Armut auf höchstem Niveau

Verona (Pooth) und Ruth (Elsner) auf Empathie-Tournee für ihre angetrauten Bruchpiloten. Angelika Hager über das Phänomen Mittellosigkeit mit Penthouse-Blick.

Bei Dieter Bohlen bekäme sie jederzeit einen Teller warmes Süppchen und der „arme Junge“ einen funktionierenden MP3-Player: Verona Pooth, die Mutter aller Tussen und neuerdings Franjos persönlicher Engel. Der gelmanipulierte Gatte war mit seiner Elektronikfirma dem im Promimilieu grassierenden Größenwahn erlegen. Jetzt wirft sich sein „Puschelchen“ für den mit – minimal geschätzten – 18 Millionen Euro in der Kreide stehenden Neo-Pleitier auf den Talkshow-Strich. Tenor: „Wir müssen jetzt ganz stark sein, und ich liebe ihn über alles.“ Bleibt die Mutter aller Fragen offen: Kann Dieter Bohlen überhaupt eine anständige Suppe kochen? Knapp gefolgt von: Muss Deutschlands lebendes Preisschild jetzt ihren „Hummel“ selbst saugen? Oder gar bei Aldi sich mit den Hartz-IV-beziehenden Mitbürgern um die Vorratsangebote balgen?

Ein Schicksal, das Ruth Elsner, die ebenfalls die Engelsschwingen zum Solidaritätsflug für ihren Helmut spannte, erspart bleibt. Die arme Bankiersgemahlin muss, wie sie „profil“ anvertraute, mit entwürdigenden 1200 Euro über die Runden kommen, da die Vermögenswerte eingefroren wurden. Mittellosigkeit auf höchstem Niveau kann halt verdammt anstrengend sein. Denn irgendein Landsitz-Pool leckt immer zum ungünstigsten Zeitpunkt. Man stelle sich vor: Der Abend senkt sich über die Wiener City, der inzwischen von all dem Hofer-Hundefutter leicht depressive Monti räkelt sich um die Beine seiner traurigen Herrin Ruth. Und ich frage Sie an dieser Stelle: Was nützt einem da ein Penthouse in der Innenstadt, wenn dessen Existenz doch nur mehr zum schmerzhaft malerischen Mahnmal der goldenen Vergangenheit mutiert? Früher erschoss sich der Pleitier von Stil nach dem Crash ja noch im Lieblingszimmer seines bevorzugten Stundenhotels, heute verschwinden sie einfach von der Bildfläche. Dabei hätten wir von Herzen gerne zugesehen, wie der Sturm-Graz-Präsident Hannes Kartnig die Haie aus seinem Aquarium in die Freiheit entlässt, weil das tägliche Lebendfutter sein Haushaltsbudget neuerdings übersteigt. Und wie steht’s eigentlich mit den Schloss-Spielen auf Herberstein? Stichelt Gräfin Andrea abends, ungeschminkt und bei trübem Licht, Flicken auf die ausgedünnten Ellbogenpartien ihrer Chanel-Kostümchen?

Ein schönes, weil auch berührendes Bild. Millionäre im Lifestyle-Sinkflug wäre doch das ideale Sujet für ein neues Reality-Format. Jeder aus dem Volk will doch denen beim Keinen-Kuchen-Essen zusehen. Mit der Konsequenz ­doppelter psychohygienischer Wirkung für die Zuschauer: Ablenkung vom eigenen Elend plus Milderung des angestauten Sozialneids. Wobei die reich gebliebenen Reichen inzwischen angesichts der zunehmenden Wohlstandsverwahrlosung von einem ganz neuen Phänomen geplagt werden: „EWG“ (Extreme Wealth Guilt). Neuerdings war ich bei feinen Leuten zu einer Geburtstagsfeier geladen. Der betuchte Gast­geber erzählte mir mit roten Bäckchen, dass er zu Dinnerpartys neuerdings ein Grundnahrungs­mittelsortiment anstelle des todlangweiligen Jahrgangs-Champagners als Gastgeschenk mitbringe. Mein mimisches Befremden versuchte er daraufhin wie folgt aufzulösen: „Im Gegensatz zu Champagner haben Reis und Nudeln in den letzten Jahren eine Preissteigerung von nahezu 75 Prozent erfahren.“ „EWG“ hat durchaus ­Unterhaltungswert.

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