Bosse der Osteuropakonzerne im Talk

Die Bosse von Österreichs Zentral- und Osteuropariesen fürchten nichts mehr, als künftig über München oder Zürich in den Osten fliegen zu müssen. trend fragte nach ihrem Wunschpartner für die AUA.

Hans Peter Haselsteiner hat es als Erster getan. Mit seinem Plädoyer für die russische Aeroflot im trend hat der Strabag-Boss eine Partnerpräferenz für die schwächelnde AUA geäußert, als noch nicht einmal von einer offiziellen Partnersuche die Rede war. Das ist jetzt anders: Inzwischen hat auch die Politik erkannt, dass die Verluste produzierende Airline höchstwahrscheinlich nicht eigenständig bleiben kann. Deshalb sollen nun möglichst schnell alle infrage kommenden Fluglinien darauf abgeklopft werden, welche Versprechen sie in einer allfälligen Partnerschaft geben können. Die Beratungsfirma Boston Consulting arbeitet derzeit an einem Strategiecheck, der vermutlich in eine konkrete Empfehlung münden wird. Das Ergebnis soll Ende Juli vorliegen. Neben der Aeroflot und der Air France/KLM gilt dabei die deutsche Lufthansa als ernsthafter Interessent – und als Favorit. Was sagen aber die größten Kunden der AUA, die auf das dichte Netz an Flügen nach Zentral- und Osteuropa von Wien aus angewiesen sind? trend fragte nach.

Günter Geyer, Vienna Insurance Group:
„Ich bin heute in einer Dreiviertelstunde am Flughafen und dann in zwei oder drei Stunden in Warschau, Kiew oder Bukarest – das muss so bleiben. Ich möchte nicht über Zürich oder München fliegen müssen. Wir als Vienna Insurance Group spulen rund 1000 Flüge pro Jahr nach Osteuropa ab. Wenn es diese Schnellverbindungen nicht mehr gäbe, müss­ten wir auch den Standort Wien infrage stellen. Ein neuer AUA-Partner muss dafür sorgen, dass der Flughafen weiter ausgebaut wird und die Drehscheibenfunktion Richtung Osten erhalten bleibt. Wie er heißt, ist zweitrangig – aber das viel gepriesene Beispiel Swiss zeigt, dass die Passagierbewegungen am Flughafen Zürich seit der Übernahme durch die Lufthansa gegenläufig sind. Und ich kenne auch keine Ausbaupläne der Lufthansa für Wien.“

Andreas Treichl, Erste Bank:
„Aus meiner Sicht ist das wichtigste Asset der AUA – neben dem guten Service – das dichte Netz direkter Flugverbindungen nach Mittel- und Osteuropa. Sollte ein Partner nötig sein, muss dieses Netz erhalten werden – im Interesse der vielen österreichischen Firmen, die in dieser Region tätig sind. Das heißt, wir hoffen als Unternehmen, das stark in CEE engagiert ist, dass man Destinationen in der Region nicht über einen Zwischenstopp in München, Zürich oder Moskau anfliegen muss.“

Herbert Stepic, Raiffeisen International:
„Österreich weist eine sehr hohe Dichte an Unternehmen auf, die in Zentral- und Osteuropa tätig sind. Für diese Firmen wäre es ein enormer Nachteil, wenn die direkte Verbindung nach CEE plötzlich abbrechen würde. Umwege über Prag oder Frankfurt kosten Zeit und würden den Wirtschaftsstandort Wien ins Abseits drängen. Meiner Meinung nach wäre jeder Partner geeignet, der die starke Stellung in CEE weiterhin gewährleistet. Idealerweise ist das ein Mitglied der Star Alliance (also z. B. Lufthansa, nicht aber Air France oder Aeroflot, Anm.). Die Auswahl des Partners ist aber primäre Angelegenheit des Konsortialführers ÖIAG.“

Martin Essl, Baumax:
„Die Stärke Richtung Osten muss ausgebaut werden. Die AUA ist mit den vielen führenden österreichischen Firmen in Zentral- und Osteuropa mitgewachsen, hat also gute Gene, die für jeden Partner interessant sind. Das gilt es zu erhalten. Wunschpartner habe ich keinen, aber die Politik sollte sich möglichst heraushalten.“

Wolf-Dieter Hellmaier, Porsche Austria:
„Für uns ist das AUA-Netz, so wie es jetzt ist, ideal – ja es ist unverzichtbar. Unsere Geschäftsführer aus den Osttöchtern treffen sich normalerweise in Wien – und wenn sie die AUA-Maschine betreten, ist es schon ein Stück Heimat. Das beginnt beim Essen und endet bei der Gastfreundlichkeit. Nicht alle Airlines, die bis jetzt als mögliche AUA-Partner genannt wurden, stehen für diese Linie. Es wäre eine Katastrophe, wenn das ­zunichtegemacht würde. Österreich ist im ost­europäischen Markt der größte Investor, das
Thema geht alle etwas an.“

Dietmar Aluta-Oltyan, Alpine Holding:
„Grundsätzlich kommen nur große Carrier als Partner infrage, daher sind Lufthansa, Air France/KLM und Aeroflot zu nennen. Alle drei sind professionell geführte Unternehmen und könnten das Asset der AUA – die Ostverbindungen – gut integrieren. München und Frankfurt sind als Flughäfen schon ziemlich überlastet, daher sehe ich vorab weniger Gefahr, wenn es die Lufthansa werden sollte. Käme aber Air France/KLM zum Zug, kann ich nicht beurteilen, inwieweit sich die Kosten eines Allianzwechsels rechnen. Für uns ist ein Direktflug aus Wien in die Ostmetropolen immer interessant, auch wenn wir aus Salzburg da stark benachteiligt sind – wir müssen fast immer nach München oder Wien reisen, um in den Osten zu fliegen. Für die Verhandlungen gilt: Bei zu langem Taktieren und Abwarten, bis der Wunschpartner daherkommt, der auf alles eingeht, besteht die Gefahr, dass der AUA das Wasser bald bis zum Hals steht und dann überhaupt kein Verhandlungsspielraum mehr gegeben ist.“

Gottfried Maresch, Leder & Schuh (Humanic):
„Aus der Sicht eines Kunden, der mehr als 100 Flüge pro Jahr mit der AUA nach Tschechien, in die Slowakei, nach Ungarn, Rumänien und Polen abwickelt, ist es natürlich bedeutsam, dass es weiterhin ein gutes Flugverbindungsnetzwerk in diese Länder gibt. Wenn die AUA das – unter welchem Eigentümer auch immer – hinkriegt, dann bin ich zufrieden.“

Von Bernhard Ecker

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