Aufdecker und Kabarettist Florian Scheuba im trend-Interview

Florian Scheuba ist Aufdecker und Kabarettist in einer Person. Der ORF-„Staatskünstler“ möchte Politik verständlich machen – und endlich Geld von der Telekom Austria bekommen.

trend: Gibt es ein Kabarett, das über das Ziel hinausschießt? Kann man zu böse sein?

Scheuba: Es ist schwer, da eine Regel aufzustellen. Humor an sich hat auch sehr viel mit Geschmacksfragen zu tun.

In Ihrem Programm wurde dem verhinderten Wrabetz-Sekretär Niko Pelinka viel Raum gewidmet. Er wurde auch aufgrund von Äußerlichkeiten verspottet. Ist das noch legitim?

Uns ist es nie um die Person von Herrn Pelinka gegangen, sondern um den unerträglichen Einfluss der Parteipolitik auf den ORF. Wenn man sich anschaut, was im Stiftungsrat läuft, so ist das Thema noch immer akut. Wir haben da einen wunden Punkt getroffen. Offensichtlich wurde auch unterschätzt, wie sehr das Thema die breite Öffentlichkeit interessiert. Wir wollten die Mechanismen aufzeigen.

Gibt es bei Ihnen auch Mitleid mit Ihren Opfern?

Es hat Herrn Pelinka niemand gezwungen, das zu machen. Er hat im Sommer noch erklärt, niemals auf den Posten wechseln zu wollen. Außerdem war er bei der „Staatskünstler“-Premiere im Rabenhof und hat nachher versichert, auch über sich selbst lachen zu können.

Wie ist das mit der ORF-Kritik, die Sie üben? Sie beißen gern das Medium, das Sie füttert …

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk gehört uns allen, er ist zur Selbstkritik verpflichtet und auch dazu, Ironie zuzulassen. Man muss positiv anmerken, dass das im ORF auch so gesehen wird. Wenn ich mich in der „Kronen Zeitung“ über den Verkauf des Dorotheums lustig machen möchte, werde ich das vermutlich nicht können.

Ich nehme an, dass die Rechtsabteilung des ORF immer wieder zu Rate gezogen wird, ob und was gesendet werden darf.

Die kriegen das vorher, aber es hat bei zehn Folgen von „Wir Staatskünstler“ keine Abstriche gegeben. Im Großen und Ganzen machen wir ja eine Art Mischform zwischen investigativem Journalismus und Kabarett. Bei der Recherche haben uns Kollegen aus Magazinen – Kurt Kuch, Florian Klenk, Michael Nikbakhsh, Ashwien Sankholkar – auch zugeliefert. Unsere Storys müssen schon Hand und Fuß haben.

Im Programm werfen Sie der Telekom vor, dass ausgerechnet Sie als Staatskünstler noch kein Geld von dort erhalten hätten. Hat sich das Unternehmen mittlerweile bei Ihnen gemeldet?

Ich bin sehr enttäuscht, dass sich noch niemand gemeldet hat. Vor allem, weil wir auch aufdecken, dass die Telekom sogar an Reinhart Gaugg (FPÖ-Politiker a. D., Anm.) gezahlt hat. Bei seinem Wikipedia-Eintrag ist der Absatz über Alkohol am Steuer länger als der Absatz über seine politische Laufbahn. Der hat für eine handgeschriebene Honorarnote 30.000 Euro bekommen.

Würden Sie für die Telekom eine Gala spielen?

Wenn das Geld sauber ist, ja. Es ist nicht ehrenrührig, wenn die Telekom eine Dienstleistung bestellt und sie auch erhält. Es wäre sicher sinnvoller, das Geld für eine Gala mit uns statt für einen BZÖ-Wahlkampf auszugeben.

Wie viel würden Sie dafür verlangen?

Jetzt, wo wir wissen, dass der Gaugg 30.000 bekommen hat, liegt die Latte natürlich hoch …

Darf man fragen, wie viel Sie verdienen?

Das variiert sehr, denn es ist eine unsichere Branche. Wir sind in Wahrheit ja keine Staatskünstler, sondern freie Unternehmer und vom Publikum abhängig.

Ist das Kabarett von kulturpolitischer Seite her unterbewertet?

Teilweise ja. Es ist nicht argumentierbar, warum zum Beispiel das Musical hoch subventioniert ist und Kabarettbühnen nicht. Gerade das Musical müsste von sich aus lebensfähig sein.

Sind Sie eher Unterhalter oder Aufklärer?

Im Idealfall beides. Gerade beim „Staatskünstler“- Programm setzen wir auf den Aufklärungsgedanken. Unser Problem ist dabei: Wir bringen Sachen, die von manchen irrtümlich für Satire gehalten werden. Da müssen wir betonen: Das ist die Realität, das haben nicht wir uns ausgedacht. Sie machen Politik. Wir erklären Politik. Wenn unsere Botschaft angenommen wird, ist das sehr erfreulich. Wenn das auch noch lustig ist, wunderbar. Dadurch erreicht man die Menschen besser als mit trockenen Fakten. Gerade bei den Korruptionsskandalen kommen die Leute ja ab einem gewissen Punkt nicht mehr mit.

Haben Sie einen Frontwechsel – hinein in die wirkliche Politik – schon überlegt?

Nein, das würde mich sehr einschränken, da wäre ich ungeeignet dafür.

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