Christian Baha: Der Alchimist

„Geldanlage kann man stundenlang schönreden. Letztlich zählt nur die Performance, die Draw-Downs und wie lange es den Fonds schon gibt. Vermeiden muss man Investments mit einem Klumpenrisiko wie zum Beispiel Immobilienfonds. Und solche mit einem Blasenrisiko wie bei Aktien oder Emerging Market Bonds.“ Christian Baha

Die Geschichte des Christian Baha ist die eines bemerkenswerten Aufstiegs. Er ist erst 13, als seine Mutter stirbt. Mit 16 zieht er in eine Gemeindebaugarçonnière, weil er mit dem Vater nicht klarkommt. Baha wird Polizist, muss sich dabei mit Kleinkriminellen und Prostituierten herumschlagen, holt nebenbei die Matura nach und beginnt ein Betriebswirtschaftsstudium. Als Student organisiert er für die Hochschülerschaft Seminare mit den heimischen Börsengurus von damals wie etwa Michael „Mike“ Lielacher. Die Börse fasziniert Baha. Er beginnt mit Aktien zu spekulieren, gewinnt und verliert wieder alles.

Trotz ernüchternder Erfahrungen beschließt Baha, Broker zu werden. Das Hauptproblem: Anfang der neunziger Jahre verfügt in Österreich kaum ein privater Anleger über Börsenkurse. Die liefert nur Reuters für mindestens 20.000 Schilling pro Monat. Der erste Lichtblick ist der ORF-Teletext, der aber mühsam zu lesen ist und nicht mit dem Computer verbunden werden kann. Der ehrgeizige junge Mann erkennt eine Chance. Im Jänner 1992, mit 24, gründet er noch im Gemeindebau eine Firma namens Austrian Broker Service und entwickelt eine spezielle Software, eine Art Teletextdatensauger, der die Börsenkurse vom Fernsehschirm auf den Computer übertragen und auch noch einfache Charts zeichnen konnte. Wie aber bringt man als einfacher Student eine neue Software an den Mann?

„Ich habe in den Redaktionen angerufen und von unserer Software erzählt“, erinnert sich der heutige Multimillionär. „Danach haben sieben Leute angerufen, und drei haben es tatsächlich gekauft. Die Medien waren sehr wichtig für mich.“

Baha kann seine Software, die er ständig weiterentwickelt, 800-mal verkaufen. Von einer deutschen Firma, die Zugang zu den Börsen in Deutschland, Amerika und Holland hatte, bekommt Baha 1993 Real-Time-Kurse dieser Börsen und wird bald der erste österreichische Real-Time-Datenanbieter für alle, die sich den teuren Reuters-Dienst nicht leisten konnten. Die unternehmerischen Anfänge sind aber mühsam und wenig glamourös. „Ich fuhr damals persönlich zu meinen Kunden, kletterte aufs Dach rauf und montierte die dafür notwendige Satellitenschüssel. Das war manchmal ziemlich gefährlich, aber ich war damals noch jung und sportlich.“
Bald hat Baha fünfzig Kunden, die zwischen 3000 und 5000 Schilling im Monat an Gebühren bezahlt haben. Viel Geld für ihn, aber günstig für die Kunden, denn das gleichwertige Reuters-System kostete damals mindestens 20.000 Schilling im Monat.

Im September 1993 beginnt Baha erstmals mit Aktien zu handeln und kann viele seiner Software-User als Kunden gewinnen. „Ich hatte die günstigsten Spesen in Österreich. Der normale Kaufspesensatz lag bei den Banken bei 1,25 Prozent, und ich bot 0,625 Prozent an. Ich war der erste Diskontbroker.“

Um auch amerikanische Futures anbieten zu können, fährt der umtriebige junge Mann nach Amerika, schließt dort einen Vertrag mit einem Clearing-House ab und kann alsbald auch weltweite Futures-Terminkontrakte offerieren. Und anders als die Banken bietet Baha seine Brokerage-Dienste bis 22.30 Uhr an, dem Börsenschluss in Amerika.

„Wir waren eine Garagen-Softwareschmiede, eine kleine Brokeragefirma und eine Mini-Presseagentur, die Finanzartikel lieferte. Wir hatten also alle Bausteine in der Hand, um etwas Eigenes zu machen“, erinnert sich der heutige Superfund-Alleinaktionär. Bloß die zündende Idee für eine Vermögensverwaltung der besonderen Art fehlte noch. Die hatte ein anderer: Bernd Hasenbichler hatte bereits seit 1990 eine US-Idee kopiert, einen so genannten Managed Futures Fund, und erzielte damit Rekordrenditen. Die Grundidee: Nicht ein Fondsmanager, sondern ein Computer erkennt Trends bei Börsenkursen und übernimmt automatisch Kauf und Verkauf.

„Ich besuchte Hasenbichler 1993 in seinem Büro in der Mariahilfer Straße, nachdem ich einen Artikel über ihn gelesen hatte. Er verriet mir so gut wie gar nichts, außer, dass alles automatisiert ablaufe, aber das hat mir schon genügt. Es hat mich damals ziemlich erstaunt, dass das geht, Geld erfolgreich anzulegen ohne die Entscheidung eines Menschen. Ab da war ich entschlossen: Wir machen auch so etwas. Mir wurde damals auch schon klar, dass die Börsen eines Tages alle elektronisch und die Floorbörsen aussterben werden. Früher oder später wird auch in der Fondsbranche niemand mehr eine Order einklopfen. Menschliche Entscheidungen sind immer irrational. Der Mensch ist immer größenwahnsinnig oder gierig.“

Bahas größter Erfolg bleibt aber wahrscheinlich, dass er seine Idee in einem Land dominierender Großbanken durchsetzen konnte und dabei ein Tabu brach: nämlich Hedgefonds, die immer auch das Risiko eines Totalverlusts in sich bergen, an Kleinanleger zu verkaufen.

Im Mittelalter suchten kluge Köpfe, aber auch Schwindler und Gaukler nach einem billigen Weg, Gold zu machen. Heute beschäftigt Fondsmanager, Investoren, selbst Nobelpreisträger die Suche nach einer alchimistischen Formel der Geldvermehrung. Einer der berühmtesten dieser Herren ist der Nobelpreisträger Harry Markowitz. Das Mathematikgenie, dessen Eltern einen kleinen Gemischtwarenladen führten, entwickelte 1952 seine berühmte Portfoliotheorie, die eine Antwort auf das tägliche Investorendilemma gibt: Soll man ein Investment machen, das zwar hohe Renditen abwirft, aber auch ein gewisses Ausfallsrisiko birgt? Markowitz erstellte komplizierte mathematische Formeln, die im Prinzip sagen: investieren ja, aber nur dann, wenn das gesamte Investitionskapital auf verschiedene Eierkörbe aufgeteilt wird, die miteinander nicht korrelieren dürfen. Diesem Grundprinzip folgten schon die mittelalterlichen Kaufleute, wie man bei William Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ nachlesen kann, dessen Shylock ein Verfechter der Portfoliotheorie ist: „Meine Unternehmungen sind nicht einem Schiff anvertraut, noch an einem Ort, noch hängt mein ganzes Vermögen am Glück des gegenwärtgen Jahres“ (1. Akt, 1. Szene).

Mit seinem 1996 gegründeten Superfund folgte Christian Baha diesem Prinzip: Das Anlegergeld wird auf 100, idealerweise nicht korrelierende Märkte gestreut, genauer, es wird investiert in 100 Wetten auf zukünftige Preisentwicklungen, die eine Hälfte davon entfällt auf Rohstoffwetten – vom Schweinebauch bis zu Öl und Gold –, die andere auf Finanztitel, davon nur 18 Prozent in Aktien. Ein automatisiertes System, das auf mathematischen Parametern wie rollenden Durchschnitten aufbaut, versucht Trends zu erkennen und ordert danach automatisch. Ein geniales System, das beeindruckende Renditen erzielt, aber zwei wesentliche Schwachstellen hat: Märkte, die eigentlich nicht miteinander korrelieren sollten, tun es in der Praxis oft doch, oder sie reagieren anders als erwartet. Das größere Problem: unruhige Börsenzeiten, in denen es keine klaren Trends gibt. So wie jetzt gerade. Ein Geldmacher bleibt Baha aber auf jeden Fall: Superfund kassiert sechs Prozent Einstiegsgebühr plus sechs Prozent jährliche Verwaltungsgebühr plus einen Gewinnanteil von 25 bis 35 Prozent, wenn die Performance eine gewisse Mindestlatte überschreitet.

„Die Börsen befinden sich derzeit in einer gigantischen Blase. Wann die platzt, weiß niemand. Es kann auch unspektakulär vor sich gehen, sodass es die meisten Menschen gar nicht merken. Der Dow Jones steigt vielleicht auf 20.000, aber der Dollarkurs ist dann drei Dollar für einen Euro. Börsen können 20 Jahre steigen, aber dann auch wieder 20 Jahre fallen.“ Aber wie steht’s mit Investments in Private-Equity-Fonds? „Private Equity funktioniert nur dann super, wenn es steigende Aktienkurse gibt“, lächelt Christian Baha milde. „Wenn nicht, ist Private Equity tot, und für die Anleger gibt es keinen Exit. Unter Umständen ist ein Private Equity 20 Jahre lang illiquid. In Krisenzeiten auf den Börsen, zum Beispiel zwischen 2000 und 2003, war Private Equity so gut wie tot.“ Na dann.

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