Der große Austrian Annual Report: trend prämiert die besten Geschäftsberichte

Gute Information ist für Anleger bares Geld. trend sorgt dafür – und prämiert die besten Geschäftsberichte österreichischer Unternehmen.

Von Franz C. Bauer

Es gibt Bücher, die sind aufwändig gestaltet, liebevoll illustriert, sorgfältig getextet, ihre Lektüre kann sich als durchaus gewinnbringend erweisen – und sie kosten dennoch nichts. Alljährlich lassen Österreichs Unternehmen und Institutionen einige Millionen Euro springen, um Aktionäre, Kunden, Mitarbeiter oder Spendenwillige per Gratis-Jahresbericht über die abgelaufenen zwölf Monate zu informieren. Seit rund zwei Jahrzehnten holt der trend die Besten vor den Vorhang. Im Rahmen des „Austrian Annual Report Award“ (AAA) bewertet eine hochkarätige Jury aus Wissenschaftern und Praktikern nach einer vom Beratungsunternehmen Mensalia gemeinsam mit dem trend entwickelten Methode die Berichte und wählt die besten aus. Erstmals heuer dabei: der Studienlehrgang für Journalismus und PR der Fachhochschule Joanneum – neben der Wirtschaftsuni Wien und der Vorarlberger FH die dritte Hochschule in der Jury.

Die Arbeit der Jurorinnen und Juroren hat inzwischen Früchte getragen. Angespornt durch den AAA, stießen österreichische Geschäftsberichte bis an die Weltspitze vor. Anlässlich der weltweiten Geschäftsberichts-Gala im Hotel Waldorf Astoria in New York wurden (und werden wohl auch heuer) Unternehmen wie Wienerberger, Verbund und Palfinger teils mehrfach ausgezeichnet.

Und was haben Sie davon? Eine aufschlussreiche Lektüre über die Leistungen österreichischer Unternehmen, gebündelte Informationen über mögliche Investmentchancen und vielleicht Ihren nächsten Arbeitgeber oder Geschäftspartner. Jahresberichte erzählen Geschichten: über wahrgenommene und verpasste Gelegenheiten, über Erfolge und Misserfolge oder – in der neu eingeführten Kategorie NGOs und soziale Dienste – über den Umgang mit gesellschaftlicher Verantwortung. Insgesamt bilden sie so etwas wie einen Leistungsnachweis über „ein Jahr Österreich“.

Börsennotierte Unternehmen:

Es gab Zeiten, da lautete nach einem Abfahrtsrennen – die Skisaison beginnt ja bald wieder – die spannendste Frage: Und wer ist Zweiter? Die jahrelange Siegesserie des Wienerberger-Geschäftsberichts stößt beinahe schon in Hermann-Maier-Dimensionen vor: bester Geschäftsbericht in der Gruppe der börsennotierten Unternehmen. In der Unterkategorie Mediumsqualität – hier werden Text, Design und Bildsprache bewertet – holte der Baustoffriese Platz eins, und im Business Reporting – hier beurteilt die Jury Vollständigkeit, Aussagekraft und Offenheit von Bilanz­erläuterungen, Lagebericht und Corporate Governance – stieß man unter die Top Five vor. In Summe bedeutete das den Gesamtsieg. „Was mir an den Berichten insgesamt auffällt, ist die verbesserte Information über Corporate Governance“, attestiert Juror Otto Janschek von der Wirtschaftsuni Wien den Broschüren mehr Offenheit. „Diesen Geschäftsbericht hätten wir uns gerne gespart“, titelt denn auch Wienerberger den Report über ein schwieriges Jahr, das mit humorvoller Ehrlichkeit beschrieben wird. „Wir rechnen mit allem“, lässt auch die Nummer zwei der Gesamtwertung, Telekom Austria, die Leser wissen. Und in unverkennbarem Postgelb erklärt die Post AG den Geschäftsberichtslesern „Was wirklich zählt“. In der Punktewertung, die sich aus der Summe der Einzelbewertungen von Mediumsqualität und Business Reporting ergibt, liegen alle drei Berichte eng beisammen. Einzelsieger in der Unterkategorie Business Reporting wurde die Erste Bank mit einem absolut mustergültigen Jahresbericht, der kaum noch Wünsche offenlässt und sogar die Vorstandsbezüge – kein Muss, sondern nur eine Empfehlung des Governance-Kodex – feinsäuberlich aufgliedert. Zur Spitzengruppe zählt im Business Reporting außerdem Wienerberger auf Rang zwei vor Telekom, Post und EVN. In der Unterkategorie Mediums­qualität folgt auf den Kategoriesieger Wienerberger die Telekom, Palfinger erreicht mit einer besonders originellen Variante eines „Sparberichts“ Rang drei vor EVN und Post.

Börsennotierte Unternehmen


Nicht börsennotierte Gesellschaften

Irgendwie sind wir ja alle unterwegs, und das Ziel dieser Reise kennt niemand. Was das Leben betrifft, müssen wir uns wohl mit dieser philosophischen Erkenntnis abfinden. Aber „in der Praxis“? Zwei der bestplatzierten Unternehmen in der Kategorie „Nicht börsennotierte Unternehmen“ sorgen dafür, dass unsere Reisen ein Ziel haben: das Verkehrsbüro – Nummer eins der Gesamtwertung – und die ÖBB-Holding auf Platz drei. Dazwischengeschoben hat sich die Energie Steiermark als Zweiter in dieser Kategorie. Warum veröffentlichen diese Unternehmen überhaupt aufwändige Jahresberichte, wo sie doch gar keine Aktionäre bei der Stange halten müssen? Ein Blick in die Siegerbroschüren macht es klar: Hier geht es um Image bei den Kunden. Etwa im Jahresbericht des Verkehrsbüros im Format einer Postkarte, die „Grüße von ganz oben“ ausrichtet. Wussten Sie, dass das Verkehrsbüro „größter österreichischer Tourismuskonzern“ ist? So steht’s zumindest drinnen. Als „grünes“ Unternehmen präsentiert sich die zweitplatzierte Energie Steiermark, deren Infografik trend-Art-Direktorin Gabriele Rosenzopf besonders gut gefällt: „Keine faden Charts, da hat man sich etwas einfallen lassen.“ Dementsprechend führt das Verkehrsbüro auch in der Unterkategorie Mediumsqualität vor der Energie Steiermark und dem sehr originellen Bericht der Alpine Bau. Asfinag und EconGas landen hier auf den undankbaren Plätzen vier und fünf. Unbestrittener Sieger im Business Reporting bei den nicht notierten Unternehmen ist die ÖBB-Holding mit einem Bericht, der in seiner Ausführlichkeit einem börsennotierten Unternehmen alle Ehre machen würde, für „echte Eisenbahnfreaks“ aber zu wenig Fachinformation bietet. Die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien rangiert hier vor der Kontrollbank auf dem zweiten Platz, es folgen Verkehrsbüro und Wien Energie auf den ebenfalls noch sehr guten Plätzen vier und fünf.

Außerbörsliche Unternehmen

Nachhaltigkeit
Zählen Sie auch zu jenen Menschen, die sich unter dem Begriff „Nachhaltigkeit“ so gut wie gar nichts vorstellen können – oder die glauben, hier gehe es bloß um „grüne Spinnereien“? Eigentlich schade, denn sogar Profi-Investoren verwenden „Nachhaltigkeit“ gern als Auswahlkriterium für Investments. „In einem Nachhaltigkeitsbericht geht es unter anderem darum, offen zu kommunizieren, welche Probleme sich durch den Ausgleich zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Themen ergeben“, erklärt Christine Jasch, Universitätsdozentin und Leiterin des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung. „Natürlich bilden Nachhaltigkeitsberichte für uns eine Entscheidungsgrundlage“, bestätigt Wolfgang Pinner, Head of Sustainable Investments der Erste Sparinvest, die Bedeutung der Nachhaltigkeitsberichte, die heuer bereits wesentlich professioneller ausgefallen sind als vor zwei Jahren (die Bewertung der Nachhaltigkeitsberichte erfolgt nur im Zweijahresrhythmus). „Die besten liegen eng beisammen, aber hier finden sich auch neue Namen, die in den anderen Rankings nicht so weit vorne liegen“, so Doris Thanner, Projektmanagerin der Raiffeisen Klimaschutz-Initiative. Bewertet wurden hier börsennotierte und nicht notierte Unternehmen gemeinsam, wobei die ersten vier Plätze an Unternehmen aus dem ersten Marktsegment der Wiener Börse gingen: Sieger im Nachhaltigkeitsbewerb wurde Palfinger mit einem originellen und ausführlichen Bericht, der auch in der Mediumsqualität einen Stockerlplatz erobern konnte und seine Leser bereits auf der Titelseite über das Motiv des abgelaufenen Geschäftsjahrs informiert: „Wir haben gespart, wo wir konnten“. Dass mit EVN (Platz zwei), OMV (Platz drei) und Verbund (undankbarer vierter Rang) drei Unternehmen aus dem Energiebereich folgen, lässt vor allem nach der BP-Katastrophe hoffen, dass Österreicher hier verantwortungsbewusster agieren.

AAA-Unternehmen

Gesamtbewerbung der Jahresberichte

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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