Cool wie Gekko

„Unter allen Assetklassen halte ich Total-Return-Fonds für die profitabelste.“ Alexander Schütz (re.)

Der C-Quadrat-Chef Alexander Schütz ist jetzt vierzig, und das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt, ist erstaunlich. An die dreißig institutionelle Investoren und rund 3000 Privatkunden haben ihm und seinem Geschäftspartner Thomas Rieß eine Menge Geld zur Vermehrung überlassen. Mitte Oktober waren es 5,3 Milliarden Euro. Sein 1991 gegründetes Unternehmen C-Quadrat, an dem indirekt auch der BMW-Erbe Golo Quandt beteiligt ist, ist eine Mischung aus Fondsgroßhändler, Fondsfabrik und (ausgegliedertem) Fondsvertrieb, notiert im Prime-Segment der Frankfurter Börse. Aktueller Wert: 206 Millionen Euro. Wobei die Gründer nach wie vor 47 Prozent halten.

Dass alles so kam, liegt vielleicht an Michael Douglas, der Ende der achtziger Jahre als fieser, aber cooler Börsenmakler Gordon Gekko die beiden jungen WU-Absolventen Alexander Schütz und Thomas Rieß, die gerade ihre ersten Sporen beim Rohstoffhändler Kernstock verdienten, tief beeindruckte. „Der Film hieß ,Wall Street‘ und war eine irre Geschichte, wo die Makler alle Hosenträger trugen. Ich kaufte mir auch welche. Wir haben uns dann selbst für kleine, coole Gordon Gekkos gehalten.“

Anfang der neunziger Jahre gab es weltweit schon an die 10.000 Fonds, und die beiden Austro-Gekkos hatten eine Idee. „Wir wollten Banken beraten, damit die ihren Kunden nicht nur eigene Produkte verkaufen. Wir haben versucht, den Banken zu erklären, dass es Sinn machen würde, den Kunden die wirklich guten Fonds anzubieten, weil die dann zufrieden sind und bei ihrer Bank bleiben.“

Aber wie häufig bei Firmengründern scheiterte der erste Anlauf kläglich. „Die zuständigen Bankmanager haben uns irgendwie für Perverse gehalten und uns gefragt, wie wir auf die Idee kommen, dass eine objektive Beratung in ihrem Interesse läge.“

So beschlossen die beiden, selbst Fonds zu vertreiben. 1991 gründeten sie ihre Firma unter dem Namen C-Quadrat, er entstand, weil eine Beamtin nicht ganz firm mit ihrem Computer war. „Wir wollten irgendetwas mit Consult haben, mit Beratung eben. Und weil wir zu zweit waren, dachten wir an C hoch 2. Wir waren im Handelsgericht in der Riemergasse, es war 15 vor zwölf, und die Dame, die das eintragen sollte, hat einfach die Hoch-zwei-Taste nicht gefunden. Wir sagten ihr, sie solle halt einfach das Quadrat ausschreiben, und gingen dann essen.“

Doch auch der Fondsvertrieb für Private wird anfangs ein Flop. Die Idee, auf alle üblichen Spesen und Gebühren zu verzichten und den Kunden sogar den Ausgabeaufschlag, also die Einstiegsgebühr beim Fondskauf, die üblicherweise die Vertriebsgebühr abdeckt, zu retournieren, dafür aber ein Stundenhonorar von tausend Schilling zu nehmen, kommt überhaupt nicht an. Schütz und Rieß versuchen es mit privater Vermögensberatung, sie werden bekannter, aber die Geschäfte gehen zäh. Drei Jahre lang dauert die Dürreperiode. „Wir haben einfach geschaut, dass wir uns über Wasser halten. Wir haben nichts verdient und stattdessen unsere Ersparnisse aufgebraucht. Und dann ist es sehr langsam gewachsen und gestiegen.“ Selbst Schütz’ Vater, damals Geschäftsführer bei Nestlé, braucht zehn Jahre, ehe er den ersten Fonds beim Sohn kauft. Der erste richtige Kunde ist aber noch heute dabei: Thomas Graf, der Sohn des Novomatic-Gründers.

Der Durchbruch kommt mit den Medien. Journalisten, von „Börsenkurier“ bis zu „Cash Flow“, rufen an und fragen nach interessanten Fonds. „Wir haben dann oft lukrative, aber ausgefranste Sachen empfohlen, in der Hoffnung, dass die Leute das bei ihrer Hausbank nicht kriegen.“ In Kooperation mit dem Magazin „Option“, dann mit dem trend (trend) machen die beiden Fondsspezialisten nicht nur die gängige Ware populär, sondern auch Exotisches. Nun wenden sich auch die Banken an die jungen Fonds-Wunderwuzzis. Ab 1994 übernimmt die kleine Firma die Fondsabwicklung für die Erste Bank, die Apothekerbank, die Hypo Niederösterreich. C-Quadrat wird zum Fondsgroßhändler, der jederzeit aus 15.000 Titeln weltweit liefern kann.

16 Jahre nach dem Firmenstart ist alles ein wenig anders gekommen als geplant. Nicht der Direktverkauf an Private (heute nur mehr ein kleiner Anteil am Business) und schon gar nicht die Bankberatung wurden zum Erfolgsrezept. C-Quadrat bastelt heute selbst in großem Stil Geldanlagevehikel für Investoren. Derzeit sind es 45 hauseigene Dachfonds, zehn Einzelfonds und 18 Zertifikate, die von institutionellen Investoren oder über provisionsgetriebene Vertriebspartner wie AWD verkauft werden.

Ein Meilenstein für die einstigen Gordon-Gekko-Fans war dabei die Gründung einer eigenen Kapitalanlagegesellschaft mit Bankkonzession im Jahr 2003, die erst auf heftigen Widerstand der Finanzmarktaufsicht (FMA) stieß. Schütz: „Die FMA sagte, Sie können sicher keine KAG gründen, weil keine Bank oder Versicherung dahintersteht. Und dann haben wir die Paragrafen im Bankgesetz einmal genau gelesen und sind draufgekommen, dass das auch nicht so sein muss, obwohl bei allen 26 österreichischen KAGs, die vorher gegründet wurden, immer eine Bank oder Versicherung beteiligt war.“

Das Geschäft mit der professionellen Geldvermehrung ist durchaus lukrativ, was man am Beispiel des erfolgreichsten C-Quadrat-Fonds namens Best Momentum leicht zeigen kann. Die Kunden berappen erst einmal fünf Prozent Einstiegsgebühr, dann gehen jährlich zwei Prozent vom restlichen Kapital als Verwaltungsobolus an C-Quadrat und darüber hinaus noch zwanzig Prozent des Gewinns, so dieser über dem 3-Monats-Euribor-Zinssatz (derzeit bei 4,2 Prozent) liegt. „Unsere Fonds sind nicht billig, aber gut“, lächelt Alexander Schütz, wie es wohl auch Gordon Gekko an dieser Stelle getan hätte. „Die Kunden haben nach Abzug aller Gebühren in den letzten drei Jahren 25,47 Prozent pro Jahr verdient.“

Ja, dann. Aber vielleicht hatten sie ja auch einfach Glück, Herr Schütz? „Es war viel Glück dabei, dass C-Quadrat so groß wurde. Wir haben uns halt für ein Thema interessiert, das dann auch modern wurde. Das haben wir vorher so nicht gewusst. Wir haben auch hart gearbeitet, sonst hätten wir nichts zum Essen gehabt. Da kämpft man halt um sein Leiberl, wie man sagt. Ich habe mit meinem Partner in zwanzig Jahren nicht einmal gestritten, und das ist nicht gelogen. Und wir sind bescheiden geblieben. Unser langjähriges Firmenauto war ein gebrauchter Ford.“ Und jetzt? „Ein Porsche Cayenne. Der ist für meine sechs Monate alte Tochter Penelope.“

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