<small><i>Andreas Lampl</i></small>
Schluss mit der Gratis-Uni!

Österreich muss viel mehr Geld für die Hochschulen bereitstellen. Aber warum sollen dazu alle beitragen, nur nicht die Studenten?

Aus den Bundesländern kommt eher selten Reform­eifer. Auch diesmal hat der Sinneswandel von vier SPÖ-Landeshauptleuten, die sich Studiengebühren plötzlich prinzipiell vorstellen können, wohl eher innerparteiliche Gründe: nämlich den Kanzler auflaufen zu lassen, der bei seinem strikten Nein zu Uni-Beiträgen bleibt.

Aber sei’s drum. Die Front bröckelt. Wenigstens am Ende eines Jahres, das zu Recht im Zeichen der Bildungsdebatte stand, hat sich irgendwer bewegt. Die Diskussion wird sich auch innerhalb der Sozialdemokratie nicht mehr vom Chef abwürgen lassen. Und am Ende wird hoffentlich die Wiedereinführung von Studiengebühren herauskommen.

Eine Hoffnung, die nicht durch den Wunsch nach Rückbau des Sozialstaats motiviert ist, sondern durch den Wunsch nach einem international wettbewerbsfähigen System der höheren Bildung. Studiengebühren sind dafür aus mehreren Gründen unerlässlich. Sie stehen für den Leistungsgrundsatz, der ein solches System tragen muss.

Der Widerstand gegen Studiengebühren ist schon deswegen obsolet, weil er natürlich mitnichten ideologische Gründe hat, wie die SPÖ vorgibt. Die Abschaffung 2008 war ein Wahlzuckerl, sonst nichts – beschlossen bezeichnenderweise in jener Nacht, die uns auch andere grandiose, aber unfinanzierbare sozialpolitische Errungenschaften wie Hacklerregelung und 13. Familienbeihilfe eingebracht hat. Wenn nun weiter gegen Studiengebühren argumentiert wird, dann einzig und allein deswegen, um nicht als Umfaller dazustehen.

Die letzten Jahrzehnte haben ja gezeigt, dass die soziale Selektion an den Universitäten nichts mit Studienbeiträgen zu tun hat. Der über lange Zeit gebührenfreie Zugang hat nicht dazu geführt, dass der Anteil von Studierenden aus so genannten bildungsfernen Schichten rasant gestiegen ist. Dafür wäre die Grundlage durch bessere Förderung und Begeisterung in der Schule zu legen.

Es ist im Gegenteil so: Die fehlenden Gebührenmittel müssen mit Steuergeld kompensiert werden, was tendenziell eine Umverteilung von sozial schwächeren hin zu bessergestellten Familien bedeutet. Nicht einmal unter dem Schlagwort Verteilungsgerechtigkeit lässt sich also die Gratis-Uni rechtfertigen.

Viel wichtiger ist aber: Die österreichischen Hochschulen müssten mindestens um ein paar hundert Millionen Euro mehr bekommen, um ein ansprechendes Niveau erreichen zu können. Und es ist nicht einzusehen, warum jene, die davon profitieren, nicht einen kleinen Teil dazu beitragen sollen. Stattdessen nach einer Vermögensteuer zur Finanzierung zu schreien ist etwas zu billig.

Studiengebühren hätten wünschenswerte Lenkungseffekte: Sie würden den Druck auf bessere Angebote seitens der Universitäten erhöhen. Sie würden die Leistungsbereitschaft der Studenten anspornen – und eher die Unmotivierten als die sozial Schwachen selektieren. Österreich hat zwar vielleicht zu wenig Akademiker, aber nicht zu wenig Studierende. Die Quote derer, die es bis zum Abschluss schaffen, ist zu gering.

Das Stipendiensystem bietet Möglichkeiten zum sozialen Ausgleich genug. Zusätzlich könnten auch noch Modelle mit höheren Zuwendungen überlegt werden, ein Teil davon als rückzahlbare staatliche Darlehen. Und – auch wenn man dafür keinen Beliebtheitspreis kriegt: Man muss auch einmal aussprechen, dass die zukünftigen Eliten des Landes schon so viel Eigeninitiative unter Beweis stellen sollten, sich – wenn nötig – 60 Euro pro Monat (so viel betrug die abgeschaffte Studiengebühr) dazuzuverdienen.
Um ein herzeigbares Hochschulangebot auf die Beine zu stellen, muss die gesamte Volkswirtschaft – und natürlich auch der Student – mittun. Wenn der Staat das nicht schafft, wird sich Spitzenbildung zunehmend privat organisieren, in Elite-Universitäten, die dann wirklich eine harte soziale Selektion zur Folge haben. Man kennt das aus den USA. Aber auch hierzulande verstärkt sich der Trend zu privaten Bildungseinrichtungen. Siehe vor allem die Schule.

Vielleicht nimmt die ÖVP das Beispiel der SPÖ und das neue Jahr zum Anlass und bewegt sich zur Abwechslung mal in der Schuldebatte. Das angekündigte Bildungsvolksbegehren gibt die Linie vor: Politik raus, Leistungsprinzip rein.

lampl.andreas@trend.at

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