Chance für Mutige

Börsenkrise. Droht jetzt tatsächlich die Weltwirtschaftskrise – oder verschlafen zahlreiche Anleger vielleicht gerade den Ausverkauf an der Börse? Der trend sagt Zweiteres – und zeigt, wo jetzt die besten Möglichkeiten zum Einstieg sind.

Dienstag, 14. August 2007. Ein angenehmer Sommertag, nicht zu heiß, sanft überstrahlt von leiser Vorfreude auf den folgenden Feiertag. Wahrscheinlich ist es den meisten Menschen entgangen, dass dieser 14. August für Anleger einer der wichtigsten Tage dieses Jahres war – vielleicht der wichtigste Tag. Es war der Tag der kleinen Katastrophen.
Knapp vor Eröffnung der New Yorker Börse publizierte das US-Statistikamt den Großhandelspreisindex. Analysten hatten eine Teuerung von 0,1 Prozent prognostiziert. Die tatsächliche Zahl lautete aber 0,6 Prozent – und das in nur einem Monat. Während Europäer von der Veröffentlichung des US-Großhandelspreisindex kaum Notiz nehmen, stellt er für Amerikaner einen wichtigen Indikator für die Inflation dar, und die Zahl verhieß nichts Gutes: Die Inflationsängste – pures Gift für die Börse – waren schlagartig wieder da.

Es war schon die dritte negative Schlagzeile, die an diesem Tag über die Bildschirme der Finanz-Nachrichtenagenturen flimmerte. Kurz zuvor hatte die größte US-Baumarktkette Home Depot bekannt gegeben, dass die Verkaufszahlen im zweiten Quartal schwächer als erwartet ausgefallen waren. Und Wal Mart, der weltgrößte Einzelhandelskonzern, veröffentlichte praktisch zeitgleich eine Warnung, dass die heurigen Gewinne schmäler als geplant ausfallen würden – ebenfalls eine Folge der US-Immobilienkrise und der massiven Verunsicherung der US-Konsumenten.
In normalen Börsenphasen führen diese drei Nachrichten zu keinem Totalabsturz, aber zu einem deutlichen Rückgang der Kurse an der Wall Street.
Und so kam es auch: Der Standard-&- Poor’s-500-Index der 500 wichtigsten US-Unternehmen schloss an diesem Tag mit einem Minus von 1,82 Prozent. Die Börsensitzung war durch stetig sinkende Kurse und eine leichte Erholung im Handelsverlauf gekennzeichnet. Kein steiler Absturz, keine panischen Verkäufe – es war im Grund genommen ein ganz nor-maler Börsentag, wie es schon einige Dutzend nach ähnlich schlechten Nachrichten gab.
Dennoch herrscht seither unter Österreichs Anlegern Panik. Die Angst vor dem großen Crash geht um. Wenn sich noch herausstellen sollte, dass die Krise der US-Immobilienkredite zu massenhaften Forderungsausfällen führt, dass nicht nur ein paar unmittelbar betroffene Spezial-Kreditinstitute vom Konkurs gefährdet sind, sondern auch die Bankgiganten, dann ist die Schräglage des Weltfinanzsystems nicht mehr aufzuhalten.
Wie gesagt: wenn.

Aktienprofis sehen das durchwegs entspannter: Das ist kein Crash. Ein Crash schaut ganz anders aus.

Robuste Wirtschaft. „Wir befinden uns in einer kräftigen Korrekturphase. Ähnliches haben wir im Juni vorhergesehen und unsere Aktienpositionen reduziert“, gibt sich Harald Egger, Chief Investment Officer der Erste Sparinvest, ob der sommerlichen Kursabschläge gelassen. Doch auch er muss eingestehen: „Die Stärke der Abwärtsbewegung hat uns schon überrascht.“
Erschüttert hat sie den erfahrenen Aktienexperten keineswegs. „Die globale Wirtschaft steht nach wie vor robust da. Fundamental sehen wir einen Einstiegszeitpunkt, wir verhalten uns aber, solang die Märkte so nervös sind, noch zurückhaltend mit einem Einstieg.“ Und wie beurteilt ein Investmentinsider die Sache privat? „Also privat würde ich langsam schon wieder in den Markt gehen.“
Mit klarem Optimismus kommentiert Harald P. Holzer, Chief Investment Officer des Bankhauses Kathrein & Co, die Situation. „Kein Grund zur Panik“ betitelte Holzer seine jüngste Analyse. Seine Argumente klingen logisch: „Für mich gibt es zwei Gründe, die Lage optimistisch zu beurteilen: Aktien – und ich spreche hier vom Universum der 2400 wichtigsten Aktien der Welt – sind so billig bewertet wie seit 1991 nicht mehr. Der zweite Grund: Auch im Vergleich mit den Anleiherenditen sind die Aktien extrem günstig bewertet.“ Berechnet wird dies nach einer in den USA üblichen Methode, dem so genannten „FED-Model“. Vor dem Technologiecrash 2000 gab es eine 30-prozentige Überbewertung der Aktien. Derzeit sind die Aktien nach dieser Berechnung um 50 Prozent unterbewertet. Das alles schließt freilich keineswegs aus, dass nicht doch noch der Crash kommt. Daher zuletzt wieder einige Überlegungen zum Thema.

Geordnete Abwärtsbewegung. Bis heute ist nicht geklärt, was den größten Börsencrash der Geschichte auslöste (siehe Kasten „Der unmögliche Crash“, Seite 91). Als am 19. Oktober 1987 die US-Aktienkurse ins Bodenlose stürzten, war niemand darauf vorbereitet. Im Gegensatz zur jetzigen Situation traf das Ereignis die Anleger wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Im Gegensatz dazu herrscht unter den Anlegern bereits wochenlange Unsicherheit, die Absetzbewegung von den Aktienmärkten erfolgt geordnet.
Doch die Immobilienkrise hat ein beruhigendes Vorbild. Erinnern Sie sich an die Savings-&-Loan-Krise? Anfang der neunziger Jahre fand sich die Finanzwelt vor der gleichen Situation. Damals geriet der gesamte US-Sparkassensektor in eine bedrohliche Schräglage – und zwar aus dem gleichen Grund: Leichtfertige Kreditvergaben an den risikofreudigen Technologiesektor und finanzschwache Immobilienkäufer führten zu Kreditausfällen von über einer Billion US-Dollar. Heute wie damals war von einer Bedrohung für das Weltfinanzsystem die Rede. Tatsächlich kostete die Sache die US-Steuerzahler den Gegenwert von drei Prozent des US-Bruttoinlandsproduktes des Jahres 1992, der Staat schoss einige hundert Milliarden Dollar zu – schmerzhaft genug. Doch damit hatte die US-Administration die Sache aus der Welt geschafft. Was folgte, wissen Sie: Die neunziger Jahre brachten die fulminanteste Börsenhausse aller Zeiten.

Übrigens hieß der Präsident, der damals trotz seines liberalen Credos das Finanzsystem zähneknirschend auf Kosten der Steuerzahler sanierte und damit den Weg für den langjährigen Bullenmarkt ebnete, George H.W. Bush.
Sollte sich doch herausstellen, dass die US-Immobilienkreditkrise schlimmer als bisher befürchtet ist – der amtierende Präsident braucht sich ja nur beim nächsten Familientreffen von seinem Vater ein paar Tipps holen, wie er den ökonomischen Weltuntergang umschiffen kann.

VON FRANZ C. BAUER UND RAJA KORINEK

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