"Der Weg wird noch steinig und lang sein":
Ewald Nowotny im Interview mit trend

Nationalbankchef Ewald Nowotny erzählt im Interview mit trend über die Sicherheit von Spareinlagen, mögliche Bankpleiten und das Versagen der Ratingagenturen.

trend: Anleger haben das stressigste Jahr seit Menschengedenken hinter sich. Ist das Schlimmste jetzt endlich ausgestanden?
Nowotny: Ich denke, dass die wesentlichen Maßnahmen für eine
Stabilisierung getroffen wurden. Andererseits besteht kein Zweifel, dass es noch ein weiter und steiniger, womöglich von temporären Rückschlägen gezeichneter Weg sein wird, bevor man von einem sich abzeichnenden Ende der Finanzkrise sprechen kann.

trend: Das heißt, an den Börsen kann es sehr wohl noch bergab gehen. Sind wenigstens die Spareinlagen in Österreich sicher?
Nowotny: Von der rechtlichen Seite: absolut sicher, weil wir ja die Einlagensicherung in unbegrenzter Höhe gesetzlich geregelt haben. Von der wirtschaftlichen Seite kann ich bestätigen, dass der österreichische Bankensektor absolut in Ordnung ist. Daher kann man Spareinlagen als absolut sicher bezeichnen.

trend: Wie weit soll sich der Staat in die Wirtschaft einmischen? Haben die vergangenen Monate nicht gezeigt, dass das bisherige Instrumentarium nicht ausreicht?
Nowotny: Man muss zwei Dinge unterscheiden: Was den Regulierungsbereich betrifft, gab es vor allem unter Greenspan eine Phase, in der es abgelehnt wurde, bestimmte Bereiche zu regeln. Das war eindeutig ein Fehler, hier wird es zu einer umfangreicheren Regulierung kommen – zunächst in dem Sinn, dass es keine schwarzen Löcher mehr gibt.

trend: Wo sehen Sie akut die größte Gefahr?
Nowotny: Einen großen Problembereich sehe ich in den CDS, die in riesigen Volumina aufgetreten sind, bei denen es keine geordneten Märkte gibt und wo man nicht wirklich weiß, wie groß das Risiko ist. Das
muss rasch einem geregelten Regime unterworfen werden.

trend: Welche Lehre sollen Anleger und Banken aus dem Beinahezusammenbruch des Weltfinanzsystems ziehen?
Nowotny: Banken müssen die Produkte, mit denen sie handeln, sehr viel besser kennen – egal, ob sie diese jetzt selbst halten oder an ihre Kunden verkaufen. Konkret: ABS-Strukturen, also die Verpackung der Subprime-Kredite – ich glaube, dieser Markt ist tot. Da hat man – leider zu spät – gelernt: Dinge, die nicht klar nachvollziehbar sind, darf man nicht anrühren, selbst wenn sie ein gutes Rating haben. Die zweite Lehre ist eine Skepsis gegenüber Ratings. Dritte Lehre: die enorme Bedeutung von Liquidität. Die Erfahrung, dass ein Geldmarkt austrocknen kann, hat es noch nie gegeben. Liquiditätshaltung und -planung werden künftig eine sehr viel größere Rolle spielen. Das Sicherheitselement wird im Finanzsektor bedeutender werden. Das heißt aber auch: Die langfristige Ertragskraft von Banken wird in Zukunft geringer sein, und die Finanzierungskosten für die Wirtschaft werden höher als in der Vergangenheit sein. Wir hatten eine kurze „goldene“ Phase mit außergewöhnlichen Bedingungen. Die ist zu Ende.

Franz C. Bauer

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente