Beszél jó magyar, o italiano? Zum Spracherwerb muss man nicht büffeln

Wenn man einander versteht - dieselbe Sprache spricht –, tut man sich auch beim Abschließen von Geschäften leichter. Aber braucht es dafür Grammatikübungen und quälendes Vokabellernen, oder geht es auch einfach, schnell und billig?

Von Martina Forsthuber

Im Mai letzten Jahres war ich auf Amerika-Reise und habe Open Lectures in Harvard gehört, aber einiges nicht verstanden. Das war der Auslöser, etwas zu tun!“, erinnert sich Jochen Werderitsch. Er ist EU-Regionalmanager in der Steiermark. „Wir haben hier Global Player wie RHI oder Böhler, da muss man seine Sprachkenntnisse parat haben.“ Seither belegt er bei Berlitz Business English im Einzeltraining.
„Der Erwerb von Sprachkenntnissen wirkt sich positiv auf die persönliche Entwicklung aus, erhöht die Freude am Reisen und eröffnet neue Karrieremöglichkeiten“, heißt es in einem Folder der europäischen Kommission zur Förderung der Sprachkenntnisse. In erster Linie aber vervielfacht Mehrsprachigkeit die Chance auf gute Geschäfte. Denn nichts ist geschäftsschädigender als Sprachlosigkeit. Wer sich nichts zu sagen hat oder nichts sagen kann, hat sich auch nichts zu geben. Aber Geschäfte bestehen nun einmal aus Geben und Nehmen. Eine Studie der Europäischen Kommission zeigt: Unternehmen, die in die Mehrsprachigkeit ihrer Mitarbeiter investieren und gezielt Fachkräfte mit Fremdsprachenkenntnissen einstellen, erzielen um bis zu 44,5 Prozent höhere Exportumsätze als Unternehmen, die dies nicht tun.

Lost in translation. „So viele Sprachen du sprichst – so viele Menschen bist du wert“, sagt ein chinesisches Sprichwort. Kein Wunder, dass Sprachenlernen unter allen Weiterbildungsmaßnahmen am intensivsten in Anspruch genommen wird. Laut Marktforschungsinstitut AC Nielsen werden pro Jahr rund 83 Milliarden US-Dollar für das Erlernen von Sprachen ausgegeben. Laut British Council lernen derzeit allein eine Milliarde Menschen weltweit Englisch. Auch Österreichs Sprachinstitute verzeichnen – seit Ausbruch der Wirtschaftskrise – einen enormen Zulauf. Und doch gehen österreichische Unternehmen davon aus, dass sie elf Prozent ihrer Aufträge aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse ihrer Mitarbeiter verlieren.
Wird also noch immer nicht intensiv genug gelernt? Bei den geforderten Sprachkenntnissen rangiert Englisch klar auf Platz eins. Doch erweist das Beherrschen der Verhandlungssprache Englisch dem Gesprächspartner noch nicht die Ehre, sich mit dessen Kultur, der Tradition und dem Land tatsächlich auseinandergesetzt zu haben. Während harte Geschäftsverhandlungen mit internationalen Gesprächspartnern meist auf Englisch geführt werden, sind Kenntnisse der Landessprache, beispielsweise osteuropäischer Sprachen, Arabisch oder Mandarin, vor allem im atmosphärisch wichtigen Smalltalk von unschätzbarem Wert. „Mehrsprachigkeit und damit die Sensibilität für kulturelle Besonderheiten ist ein zentraler Wettbewerbsvorteil“, weiß Wifi-Institutsleiter Michael Landertshammer. Also auf zu neuen Sprachufern! Aber mit welcher Methode erwirbt man rasch und ohne unnötige Quälerei fundierte und daher bleibende Sprachkenntnisse?
Lernmethoden, Software- und Kursanbieter gibt es in großer Zahl. Manche schwören darauf, nur Native Speaker unterrichten zu lassen, die möglichst kein Wort Deutsch können, um niemals in Versuchung zu kommen, anders als in der erstrebten Fremdsprache zu parlieren. Andere setzen auf spielerische Elemente, um den Lernfortschritt zu dokumentieren und dadurch den Eifer anzustacheln. So etwa die Online-Sprachplattform busuu.com. „Wir haben ein Tamagotchi-Modell implementiert“, erklärt der Mitgründer Bernhard Niesner, „lernt man fleißig, wachsen die Sprachbäume, lässt der Eifer nach, verkümmert der Sprachgarten.“ Renommierte Kursanbieter setzen auf maßgeschneiderte Betreuung ihrer Kunden: „Die Hauptprobleme beim Erlernen einer Fremdsprache liegen in der Inhomogenität der Gruppe und im unvermeidlichen Versäumen von Lektionen“, weiß der Leiter des Cambridge Institute, Klaus Karnutsch. „Beides ist in unserem Institut ausgeschlossen, weil nicht nur der multimediale Teil des Kurses, sondern auch die Teachers Lessons völlig frei vereinbar sind.“
Welche Methode zum schnellsten, dauerhaftesten oder beglückendsten Ergebnis führt, hängt allerdings von vielen Faktoren ab. Zuallererst vom Lerntypus: Ausgeprägte visuelle Lerntypen werden eine Sprach-CD hundertmal ohne wesentlichen Gewinn hören können, wenn sie dazu kein Buch haben, in dem sie mit gel­ben oder rosaroten Markern Textstellen fett anstreichen können. Dem Auditiven hingegen geht die Markiererei echt am Auge vorbei, er ist ganz Ohr! Verlockend klingen vor allem die Versprechen der Sprachkursanbieter, ab jetzt sei Lernen ganz nebenbei, wie im Schlaf oder in kürzester Zeit und ohne finanziellen und persönlichen Einsatz möglich.

Lernen wie die Kinder. Wenn Roman Schützl Schnitzel klopft, hat er Kopfhörer im Ohr, wenn er die Schnitzel im heißen Fett rausbäckt, hat er Kopfhörer im Ohr, und wenn er Kartoffelsalat in großer Menge zubereitet, hat er noch immer die Stöpsel im Ohr. Und ständig hört er englische Lektionen. Der Heurigenwirt aus Pfaff­stätten bei Baden lernt Englisch nach der Birkenbihl-Methode. Und das aus gutem Grund: „Alle Gäste, die nicht Deutsch können, reden automatisch Englisch, und ich bin mir immer vorgekommen wie die Kuh vorm neuen Tor. Das hat mich so geärgert! Aber Zeit für einen Kurs hatte ich nie, also habe ich diesen Audiokurs gewählt.“
Seit zwei Jahren lernt Schützl auf diese Art, bei der Vokabellernen verboten ist. Denn das didaktische Prinzip, nach dem Vera F. Birkenbihl und andere ihre Sprachlernmethode aufbauen, orientiert sich an Kleinkindern, die auch, lange bevor sie selbst sprechen, ihr sprechendes Umfeld verstehen. Daher wird nach dieser Methode weder Grammatik geprüft noch Vokabeln gepaukt, sondern erst einmal nur gehört. Rosetta Stone, ein Unternehmen, das Sprachsoftware nach dieser Methode in 30 verschiedenen Sprachen anbietet – von Englisch bis Farsi oder Hindi –, betreut Firmen in ganz Europa. Geschäftsführerin Sylke Riester: „Das läuft ohne Übersetzungen oder Grammatiklektionen, genau so, wie ein Kind die eigene Muttersprache erwirbt.“
Heurigenwirt Schützl hat bislang den Einsteigerkurs 1 und 2, dann den für Fortgeschrittene 1 und 2 und schließlich den für Wiedereinsteiger absolviert. „Zu schnell sollte man nicht sein“, findet er, „sonst läuft man Gefahr, dass man auch alles wieder ganz schnell vergisst.“ Mit seinen Fortschritten während des Schnitzelklopfens ist er aber höchst zufrieden: „Letzten Sommer war ich in der Karibik auf einem Segeltörn, da konnte ich alles, was der Kapitän gesagt hat, fast simultan übersetzen!“ Jetzt beginnt Schützl gerade mit einem Spanischkurs nach der Birkenbihl-Methode.
„Die so genannte natürliche Methode, wie ein Kind zu lernen, ist schön, aber unrealistisch“, räumt Carlos Aleson, Lateinamerikaner und Gründer der Wiener Sprachschule i-diom, mit der Illusion auf, eine Sprache könne man so im Vorbeigehen einfach mitnehmen. „Das funktioniert beim Erwachsenen nicht, es kann nie mehr so sein wie damals beim Erwerb der Muttersprache, weil bereits eine andere Sprache im Weg ist – eben die Muttersprache!“
Wenn es also nicht so einfach gehen kann, wie sich Birkenbihl, Assimil & Co das vorstellen, sind dann die Chancen eines Erwachsenen auf Vielsprachigkeit endgültig perdu? „Nein, die Lernfähigkeit bleibt unverändert hoch“, ist Aleson überzeugt, „nur haben die Erwachsenen andere Strategien entwickelt, um Sprachen zu lernen, z. B. Grammatik, weil man als Erwachsener eben analytische Fähigkeiten besitzt, um zwischen Muttersprache und Fremdsprache und deren Aufbau vergleichen zu können!“ Heißt das wieder zurück zu Vokabelheft und Grammatikbuch?

Ohne Fleiß kein Preis. biz talk, das Wirtschafts-Sprachinstitut von Gabriela Frömel und Nikola Grill, zählt Firmen und Behörden wie Alpine Bau, RZB, MAN, Consultatio, Coface, Volksbanken sowie Wirtschafts-, Finanz- und Infrastrukturministerium zu seinen Stammkunden und hat sich auf Sprachtrainings im fachlichen Top-Segment spezialisiert. „Wir versuchen einfach eine angstfreie und lustbetonte Atmosphäre zu schaffen und Elemente spielerischen Lernens mit allen Sinnen einzusetzen, um allen Lerntypen in jeder Lernphase gerecht zu werden“, so Frömel, „aber natürlich sind auch spielerisches Grammatik- und Vokabellernen dabei.“ Außerdem bietet biz talk interkulturelle Crashkurse für die Zukunftsmärkte Indien, China und Afrika in den jeweiligen Landessprachen. Was den Zeitaufwand für einen soliden Spracherwerb betrifft, meint die biz-talk-Geschäftsführerin: „Um einfache Basiskenntnisse einer neuen Sprache zu erlangen, muss man von einem Zeitaufwand von sechs bis zwölf Monaten ausgehen, das entspricht 60 Seminareinheiten à 45 Minuten laut Europäischem Referenzrahmen!“

Zeit und Geld. Wesentlich schneller geht es angeblich im Ausland. „Als Anfänger brauchen Sie exakt zwölf Wochen, um – egal, welche Fremdsprache Sie erlernen – diese fließend sprechen zu können“, behauptet Christian Geng von LISA Sprachreisen, die jährlich 25.000 Teilnehmer in Europa auf Sprachreisen weiterbilden. „Der Aufenthalt im Ausland allein, ohne Kurs, bringt ihnen hingegen sprachlich überhaupt nichts!“ Ohne Lehrer sind also die Erfolgsaussichten gering. Die kostenlose und moderne Art der Brieffreundschaft wie eTandem hat dagegen den Vorteil, stets mit einem echten Native Speaker in Kontakt zu sein. „Ich kann den Ausdruck Native Speaker schon nicht mehr hören“, beschwert sich i-diom-Geschäftsführer Aleson, „da werden einfach irgendwelche Leute von der Straße geholt, die keine Ahnung vom Unterrichten haben. Bei uns sind alle ausgebildete Trainer, das ist wichtig!“
Einen gewissen Zeit- und Kostenaufwand muss einem die Vielsprachigkeit also schon wert sein. „Für einen echten Neuerwerb, der eine arbeitsfähige Anwendung von Englisch erlaubt, muss man zehn Monate bis 2,5 Jahre – je nach Zeiteinsatz – veranschlagen“, weiß Cambridge-Institute-Leiter Karnutsch. „Die Kosten liegen dafür bei 5409 Euro, dividiert durch rund 430 Stunden ergeben sich 12,58 Euro pro voller Stunde – wir Engländer würden sagen: quite reasonable!“ Michael Landertshammer, Institutsleiter Wifi Österreich, rückt die Relation von Kurskosten zum -nutzen ins rechte Licht: „Die Kosten der Mehrsprachigkeit sind unvergleichlich geringer als die Kosten der Einsprachigkeit, denn internationale Sprachlosigkeit führt in die Isolation!“l

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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