Anleihen: Es geht bergauf

Die Zinsen könnten bald wieder steigen, glauben Experten. Die englische Notenbank hat bereits den ersten Schritt gesetzt. Welche Anleihen in dieser Situation am meisten bringen, verrät Ihnen der trend.

Der Sommer 2003 dürfte wohl ein Vorbote gewesen sein: In den USA geisterte das Schreckgespenst einer Deflationsspirale, in der die Konsumenten ihre Einkäufe – in Erwartung weiter fallender Preise – verschieben, herum. In Europa war, vor allem aus Deutschland, von immer schleppenderen Konjunkturdaten zu hören. Sollten die Zinsen da noch weiter sinken?

In dieser Lage machte die US-amerikanische Fed einen entscheidenden Schritt. Sie senkte zwar im Juli den Leitzins, aber nur um 0,25 Prozentpunkte auf ein Prozent. Damit war das erste Signal gesetzt. Die Talfahrt der Zinsen ging zu Ende. Veronika Lammer, Analystin der Erste Bank: „Die extreme Überhitzung ist vorerst aus dem Markt.“

Andere Zeiten. „Nach fast 20 Jahren sinkender Zinsen hat nun eine neue Ära begonnen“, steht auch für Werner Schinnerl, Fondsmanager des Volksbank Rent, fest. Die jüngsten Zahlen wie etwa ein US-Wirtschaftswachstum von 7,2 Prozent im dritten Quartal dürften dazu beitragen, einen Turnaround auf den Zinsmärkten einzuläuten (siehe Tabelle „Kurz & gut“, Seite 136). Denn mit dem Anspringen der weltweiten Konjunktur befürchten einige Experten bereits ein Anziehen vor allem der US-Inflation. Das würde nicht nur Dollar-, sondern auch Euroanleihen betreffen, da die internationalen Märkte zunehmend miteinander verknüpft sind. Offen bleibt, wie rasch es nach oben gehen wird, „wobei ich von einem langsamen Anstieg der Leitzinsen ausgehe“, fügt Schinnerl hinzu. Am 6. November 2003 hat die englische Notenbank dann den ersten Schritt gemacht und ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte erhöht. Im Euroraum sowie in den USA wartet man noch ab – doch wie lange?

Die meisten Vermögensverwalter gehen in dieser Lage vorerst auf Nummer sicher: „Wir haben begonnen, die durchschnittliche Laufzeit von unserem Anleihebestand zu reduzieren, um das Kursverlustrisiko bei steigenden Zinsen zu senken“, erklärt der Volksbanken-Experte. Denn in der Regel werden Anleihen zu 100 Prozent vom Nominale getilgt. Je kürzer die restliche Laufzeit, desto weniger weichen die Kurse vom Tilgungskurs ab.

„Noch bleibt allerdings abzuwarten, ob sich der extrem positive Konjunkturtrend tatsächlich halten kann“, mahnt Lammer. Für die USA erwartet die Expertin heuer ein Wachstum von insgesamt 2,5 Prozent. Vor allem der Konsum sei in den USA durch die Steuersenkungen angekurbelt worden. Anders als in Europa gehen die Amerikaner weniger vorsichtig mit ihrem Geld um, „denn die private Haushaltsverschuldung liegt dort noch immer auf einem Rekordhoch“, fügt Lammer hinzu. Für den Euroraum liegen die Wachstumsprognosen noch immer nur bei mageren 0,5 Prozent. Hier halten die Verbraucher ihre Geldbörsen noch fest verschlossen.

Zwischenchance. Deshalb sind die Erwartungen für Europa noch zurückhaltend. Caroline Höll, Fondsmanagerin des Schoellerbank Anleihefonds, fährt deshalb folgende Anlagestrategie: „Im Moment sehen wir eine Übertreibung bei den Kurskorrekturen und nutzen die Chance zu günstigen Zukäufen bei zehnjährigen Anleihen.“ Noch sei die Euphorie über die Wirtschaftslage zu groß, ist die Fondsmanagerin überzeugt und meint: „Die Notenbanken werden nicht so schnell an der Zinsschraube drehen, denn sonst würden sie den beginnenden Konjunkturaufschwung abwürgen.“

Ähnlich bewertet man auch bei einer anderen Kapitalanlagegesellschaft derzeit das Dilemma: „Wer jetzt eventuell nur aufgrund von Erwartungen zu früh in kurz laufende Anleihen umschichtet, verzichtet in der Zwischenzeit auf eine höhere Verzinsung, trotz der aktuellen Kursverluste bei länger laufenden Anleihen“, sagt Martin Mikulik, Vorstandsmitglied der Security KAG und Fondsmanager des Apollo 1 Styrian Euro Bond. Deshalb wartet der Security-Chef noch auf nachhaltige Anzeichen für einen Zinsanstieg, „um dann entsprechend im Fonds umzuschichten“. Während eine kurzfristige Geldmarktanleihe derzeit mit rund 2,2 Prozent verzinst wird, sind die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen aus dem Euroraum im Schnitt auf 4,4 Prozent geklettert.

Zaghafte Schritte. In den USA rechnet Erste-Bank-Analystin Lammer mit einem Zinsanstieg von insgesamt 0,5 Prozentpunkten bis zum Sommer 2004. „Im Euroland dürfte der Anstieg erst im dritten Quartal des kommenden Jahres erfolgen“, schätzt die Analystin. Eine Konstellation könnte den Zinsanstieg in Europa jedoch noch bremsen: Steigt der Euro gegenüber dem Dollar weiter kräftig an, wird die Europäische Zentralbank – wie bereits angekündigt – die Leitzinsen von derzeit zwei Prozent notfalls sogar noch einmal senken, um dem Aufwertungsdruck gegenzusteuern. In der RZB sieht man dieses Szenario jedoch als wenig wahrscheinlich an. Bis Jahresende rechnet die volkswirtschaftliche Abteilung der RZB, dass der Euro zum Dollar bei einem Verhältnis von eins zu 1,15 liegt und Ende 2004 bei 1,25.

Das Schreckgespenst Inflation dürfte – zumindest im Euroraum – noch auf sich warten lassen. In den USA könnten jedoch die Preise aufgrund der Wirtschaftserholung tatsächlich schon bald anziehen – und damit einen Grund für eine Zinserhöhung liefern. „Allerdings sehe ich für den Euroraum einen ganz anderen Auslöser für einen möglichen Zinsanstieg“, schätzt Wolfgang Werfer, Geschäftsführer der Julius Meinl Investment und Fondsmanager des Meinl Capitol 1. „Wir haben es diesseits des Atlantiks mit einem immer größeren Kapitalbedarf zu tun. Und dieser wird irgendwann nur noch durch höhere Zinsen finanzierbar sein, da es sonst bei diesen Summen irgendwann keine Geldgeber mehr geben wird.“ So hieß es beispielsweise allein in Deutschland zuerst, die Neuverschuldung werde bei 18 Milliarden Euro liegen.

„Jetzt redet man in Berlin von 40 Milliarden Euro für 2004“, so der Meinl-Experte. Deshalb konzentriert sich Werfer auf Anleihen aus dem kurzen Laufzeitenbereich und kauft dazu auch variabel verzinste Anleihen. „Diese Wertpapiere sind sehr defensive Anlagen und nur interessant, wenn man erwartet, dass die Zinsen in nächster Zeit steigen“, fügt der Anlageprofi hinzu.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor bleibt freilich auch der Rohölpreis. Zwar hat sich der Markt in jüngster Zeit wieder beruhigt. Doch immer wieder warnen Experten vor möglichen Verknappungen sowie neuen Konfliktherden im Nahen Osten. Das könnte den Preis für das schwarze Gold nach oben treiben. „1999 hatten wir bereits eine Situation, wo der Ölpreis überraschend von zehn auf 30 Dollar je Fass Rohöl hinaufschnellte. Wenn die Unsicherheit bei den Rohöl fördernden Ländern wieder wächst, droht ein Anstieg des Ölpreises. „Und das“, weiß Mikulik, „ist Gift für die Rentenmärkte.“

Generell werden sich Rentenanleger künftig auf niedrigere Zinsen bei Anleihen gefasst machen müssen: „In den nächsten ein bis zwei Jahren wird das durchschnittliche Niveau bei etwa 4,5 Prozent liegen“, prophezeit Schinnerl. In der Vergangenheit, noch vor dem großen Zinsentief, lag der Schnitt bei rund sieben Prozent. Anlegern, die lieber auf einzelne Papiere setzen wollen, raten die Analysten der RZB zu Anleihen mit einer Laufzeit von maximal vier Jahren. Und wer ganz auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sich mit dem Kauf von variabel verzinsten Anleihen gegen mögliche steigende Zinsen absichern.

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