit einem Platz in der zweiten oder dritten Reihe zufriedengegeben. Ederer wollte mehr. Und sie bekam es.

„Macht ist die Fähigkeit von Individuen und Gruppen, das Verhalten und Denken von anderen Individuen und Gruppen in ihrem Sinne zu bestimmen“, heißt es im Internetlexikon Wikipedia. Nach dieser Definition ist Macht ein völlig wertfreier Begriff. Wer mehr Menschen in seinem Sinn beeinflusst, ist eben mächtiger als andere. In der Praxis wird das Wörtchen Macht allerdings bevorzugt mit Anhängseln wie -missbrauch, -gier oder -ergreifung gebraucht. Mit dem Image des Begriffs steht es offenbar nicht zum Besten. Deshalb wird vor allem in den oberen Etagen der Bedeutungspyramide gerne kokettiert wie in der Jugend-Disco. Mächtig? Ich? Aber woher denn.

Beschworen werden von den wirklich Wichtigen für gewöhnlich lieber die große Verantwortung, die schlaflosen Nächte und die Sorge um das Wohl der Mitarbeiter, des Landes, der Welt. Stimmt wahrscheinlich auch alles, ist aber nur die halbe Wahrheit. Wie angenehm schon das kleinste Quäntchen mehr an Macht sein kann, erlebt jeder, der zu Hause gelegentlich den Kampf um die Fernbedienung gewinnt.

„Es macht keinen Sinn, sich aus diesem Spiel heraushalten zu wollen“, schreibt der britische Wissenschaftler und Journalist Robert Greene in seinem 1998 erschienenen Buch „Power. Die 48 Gesetze der Macht“, das zu einem Standardwerk des Genres wurde. „Am Ende stehen Sie bloß machtlos da, und wer machtlos ist, fühlt sich elend.“

Greene gibt Ratschläge, die sich eher nicht für eine Ansprache im Pfadfinderlager oder einen netten Beitrag im Poesiealbum eignen: „Vertraue deinen Freunden nie zu sehr – bediene dich deiner Feinde“, heißt es da unter anderem. „Lass andere für dich arbeiten, doch streiche immer die Anerkennung dafür ein.“ „Gib dich wie ein Freund, aber handle wie ein Spion.“ Und: „Mach dir nicht die Finger schmutzig.“

Doch unter Österreichs Mächtigsten finden sich keineswegs nur kühle Strategen, die der Ausdehnung ihres Einflussbereiches alles andere im Leben unterordnen. Und vermutlich würde jeder Einzelne den Verdacht empört zurückweisen, Robert Greenes Anleitungen befolgt oder auch nur die Schriften Niccolò Machiavellis verinnerlicht zu haben. Mehrheitsfähiger wäre da gerade noch Napoléon Bonaparte, dessen Leitspruch man getrost befolgen kann: „Stecke deine eiserne Faust in einen Samthandschuh.“

Von Rosemarie Schwaiger

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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