Ausbildung mit Jobgarantie: trend zeigt die
besten Schulen, Lehren, Studien und Kurse

Zukunft. Die gute Nachricht: Trotz schwieriger Situation auf dem Arbeitsmarkt gibt es absolut zukunftstaugliche Schulen, Lehrprogramme, Studien und Weiterbildungskurse. Die noch bessere Nachricht: trend zeigt, welche das sind.

Von Martina Forsthuber

Warum ist der Himmel blau?“, wollte Markus Luisser wissen. Er nahm an der Chemie-Olympiade teil, machte ein Praktikum bei einem Bauchemie-Betrieb und entschied sich schließlich für das Studium der Technischen Chemie an der TU Wien. Heute ist Luisser 24 Jahre alt, Doktor der Technik und arbeitet als Process Engineer für die Lenzing AG in China. Eine schöner Beginn der Karriere. Und ein typischer. Denn Techniker, weiblich oder männlich, sind nach wie vor sehr gefragt.

Jährlich stehen rund 50.000 Pflichtschulabsolventen vor der Entscheidung, in welche berufsbildende Schule oder Lehre sie wechseln möchten. Und rund 40.000 Maturanten überlegen nach der Reifeprüfung, welchen weiteren Bildungsweg sie einschlagen sollen: ein Universitätsstudium, eine Fachhochschule, eine Akademie, ein Kolleg oder eine Lehre nach der Matura? Die Wahl ist nicht einfach, schließlich geht es um die Weichenstellung für die Zukunft. Neben den eigenen Interessen steht oft die Frage im Vordergrund, welcher Weg später einen sicheren Job garantiert. Das ist nicht immer leicht vorauszusehen. Aber gute Vorbereitung hilft, die Chancen zu erhöhen.

Monika Neuhauser, Geschäftsführerin der SAB-Ausbildungsberatung, sagt: „Schwierig ist die Entscheidung für diejenigen, die ihre Interessenlage nicht richtig einschätzen können, die hinsichtlich ihrer persönlichen Stärken und Fähigkeiten unsicher sind und die Bedenken haben, ob sie den Anforderungen einer bestimmten Ausbildung gewachsen sind.“ Ein Überangebot an inhaltlich nicht aufeinander abgestimmten, unkoordinierten Anlaufstellen und Informationen ortet Job-Coach Elfriede Gerdenits als Ursache, „dass Jugendliche völlig die Orientierung verlieren“. Die aktuelle wirtschaftliche Situation verschärft die Angst vor Arbeitslosigkeit, verunsichert Schulabsolventen und Weiterbildungswillige. Aber es gibt Ausbildungswege mit besten Jobaussichten. Nicht nur für Techniker. Auch für das Gesundheitssystem, für viele Tätigkeiten im Verkauf oder für Arbeiten mit dem Internet werden beispielsweise immer Leute gesucht. Es gibt Berufe mit Zukunft.
Bei jenen Jobs, die in Unternehmen im nächsten halben Jahr neu geplant sind, ist der deutlich größte Anteil für Facharbeiter vorgesehen, nämlich 65 Prozent. In vielen Branchen gibt es weit mehr offene Stellen als Jobsuchende. Allerdings existiert ein Mangel an Informationsangeboten für Lehrstelleninteressierte. Und vielfach auch mangelnde Bereitschaft bei den Jugendlichen.

Praktisch lernen
„Nach ersten Auslesekriterien, unentschuldigtem Nichterscheinen und negativ ausfallenden Eignungstests reduziert sich die Zahl der Kandidaten für Lehrstellen um einen hohen zweistelligen Prozentsatz“, schildert Thomas Huber, Ausbildungsleiter der Strabag AG in Wien. „So bleiben trotz hoher Jugendarbeitslosigkeit branchenübergreifend Ausbildungsplätze unbesetzt, weil Unternehmen die passenden Lehrlinge nicht finden oder sich Jugendliche für die falsche Lehre entscheiden“, weiß Nikola Jandric, Vertriebsverantwortlicher der „startmesse“, einer Infoveranstaltung für Lehrlinge, die heuer vom 30. September bis 2. Oktober im Austria Center Vienna stattfinden wird. Als Aussteller sind von Adeg über Baumax, Billa, Hofer und Henkel bis XXXLutz alle großen Lehrstellenanbieter vertreten. In vielen Branchen, etwa der Metall­industrie, Elektro- oder Installationstechnik ist die Lehre zu einer krisensicheren Ausbildungsform geworden, da die Nachfrage nach Fach­arbeitern deutlich höher ist als das momentane Angebot. Die Lehre punktet vor allem mit ihrer Praxisnähe, da ein Großteil der Ausbildungszeit direkt im Unternehmen verbracht wird.

Erfolg mit Glas und Uhren
Daneben gibt es auch berufsbildende Schulen mit Jobgarantie wie die Uhrmacherschule Karlstein an der Thaya im Waldviertel – mit historischen Wurzeln, aber mangelndem Schülerinteresse. „Wir brauchen dringend junge Leute mit Visionen, die Freude an diesem schönen Beruf haben“, sind sich Direktor Ingo Faseth und Werkstättenleiter Friedrich Harrer einig. Die wenigen Karlstein-Abgänger, die es jährlich gibt, finden innerhalb kürzester Zeit in ganz Europa einen Arbeitsplatz. Schließlich liegen sie mit ihren rar gewordenen Kenntnissen direkt am Puls der Zeit.
Ebenso heiß begehrt sind die Absolventen der Glasfachschule Kramsach, der einzigen dieser Art in Österreich. Schon während ihrer Schulzeit sind Kramsacher bei Planung und Kons­truktion riesiger Glasfassaden im Einsatz.

Eine Lehre weist auch nach der Matura eine Reihe von Vorteilen auf: eine fixe Anstellung gleich nach der Schule, eine Ausbildung, bei der man bereits verdient, verkürzte Lehrzeit um ein Jahr, einen besseren Marktwert durch die zweite Ausbildung. Betriebe schätzen Lehrlinge mit Matura. Durch ihr Alter und ihre Vorbildung können sie effizienter eingesetzt werden, pubertäre Probleme fallen weitgehend weg. Jemand, der sich mit 18 oder 19 Jahren für eine Lehre entscheidet, weiß in den meisten Fällen, was er oder sie will.

Lehre nach der Matura
Osmana Miniri hat sich nach dem Gymnasium für die Lehre zur Großhandelskauffrau bei Bosch entschieden, und heute ist die 23-Jährige Vorstandsassistentin. „Wir würden gerne solche Leute nehmen, aber es meldet sich keiner“, bedauert RHI-Konzern-Personalleiter Andreas Berger. „Wir hatten für unser Lehrlingsausbildungsprogramm 250 Bewerber, davon haben wir 45 eingeladen. Es kamen 16, der Rest hat nicht einmal abgesagt. Am Ende bleiben maximal zwei übrig! ­Maturant war kein einziger dabei, aber wir ermöglichen unseren Lehrlingen die Matura. Fürs Unternehmen sind diese dann über alle Maßen wertvoll.“
Der Weg von der Schulbank an die Werkbank ist zwar erfolgversprechend, wird aber in Österreich zurzeit noch nicht sehr häufig eingeschlagen. „In der Schweiz ist es üblich, vor dem Studium eine Lehre zu absolvieren und stolz darauf zu sein“, weiß Leo Hödl, Referatsleiter des BiWi ­(Berufsinformation der Wiener Wirtschaft). Andere Länder, andere Sitten. Auch wenn in Österreich das Image von Lehrberufen steigt: Der Anteil an Maturanten in Lehrberufen beträgt derzeit weniger als ein Prozent. „Am beliebtesten sind noch medizinisch-pharmazeutischer Assistent, Bürokaufmann, Reisebüroassistent, Koch sowie Buch- und Medienwirtschafter“, sagt Hödl. Er würde Maturanten nicht pauschal zu einer Lehre raten, „aber wer verspürt, dass ein unternehmerischer Geist in ihm steckt, für den ist die Lehrausbildung nach der Matura eine gute Basis“. Zusätzliche Sicherheit kann ein Talentecheck beim BiWi bringen, wo Jugendliche ihre fachlichen Eignungen prüfen lassen können.

„Rund die Hälfte der Maturanten wechselt an die Uni“, so SAB-Geschäftsführerin Neuhauser, „daneben ist auch ein ­steigendes Interesse an kürzeren praxis­orientierten Ausbildungen (z. B. Kollegs) wahrzunehmen.“ BHS-MaturantInnen können sich etwa zu gleichen Teilen ein Studium an der Fachhochschule oder an der Universität vorstellen. Ungebrochen ist das große Interesse an Ausbildungen im gehobenen medizinisch-technischen Dienst, wie Physiotherapie oder Logopädie. Das kann Eva Werner, Direktorin der IMC FH Krems, nur bestätigen: „Die Physiotherapeuten gehen weg wie die warmen Semmeln. Für 26 Studienplätze haben wir rund 400 Bewerber.“ Viele gehen schon mit fixem Job von der FH, weil sie ihren Arbeitgeber meist schon während des verpflich­tenden Praxissemesters kennen lernen.
Arbeitslosigkeit kennen auch die Absolventen von Studienzweigen aus dem breiten Feld der Informationstechnologie nur vom Hörensagen. Claudia Pelz, heute Head of Client Services beim Spieleproduzenten Greentube GmbH, hatte zum Beispiel nach einem Studium gesucht, das sowohl Elemente aus IT, Management, Organisation und wirtschaftliche Aspekte in einer Ausbildung vereint: „Mit dem Angebot des Studiengangs Informationsberufe habe ich diese außergewöhnliche Kombination für mich entdeckt und mich schlussendlich für Eisenstadt entschieden.“ Bereits während des Studiums erhielt Pelz ein Angebot von Greentube. Als Head of Client Services fungiert sie heute als Schnittstelle zwischen Unternehmen und Businesskunden. Von Greentube kommen Spiele wie die bekannte „Ski Challenge“ und diverse Entwicklungen im Bereich Casino-Games.

Als absolut zukunftssicher erweisen sich zurzeit auch alle Ausbildungswege im biomedizinischen, chemischen sowie im umwelt- und verfahrenstechnischen Bereich. Montanisten oder Absolventen des Universitätslehrgangs für Produktentwicklung in Leoben können unter mehreren Arbeitsplatzangeboten wählen.

Ingo G. Marini, Institutsvorstand für Verfahrenstechnik an der TU Wien, versucht, den Unterschied von Uni und FH herauszuarbeiten: „Die Absolventen unseres Hauses sind im Unterschied zu jenen der FHs sehr gut in den technischen Grundlagen ausgebildet, in der Diplom­arbeit oder Dissertation aber auch sehr industrienah orientiert und daher äußerst kompetente Problemlöser.“

Permanente Weiterbildung
Die Ausbildung, die nach der Schule gewählt wird, reicht in immer weniger Fällen für ewig. Im vergangenen Jahr verzeichnete allein das Wifi in ganz Österreich 341.610 Kursteilnahmen, deutlich mehr als im Jahr davor. Michael Walter, Sprecher der „Plattform für berufsbezogene Erwachsenenbildung“, erklärt: „Wir haben 500 Personalverantwortliche befragt. Das klare Ergebnis: Gerade in Krisenzeiten nimmt die Bedeutung von Fachqualifikationen zu.“

Der Nutzen der Weiterbildung ist für Unternehmen und für ihre Mitarbeiter gleichermaßen hoch und drückt sich nicht selten ganz konkret in Geld aus. Laut einer Befragung des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) gab rund jeder zehnte Teilnehmer von Wifi-Kursen an, ein Jahr nach Kursabschluss im Schnitt ein um elf Prozent höheres Einkommen zu haben als davor. Jeder Dritte machte die Kursteilnahme für spätere Einkommenserhöhungen verantwortlich, die durchschnittlich 23 Prozent betrugen.

„Wir wissen, dass jene, die Weiterbildungen absolvieren, überdurchschnittlich motiviert und fleißig sind. Diese Eigenschaften können unabhängig vom Kursbesuch Gehaltserhöhungen bewirken“, meint Walter. Besonders gefragt unter Bildungswilligen sind berufsbegleitende Programme, die sofort in die Praxis umgesetzt werden können. Die junge Bilanzbuchhalterin Barbara Kitzler hat durch ihren Besuch der Finanzakademie nicht nur eine massive Erweiterung ihres Zuständigkeitsbereichs in der Firma TransportBeton erhalten, sondern auch eine Gehaltserhöhung von 450 Euro.
Dringend gesucht, allerdings vielfach noch bescheiden entlohnt, sind Absolventen von Aus- und Weiterbildungseinrichtungen für Sozialberufe (siehe auch Kasten Seite 88). Altenbetreuer – heute auch Third Age Coachs genannt –, Heimpflegerin, diplomierte Krankenpflegerin oder Behindertentherapeut sind jene Jobs, die in den kommenden Jahren einen massiven Bedarfs­anstieg verzeichnen werden – und die für Berufsumsteiger interessant sein können. Ähnliches gilt für psychologienahe Bereiche wie Mediation oder Supervision.

Mit dem Lernen Schluss zu machen, kann sich aber nicht einmal der Doppeldoktor, Diplomingenieur und Magister leisten, der einen stattlichen Fächer an Zusatzzertifikaten in der Hand hält. Denn Wachheit, echte Neugier und Begeisterung sind in jedem Alter die zuverlässigsten Jobgaranten. Markus Luisser weiß mittlerweile, wieso der Himmel blau ist, „aber ich habe immer noch jede Menge Fragen“. Heute verdient er sein Geld damit, die richtigen Fragen zu stellen und die entsprechenden Antworten darauf zu finden. Und er verdient gut.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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