Der wahre ÖBB-Chef: Horst Pöchhacker zieht bei Bundesbahnen die Fäden

Gustav Poschalko feiert Ende November seinen 69. Geburtstag. Für die ÖBB ein methusalemisches Alter, um noch zu arbeiten. Ein gelernter Eisenbahner ist da schon 17 Jahre lang in Pension. Jetzt geht auch Holdingvorstand Poschalko, dem der Abschied enorm schwerfiel. „Die Gespräche sind endlich so weit gediehen, dass er mit Jahresende ausscheiden wird“, gibt sich ÖBB-Aufsichtsratsvorsitzender Horst Pöchhacker erleichtert. Er selbst feiert eine Woche vor Poschalko seinen Geburtstag, allerdings bereits den 71. Aber ans Aufhören will Pöchhacker nicht denken. Zu viel gibt es für ihn zu tun. Er hat sich vorgenommen, die ÖBB zu retten, und die stehen kurz vor dem finanziellen Kollaps.

Von Martina Forsthuber und Thomas Martinek

Der Skandal rund um die illegale Speicherung von Krankendaten und vor allem ein Rohbericht des Rechnungshofs zu den Spekulationsgeschäften der ÖBB-Führung 2005 erleichtern Pöchhacker seine Mission nicht unbedingt. Denn die Prüfer stellen fest, dass bei den verlustreichen Finanzgeschäften sämtliche Regressansprüche gegenüber den Ex-Managern Martin Huber und Erich Söllinger von den ÖBB verwirkt wurden. Dass die früheren Vorstände stattdessen mit noblen Abfertigungszahlungen versorgt wurden, gilt als fahrlässig. Und diese Vorhaltung trifft auch den Aufsichtsratspräsidenten.

Pöchhacker geht jetzt einmal daran, einen Poschalko-Nachfolger zu finden: „Natürlich ist eine Ausschreibung nötig.“ Und natürlich sagt Pöchhacker nicht, dass der offzielle Poschalko-Nachfolger inoffziell bald auch Holding-Chef Peter Klugar ersetzen soll. Er erklärt nebulos: „Eine Kontinuität in der Holdingführung ist sehr wünschenswert.“ Allerdings kann von Führung in Klugars Fall keine Rede sein. Dessen zurückhaltende Art war zwar der Grund, warum man ihn zum Nachfolger von Martin Huber wählte – der zu viel umrührte. Als eine Art Beruhigungspille für die Gewerkschaft. Doch jetzt will Pöchhacker wieder einen Mann mit Biss.

Dabei lenkt der Aufsichtsratsvorsitzende im Hintergrund die ÖBB ohnehin sehr gerne selbst. Und er hat in den letzten 18 Monaten auch genau das getan.

Aber er weiß, dass Tempo jetzt eine Existenzfrage ist. Und einen Posten in der Holding einzusparen kommt in Zeiten des Kostendrucks auch gut. Noch dazu, wo Infrastrukturministerin Doris Bures die ÖBB-Reform von 2003 wieder rückgängig machte – und damit eigentlich den Weg frei gemacht hat zur Einsparung von ein paar ÖBB-Gesellschaften und deren Managern. Nur: Noch ist nichts passiert. Pöchhacker, der ehemalige Porr-Chef und jetzige ÖBB-Oberkontrollor, war bei diesen Entscheidungen der Ministerin Berater, Einflüsterer und Strippenzieher. „Durch die neue ÖBB-Struktur sind noch mehr Rationalisierungen und Optimierungen möglich – und diesen Erfolg möchte ich auf jeden Fall miterleben“, betont Pöchhacker besonders, weil auch Gerüchte aufkamen, er könne vorzeitig sein Aufsichtsratsmandat zurücklegen.

Pöchhacker muss nicht nur Manager einsparen, er hat bei den Personalkosten generell dringenden Handlungsbedarf. Die neu geschaffene Struktur alleine wird den Zuschussbedarf der hoch verschuldeten Bahn nicht um eine Kommastelle senken. Die 500 Millionen, die der Staat beim AUA-Verkauf draufzahlte, pumpt der Steuerzahler Monat für Monat in die ÖBB. Pöchhacker beruhigte bislang immer: „Wenn wir nicht in den Medien über Einsparungen bei den Personalkosten reden, heißt das nicht, dass nichts passiert. Wir müssen zuerst mit der Belegschaft verhandeln.“ Spätestens mit dem neuen Mann in der Holding müssen aber konkrete Ergebnisse auf den Tisch. Immerhin: Mit dem mächtigen Gewerkschaftsboss Wilhelm Haberzettl hat sich Pöchhacker schon angelegt.

Daneben fordert der Aufsichtsratschef eine massive Steigerung des Absatzes: „Die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene wird noch verstärkt stattfinden, wenn erst die gigantischen Ausbauten, die jetzt gerade in Angriff genommen wurden, realisiert sind.“ So weit die Hoffnung. Aber selbst wenn sie sich erfüllt, würde es Jahrhunderte dauern, um die jetzt getätigten Bau-Investitionen durch höhere Transporteinnahmen der Bahn refinanzieren zu können. Pöchhacker meint dazu nur: „Wir denken in Dezennien.“

Gedacht wird bei den ÖBB auch immer noch ans Parteibuch. Der Poschalko-Nachfolger soll, wie sein Vorgänger, der roten Reichshälfte angehören, noch dazu, wo er bald auch den roten Klugar ablösen soll. Außer Verbund-Vorstand Christian Kern gibt es allerdings kaum Ideen. Daher könnte es auch anders kommen.

Pöchhacker selbst sieht sich über den Vorwurf der politischen Mauschelei erhaben: „Ich war nie bei einer Partei. Für mich gibt es nämlich nur zwei Parteien, die der G’scheiten und die der Blöden. Ich hoffe, ich gehöre zur ersten.“

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente