Banken stehen weiter auf der Kreditbremse:
Wie Sie jetzt richtig Schulden machen

Trotz Zinsentief stehen die Banken auf der Kreditbremse. Doch die Branche ist in Bewegung. trend sagt Ihnen, wie Sie derzeit richtig Schulden machen und was es kosten darf.

Von Franz C. Bauer

Fällt Ihnen ein Wort ein, das Sie vor drei Jahren noch nicht gekannt haben, das aber inzwischen zum Alltagssprachgebrauch zählt? Zum Beispiel: Kreditklemme. Nicht nur Unternehmer ärgern sich über die schleppende Vergabe von Darlehen und über hohe Zinsen. Auch für die Arbeiterkammer sind Kreditzinsen zum Dauerthema geworden. Mitte August forderten die wackeren Kämmerer in einer Aussendung wieder einmal: „Runter mit den Kreditzinsen!“ „Die Banken geben die Zinssenkungen nicht im notwendigen Ausmaß weiter“, kritisiert Harald Glatz, Leiter der Konsumentenpolitik in der AK. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) bestätigt dies indirekt.

Aurel Schubert, Chef der OeNB-Statistik, weiß zu berichten, dass der Zinssatz der Europäischen Zentralbank EZB von seinem Höchststand zwar um 325 Punkte gesenkt wurde: „Per Ende Juni waren davon 318 Basispunkte (3,18 Prozentpunkte, Anm.) an die Unternehmen weitergegeben, im Durchschnitt aller privaten Haushalte waren es aber nur 220 Punkte.“ Seine Vermutung: „Der Wettbewerb bei Unternehmenskrediten ist eben größer als bei Privatkrediten.“ Noch eine Änderung ortet der Notenbanker gegenüber den goldenen Zeiten der Kreditwirtschaft: „Beim Risiko sehen wir eine stärkere Differenzierung als früher.“ Im Klartext: Die Banken schauen ­ihren Kunden genauer auf die Finger. Umso wichtiger ist es für Konsumenten jetzt, die richtige Finanzierungsform zu finden.

Kontoüberziehung
Ein Minus am Konto – für biedere Österreicher ein Albtraum, für hunderttausende tägliche Realität. Die Kontoüberziehung ist allerdings keineswegs nur ein Signal dafür, dass da ein Loser mit seinem Geld nicht wirtschaften kann. „Für kleinere Ausgaben und Laufzeiten unter einem Jahr ist die Ausnützung des Kontorahmens sinnvoll, weil es dort keine Nebengebühren gibt“, rät Katja Fries aus dem Produktmanagement der Erste Bank. Die meisten Banken räumen ihren Kunden einen Überziehungsrahmen im Ausmaß von zwei Brutto- oder drei Netto-Monatseinkommen ein. Auf den ersten Blick wirken die Zinsen dafür recht üppig: Von um die sieben Prozent (Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien) bis über 13 Prozent (Bank Austria) reicht die Bandbreite. Hier trifft die Kritik der Nationalbank voll zu: Die meisten Banken haben diese Zinssätze dem derzeit niedrigen Zinsniveau nicht angepasst. „Unsere Konditionen für Kontoüberziehungen sind seit acht Jahren unverändert“, bestätigt Fries. „Man darf dabei aber nicht übersehen, dass da ja auch Phasen steigender Zinsen dabei waren, da wurde nicht angehoben.“ Außerdem lässt sich durch Verhandeln immer noch einiges bewegen. „Wenn Kunden mit hohem Einkommen und hoher Bonität einen größeren Rahmen wünschen, dann ist das natürlich möglich, und da gehen wir auch mit den Zinsen zurück“, bestätigt Christof Sperk vom Produktmanagement der Bank Austria (BA). Sechs bis sieben Prozent seien da „durchaus machbar“. Die eher üppigen Standardkonditionen von 13,25 Prozent gibt es laut Sperk schon seit Jahren. Vor einer Überziehung über den Rahmen hinaus sollte sich jeder hüten: Hier verrechnen die Banken zusätzliche „Strafzinsen“ von rund fünf Prozent.

Konsumkredit
Das waren noch Zeiten, als die Banken ihre Kunden mit Kreditangeboten nur so überhäuften. Vor allem bei den so genannten Privat-Kleinkrediten – also dem typischen Konsumkredit – herrschte Dauerkrieg um Neuverträge. „Natürlich vergibt man in Zeiten der Krise Kredite vorsichtiger als in der Hochkonjunktur. Die Risikoaufschläge sind eben größer geworden“, verteidigt Volksbank-Wien-Vorstand Josef Preissl die Geldinstitute. Dennoch – gerade Kunden mit guter Bonität sind jetzt besonders gefragt. Aber wann lohnt sich ein Konsumkredit? Klar ist: In der Krise schauen zahlreiche Banken nicht nur auf die Risiken, sondern auch auf die Kosten. „Unter 7000 Euro zahlt es sich fast nicht aus“, nennt Katja Fries eine Untergrenze. Kaum eine Bank, die jetzt noch gern Kleinkredite unter 5000 Euro vergibt. Die Grenze nach oben ist dagegen offen und nur durch die Bonität des Kunden begrenzt. Die typische Laufzeit eines Konsumkredits beträgt zwischen fünf und zehn Jahren. Was die Zinsen betrifft, beginnen die günstigsten Angebote bei 4,75 Prozent beziehungsweise knapp darunter. Allerdings gilt das nur für Kunden mit hervorragender Bonität oder Sicherheiten wie beispielsweise einer rückkauffähigen Lebensversicherung. „Dazu kommen allerdings noch Spesen, und die schlagen bei kleineren Beträgen doch deutlich zu Buche“, warnt BA-Produktmanager Sperk. Ein bis drei Prozent verrechnen die Banken ihren Kunden für ihren administrativen Aufwand, „bei kleineren Beträgen wird das eher gegen die drei Prozent gehen“, so Sperk. Hinzu kommen noch 0,8 Prozent staatliche Gebühr. Auf diese Weise summieren sich die Belastungen rasch bis in die Gegend von achteinhalb Prozent – damit wird die Kontoüberziehung ja doch zur echten Konkurrenz für Konsumkredite.

Immobilienkredit
„So sicher wie Grund und Boden“ – vor dem Platzen der Immobilienblase und der dadurch ausgelösten globalen Wirtschaftskrise hätte sich bei diesem Satz wohl niemand etwas gedacht. Doch die Schockwellen sind selbst noch bei der Vergabe von Hypothekarkrediten in Österreich zu spüren. Vor dem Crash waren Darlehen bis deutlich über den von der Bank ermittelten Schätzwert möglich. Heute lassen sich die Banken auf solche Geschäfte kaum noch ein – es sei denn, es gibt zusätzliche Sicherheiten über die grundbücherliche Sicherstellung hinaus. „Bis 95 Prozent“ finanziert beispielsweise die Bank Austria, doch Christof Sperk schränkt ein: „Ich halte einen Eigenmittelanteil von 30 Prozent für sinnvoll.“

Eher zögerlich haben die Banken laut Statistik der Nationalbank hier die Zinssenkungen bis Juni weitergegeben. 2008, als die Zinsen der Europäischen Zentralbank noch bei vier Prozent lagen, betrugen die Zinsen für Wohnbaukredite laut OeNB-Statistik 5,9 Prozent. Im Juni 2009 lag der EZB-Zinssatz um drei Prozentpunkte tiefer, die variabel verzinsten Wohnbaukredite kosteten aber im Schnitt immer noch 3,97 Prozent. Doch der Markt ist in Bewegung. „Ab 2,5 Prozent“ finanziert derzeit Manfred Aschauer von der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, allerdings kommt hier je nach Bonität noch ein Risikoaufschlag hinzu. Daher werden wohl nur die wenigsten tatsächlich bei 2,5 Prozent landen. Staatliche Kreditgebühr (0,8 Prozent), Bankspesen (ab ein Prozent), Eintragungsgebühr (1,2 Prozent), Beglaubigungskosten und Treuhandgebühr verteuern diese Kredite um weitere rund vier Prozent. Jedenfalls lohnt es sich zu feilschen – hohe Bonitätsaufschläge sind selbst in der Wirtschaftskrise bei hypothekarischer Besicherung nicht gerechtfertigt.

Relativ kostspielig sind derzeit Fixzinsbindungen. Wer das aktuell niedrige Zinsniveau für fünf Jahre sichern will, der muss dafür wenigstens 4,5 Prozent Zinsen (zuzüglich bonitätsabhängigen Aufschlags plus sämtlicher Spesen) akzeptieren. Kreditnehmer, die also glauben, die Krise werde noch andauern und das Zinsniveau bleibe daher niedrig, liegen mit der Fixzinsbindung falsch. Die meisten Volkswirte gehen davon aus, dass erst nach Ende der Krise die Inflation – und damit auch der Leitzins – wieder deutlich steigen wird. Eine originelle Kombination aus variablem und fix verzinstem Kredit bietet die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien: Hier können Kunden einen variablen Kredit zu aktuellen Konditionen nehmen, aber gleichzeitig eine Zinsobergrenze von sechs Prozent fixieren. Dafür verrechnet die Bank einen einmaligen „Versicherungsbeitrag“ in Höhe von 2,5 Prozent der Kreditsumme.

Kreditkarte
Sie sind in Österreich die Exoten der Kreditlandschaft: Kreditkartenfirmen geben zwar keine Kredite, doch die meisten (außer AmEx) ermöglichen eine Teilzahlung des monatlichen Rechnungsbetrags. „Über 90 Prozent unserer Kunden bezahlen die Rechnung monatlich“, so Card-Complete-Vorstandsvorsitzender Heimo Hackel, der allerdings eine Zunahme der Teilzahlungen registriert. Das Unternehmen vertreibt Visa und Master Card. Ein Zehntel der Monatsrechnung muss gleich bezahlt werden, den Rest können die Kunden flexibel gestalten. An Zinsen fallen dafür immerhin 14 Prozent an – die Konditionen haben sich seit Jahren nicht geändert. Konkurrent Paylife verrechnet dafür jeweils zwölf Prozent über dem Basiszinssatz der Europäischen Zentralbank, derzeit also 13 Prozent. Hier gibt es aber eine Mindesteinzahlung, diese beträgt 100 Euro. Diners-Club-Kunden („AirPlus“) kommen mit 11,5 Prozent pro Jahr am günstigsten weg.

Hackel: „Die Möglichkeit der Teilzahlung nutzen bei uns keineswegs die bonitätsschwächeren Kartenhalter, sondern eher die Top-Kunden, die die Flexibilität schätzen.“ Die teure Teilzahlung kann aber auch wirtschaftlich sinnvoll sein: nämlich wenn ein Kunde dadurch verhindert, kurzfristig den Rahmen des Girokontos zu überziehen – das ist nämlich noch teurer.

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