Der Mohr kann gehen

Der Vergleich macht Sie reich, hieß es in der Werbung für Meinl European Land. Von wegen.

Fünfzig Prozent Kapitalverlust in wenigen Wochen: Das geht unter die Haut – und hinterlässt böse Narben in der Seele des kleinen Privatanlegers. So weit, so gut, angeblich wird man ja nur aus Schaden klug. Und vielleicht merkt man sich künftig: Ein Immobilienwertpapier ist kein Ersatz für das biedere Sparbuch.

Aber so einfach lässt sich die Sache nicht unter den Teppich kehren. Schließlich wurden die Anleger ja überaus professionell in die Meinl European Land hineingetrieben. Auch wenn die möglichen Verantwortlichen empört jede Schuld von sich weisen.

Julius Meinl V. und seine Bank hätten mit der Geschäftsführung der MEL leider überhaupt nichts zu tun, sagt er im Fernsehen – wo er freilich ein paar Monate davor genau das Gegenteil behauptet hatte.

Auch für die Aufsichtsbehörden gab es bislang offenbar nichts zu bekritteln. Plötzlich muss alles dringend überprüft werden. Wurde da vielleicht etwas übersehen?

Akuten Erklärungsbedarf haben auf jeden Fall die Berater und Verkäufer. Zumindest von den Wertpapierprofis der Banken und von den freien Vermögensberatern hätte man erwarten können, dass sie durchschauen, dass da etwas nicht zusammenpasst. Die großartigen Experten werden ja wohl begriffen haben, dass hier eine Risikoveranlagung als Sparbuchersatz angepriesen wird. Oder haben sie gar wider besseres Wissen gehandelt?
Natürlich werden alle Vermittler – sogar die Keiler der Strukturbetriebe, die das MEL-Papier Studenten in Form von Sparplänen verkauften – ordnungsgemäß unterschriebene Beratungsprotokolle vorlegen, in denen die Kunden bestätigen, dass sie über die Risken aufgeklärt wurden und diese auch verstanden hätten. Fehlt gerade noch, dass die Intermediäre jetzt behaupten, die Kunden hätten Meinl European Land trotz Warnung gekauft.
Meiner Meinung nach sollten sich die geschädigten Anleger bemühen, den Kapitalverlust mental möglichst rasch abzuschreiben. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Aber man sollte darüber nachdenken, wie sich ähnliche Debakel künftig vermeiden lassen.

Ein Vorschlag: Wenn man etwas nicht versteht und folglich weder die lauernden Gefahren noch die Gewinnchancen seriös abschätzen kann, lässt man die Finger davon. Multimilliardär Warren Buffett, einer der erfolgreichsten Investoren der letzten Jahrzehnte, hat sich immer an dieses Prinzip gehalten und ist damit ausgezeichnet gefahren. Man muss sich nicht genieren: Erstens kann man ja nicht alles wissen, und zweitens werden die Dinge oft absichtlich verschleiert.

Wenn Konstruktionen mit Umwegen über die Kanalinseln oder die Karibik gewählt werden, hat das meist nicht nur steuerliche Gründe. Es soll auch – siehe Bawag – andere Dinge vernebeln. Doch dazu braucht man heute nicht mehr irgendwelche windigen Inseln.

Für die tausenden Super-Turbo-Zertifikate, die in den letzten Jahren ahnungslosen Schalterkunden aufs Aug gedrückt wurden, reicht die Professionalität einiger weniger Mathematiker, die in den Backoffices der Banken tagtäglich neue Spielarten entwerfen – und eine Menge Kosten hineinpacken. Fast alle Kunden sind schlichtweg überfordert bei der Beurteilung von Chancen und Risken solcher Anlagen. Aber man kann ja schließlich auch „Nein danke“ sagen.

Verglichen mit Zertifikaten, sind klassische Investmentfonds heute wahre Musterknaben punkto Transparenz: Sie werden durch die neuen UCITS-III-Bestimmungen zu beachtlicher Offenlegung gezwungen. Und eigentlich spricht nichts dagegen, auch andere Player zu größerer Transparenz zu verpflichten (etwa die Versicherungen) und obendrein die Finanzmarktaufsicht mit ähnlichen Kompetenzen auszustatten wie die amerikanische SEC, die gefürchtete Security Exchange Commission. Julius Meinl V. könnte dann seinen Enkelkindern eines Tages stolz erzählen, dass diese epochalen Verbesserungen auf ihn zurückzuführen waren. Oder zumindest auf ein Wertpapier gleichen Namens.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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