Anlage: Rothschilds Rezept

Das beste Mittel gegen die Angst vor dem nächsten Absturz der Weltbörsen hat drei Buchstaben: ETF – Exchange Traded Funds.

Nathan Mayer Rothschild, einer der fünf Söhne von Mayer Amschel Rothschild, begründete den Ruhm und Reichtum seiner Familie dadurch, dass er 1815 in London als Erster per Pferdestafette die Nachricht von der Niederlage Napoleons in der Schlacht von Trafalgar erhielt. Während sich die englischen Börsenmakler an Gerüchten orientierten, die ein Fiasko ihres Herzogs von Wellington und seiner preußischen Verbündeten prophezeiten, und panisch ihre Aktien abstießen, kaufte Rothschild an der Londoner Börse alles, was die Industriebarone zu Schleuderpreisen auf den Markt warfen.

In Zeiten boomender Börsen, so wie jetzt gerade, wo ATX, DAX und Dow Jones immer höher klettern, braucht man gar keine Pferdestafetten, um sein Vermögen beträchtlich zu vermehren, doch viele Anleger fragen sich bange, wie lange der Börsenrausch noch anhält und wie man sein Geld schützen kann, wenn der Wind drehen sollte.

Auch dafür hatte Baron Rothschild ein Rezept parat, eine Philosophie der Nachhaltigkeit, wenn man so will. Es lautete: Man möge doch klugerweise sein Vermögen niemals in einen Topf stecken, sondern zu je einem Drittel in Geld, Grund und Gold anlegen.

Ins 21. Jahrhundert übersetzt, heißt das: Streuung, Streuung, Streuung. Wer in viele unterschiedliche Märkte und in unterschiedliche Branchen investiert, wer nicht nur auf Aktien, sondern auch auf Anleihen, Rohstoffe, Immobilien usw. setzt, wird sich ins Fäustchen lachen, wenn die Börsenkurse das nächste Mal wieder fünfzig, sechzig oder mehr Prozent runterrasseln sollten und vor allem jene Zocker ruiniert sind, die womöglich auf Kredit auf ewig steigende Börsenkurse vertrauten.

Streuung: ein Luxus. In der Praxis war eine wirklich solide Streuung für Anleger kleiner oder mittlerer Vermögen bislang freilich mit beträchtlichen Kosten verbunden, oder sie scheiterte überhaupt am nötigen Kapitalbedarf. Wer kann schon zur Absicherung ein Dutzend Häuser erwerben, die idealerweise an unterschiedlichen Orten, etwa in New York, London, Wien, Bukarest oder sonst wo, stehen? Wer bunkert schon Goldbarren im Keller, geschweige denn allerlei verderbliche Rohstoffe? Wer hat schon Kapital und Know-how, um die besten brasilianischen, kasachischen, chinesischen Aktien zu kaufen?

Natürlich gibt es als Streuungsvehikel Fonds aller Art, die durchaus ihre Berechtigung haben. Doch Fonds gehen ordentlich ins Geld. Ein durchschnittlicher Fonds, der im Ausland investiert, berechnet dem Anleger 1,8 Prozent Verwaltungsgebühr pro Jahr. Dazu kommen noch „weiche“, versteckte Spesen in Höhe von jährlich 0,3 Prozent und der Einstiegspreis, der so genannte Aufschlag, der in der Regel fünf Prozent beträgt. Viel Geld, das die langfristige Rendite oft mager aussehen lässt.

Das Geheimnis der ETFs. Doch es gibt seit wenigen Jahren eine Alternative, die besonders unter institutionellen Investoren, aber auch immer mehr privaten regen Zulauf hat: Exchange Traded Funds, kurz ETFs. Sie sind schlicht die billigsten Vehikel, Geldvermögen zu streuen. ETFs sind Aktienkörbe, die an der Börse wie normale Aktien notieren, also jederzeit handelbar sind. Sie bilden einen bestimmten Index nach, zum Beispiel den DAX oder den ATX, und zwar meist im Verhältnis eins zu zehn oder eins zu hundert. Anders als bei herkömmlichen Fonds werden diese Körbe nicht aktiv gemanagt. Es gibt also keine Fondsmanager, die nach Rosinen suchen, sondern Großrechner, die einfach stur den jeweiligen Index nachbilden. Der Käufer eines ETFs surft also einfach mit dem Auf und Ab der Börsen mit. Dafür muss man keinerlei Ausgabeaufschlag berappen, und die jährlichen Verwaltungsgebühren betragen je nach ETF zwischen 0,15 und 0,75 Prozent.

Ein Beispiel: Der größte europäische ETF-Anbieter, die deutsche Indexchange, jetzt eine Tochter von Barclays Bank Plc., hat unter anderem auch einen ETF auf den österreichischen ATX-Index im Programm. Er heißt ATX®EX (ISIN: DE 000A0D8Q23, siehe Tabelle) und bildet den ATX im Verhältnis eins zu hundert ab. Steht also der ATX zum Beispiel bei 4700 Punkten, so kostet ein solcher ETF 47 Euro. Es fällt kein Ausgabeaufschlag an, und die jährliche Verwaltungsgebühr beträgt in diesem Fall 0,3 Prozent. Es gibt auch keine Rücknahmegebühren oder Ähnliches. Es fallen lediglich normale Börsenorderspesen an, die man am besten über eine Direktbank minimiert.

Auch im Vergleich zu Indexzertifikaten weisen ETFs wesentliche Vorteile auf. Zum einen fließen die Dividenden dieser börsenotierten Diskontfonds, die auch Indexaktien genannt werden, grundsätzlich dem Anleger zu. Bei Zertifikaten ist dies nicht immer der Fall: Bei kursindizierten Zertifikaten streift der Emittent die Dividenden ein, der Anleger geht leer aus. Nur bei Performance-Zertifikaten darf der Anleger bei den Dividenden mitnaschen.

Noch einen Unterschied gibt es zwischen ETFs und Zertifikaten. Zertifikate sind rechtlich Schuldverschreibungen, Exchange Traded Funds hingegen Sondervermögen. Die langweiligen Definitionen haben spannende Auswirkungen: Im Konkursfall ist nämlich – im Gegensatz zu Zertifikaten – bei den ETFs das Geld der Anleger sicher, weil es als Sondervermögen des Anbieters vor den Konkursgläubigern geschützt ist.

ETFs notieren inzwischen auch an der Wiener Börse. Der größte europäische Marktplatz für derartige Indexaktien ist freilich die XTF-Plattform der Deutschen Börse, wo derzeit 194 Titel gehandelt werden. Derzeit sind in Deutschland allein bereits knapp 180 Milliarden Euro in ETFs investiert.

Mit diesen leicht handelbaren, extrem billigen Diskontfonds können Investoren auch bei kleineren Anlagesummen eine Streuung erreichen wie früher nur sehr vermögende Investoren. Selbst das Anlagerezept des Bankiers Rothschild – Geld, Gold, Grund – lässt sich mühelos umsetzen.

Ein paar Barren Gold. Risikostreuung, Inflationsschutz oder Renditeoptimierung – es gibt gute Gründe, Gold im Portefeuille beizumischen. Für Investoren, die weder in irgendwelche Goldminenaktien oder -fonds investieren wollen noch zu Hause Goldbarren horten möchten, gibt es seit 8. Mai eine neue Anlageform: ein ETF namens Lyxor Gold Bullion Securities (Kürzel an der Börse Frankfurt GG9B). Dieser ETF, der an der deutschen Börse, bei Euronext und an der Pariser Börse gelistet ist, gibt Investoren die Möglichkeit, Anteile an Goldbarren so einfach zu handeln wie Aktien. Jeder Gold-ETF ist durch rund eine Zehntel-Unze Gold besichert. Eine Unze Gold entspricht 31,1035 Gramm. Die Investoren sind also an einem realen Goldbestand beteiligt, ohne die Kosten in Kauf nehmen zu müssen, die üblicherweise mit dem Kauf und dem Verkauf sowie der Lagerung und dem Versichern von physischem Gold verbunden sind. Lyxor, die Verwaltungsgesellschaft, ist eine Tochter der Société Générale Corporate and Investment Bank und der Gold Bullion Securities Limited.

Das Vermögen, das Anleger weltweit in solche Gold-ETFs investiert haben, beläuft sich derzeit auf 13 Milliarden US-Dollar, was etwa 600 Tonnen Gold entspricht. Die Verwaltungsgebühr des Lyxor Gold-ETFs, der die Entwicklung des Goldpreises nahezu eins zu eins nachbildet, beträgt 0,4 Prozent pro Jahr.

Immobilienbesitz weltweit. Immobilien zählen langfristig zu den sichersten Anlageformen überhaupt. Doch auch Immobilieninvestments haben Nachteile und Risiken. Üblicherweise sind die Renditen aus Vermietung und Verpachtung nach Abzug aller Steuern, Instandhaltungs- und Verwaltungskosten nicht gerade berauschend. Die Wertentwicklung von Immobilien kann es zwar durchaus sein, aber sie verläuft in langsamen Zyklen und durchaus nicht immer nach oben. In den USA sind die Immobilienpreise gerade um dreißig Prozent nach unten gerasselt, in Ostdeutschland erlebten Immobilieninvestoren in den neunziger Jahren enorme Verluste. Gleichzeitig boomen die Immobilienmärkte zum Beispiel in Osteuropa oder in London. Aus der Sicht eines Investors wäre also die Streuung des Immobilienbesitzes auf verschiedene Immobilienmärkte das Ideale, um Risiko zu minimieren.

Dies ist tatsächlich auch mit kleinen Beträgen möglich, und zwar über fünf Immobilien-ETFs, die ein weltumspannendes Investieren ermöglichen. Axa Investment Managers brachten unter der Bezeichnung Easy ETF Epra Eurozone (WKN: A0ERY9) einen Titel auf den Markt, der die Wertentwicklung eines Korbes europäischer Immobilienaktien abbildet. Der größte ETF-Anbieter weltweit, Barclays Global Investors, offeriert derzeit unter der Markenbezeichnung iShares vier Immo-Titel. Zur Wahl stehen amerikanische, asiatische oder weltweite Immobilienveranlagungen und ein Titel, der global in Infrastruktureinrichtungen investiert (siehe Kasten).

Wie solche ETFs funktionieren, sei am Beispiel des Asien-ETFs von iShares illustriert. Investiert wird hier in zehn Immobilienaktien – von der australischen Westfield-Gruppe über die Hongkonger Sun Hun Kai Properties bis zum japanischen Nippon Building Fund. Es gibt keinen Aufschlag, und die ETF-Managementgebühr beträgt jährlich nur 0,59 Prozent. Seit Auflage des ETFs am 20. Oktober 2006 betrug die Performance 20,68 Prozent. Dazu gibt es vierteljährlich Dividendenausschüttungen.

Körbe voller Anleihen. EU-Staatsanleihen zählen zu den sichersten Investments. Im Grunde bedarf es für ein Investment in solche Obligationen weder eines Fonds, noch eines Zertifikats und auch keines ETFs. Wer dennoch, statt beispielsweise nur auf österreichische Bundesanleihen zu vertrauen, auf Titel mehrerer Länder setzen möchte, kann zwischen verschiedenen ETFs wählen. In unserer Tabelle finden Sie ETFs auf EU-Staatsanleihen mit Laufzeiten von drei bis fünf Jahren, sieben bis zehn Jahren oder Langläufer bis dreißig Jahre. Eine andere Variante wäre zum Beispiel ein inflationsgesicherter ETF auf US-Staatsanleihen in Dollar.

Wirklich Sinn machen Renten-ETFs vor allem im Segment der Unternehmensanleihen, die deutlich höhere Renditen erbringen, bei denen aber immer ein Ausfallsrisiko besteht. Mit einem solchen ETF investiert man also in einen ganzen Korb von Unternehmensanleihen und ist damit gut gesichert, denn die prozentuelle Ausfallsrate von Corporate Bonds liegt derzeit bei unter fünf Prozent.

Aktien von New York bis Tokio. Was früher undenkbar war, wird mit ETFs möglich: Anleger können ganze Aktienindizes kaufen, zum Beispiel alle österreichischen ATX-Unternehmen (ATX®EX), die wichtigsten deutschen Titel (DAX®EX), auf Wunsch auch mittlere (MDAX®EX) oder Technologietitel (TecDAX®EX, siehe Tabelle). Sie können mit einem Schlag alle Aktien der New Yorker Nasdaq erwerben (Nasdaq-100®EX) oder alle wichtigen japanischen Werte (Nikkei 225®EX). Auch die Indizes kleinerer Börsen wie etwa der Börse in Athen (Lyxor MSCI Greece) oder jener in Istanbul (Lyxor Turkey Titans 20) stehen zur Verfügung. Von Russland bis Brasilien wird es möglich, Aktien waschkorbweise zu minimalen Verwaltungsgebühren zu erwerben.

Das fast grenzenlose weltweite Indexsurfen schließt so wie beim alten Baron Rothschild cleveres Stockpicking keineswegs aus. Die neuen ETFs wirken eher wie ein Airbag, wenn der Investor einmal durch eigenes Verschulden oder durch wilde Börsenabstürze ins Schleudern kommt.

Wer es sich ganz einfach machen will, der kann neuerdings sogar auf einen ETF-Dachfonds setzen. Der brandneue Veritas ETF (WKN: 556 167) ist ein Korb der Körbe, ein aktiv gemanagter Sack voller ETFs. Keine schlechte Idee der in Frankfurt beheimateten Societe-Générale-Tochter Veritas SG. Der Service hat freilich, ganz entgegen der üblichen ETF-Philosophie, seinen Preis: Die Managementgebühr beträgt 1,5 Prozent jährlich, und zusätzlich zwacken die Frankfurter noch 15 Prozent vom Ertrag ab, so die Jahresperformance fünf Prozent überschreitet. So wie wir aus verlässlicher Quelle wissen, dass Katzen Whiskas kaufen würden, vermuten wir, wie Onkel Dagobert in Entenhausen entscheiden würde: Dagobert würde lieber selbst einen Schüppel ETFs kaufen und mit den ersparten Münzen in seinem Speicher baden.

Von Karl Riffert

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente