<small><i>Andreas Lampl</i></small>
Nicht nur Bares ist Wahres - im Gegenteil.

Der Spruch ist so legendär wie sein Erfinder: „Ein paar Milliarden Schulden mehr bereiten mir weniger schlaflose Nächte als ein paar hundert Arbeitslose mehr.“ Selten wurde er so oft zitiert wie gerade jetzt.

Doch Bruno Kreisky ließ sich 1979 in seinen mit tiefem Schlaf gesegneten Nächten wohl nicht träumen, mit welchen Summen dereinst hantiert würde: sechs Milliarden Euro für die Konjunktur in Österreich und ein 100-Milliarden-Paket für die Banken (das waren damals fast 1500 Milliarden Schilling). Die Deutschen reden von 500 Milliarden Euro, die Amerikaner von weit über 1000 Milliarden Dollar. Und der Irrwitz ist, dass wahrscheinlich wirklich nichts anderes übrig bleibt, als jetzt zu klotzen, damit wir nicht von der Rezession in die Depression verfallen.

Noch sind das irgendwie abstrakte Zahlen, aber irgendwann müssen wir ganz konkret zahlen. Was wird dann passieren? Die Finanzminister werden die Schuldenberge, die sie jetzt auftürmen, nicht einfach wieder abtragen können. Sie werden die Notenpressen in Gang setzen und unausweichlich die Inflation anheizen müssen. Denn nur durch Geldentwertung werden Schulden auf wundersame Weise immer kleiner. Die Zeche begleichen alle, die Geldvermögen besitzen: gleich ob Bares, Bausparvertrag oder Staatsanleihe. Mittelfristig wird die Inflation brutal zuschlagen.

Womit wir bei einem guten Argument wären, jetzt lieber Geld auszugeben. Wer eines hat, versteht sich. Auf längere Sicht sind Leute, die Geld horten, noch immer zum Handkuss gekommen. Es schadet nicht, sich gelegentlich eine nicht sehr originelle Binsenweisheit in Erinnerung zu rufen: Was man hat, das hat man. Einen ebenso erholsamen wie teuren Wellness-Urlaub in den Bergen oder die Designer-Sitzgarnitur fürs Wohnzimmer kann einem der Staat auch durchs Rauftreiben der Inflation nicht mehr wegnehmen. Außerdem bereitet Konsumieren bestimmt größere Freude als das Lesen von Sparbüchern. Ein schickes High-Tech-Fahrrad ist allemal toller als der alte Drahtesel – selbst wenn der es schon noch eine Zeit lang getan hätte.

So nebenbei hilft es der Wirtschaft und sichert ein paar Jobs ab. Wir können ohnehin nur beten, aber auch dazu beitragen, dass der private Konsum halbwegs stabil bleibt, sonst wird alles noch viel schlimmer. Übrigens spricht auch das momentane Preisniveau zahlreicher Produkte dafür, sich was zu gönnen: Nicht nur Autos sind zurzeit unglaublich günstig. Mancherorts wird von erstaunlicher Konsumfreude berichtet – trotz der Zukunftsangst vieler Bürger. Lokale Baumeister sprechen über wachsende Aufträge von Häuselbauern. Der Möbelhandel freut sich über steigendes Interesse, Geld in die Wohnungseinrichtung zu stecken. Und – besonders überraschend: Bei Kunsthändlern tauchen vermehrt Leute auf, die überlegen, in (vielleicht) bleibende Werte zu investieren.

Das hat bestimmt nichts mit der Angst vor einer künftigen Inflation zu tun, sondern damit, dass man sein Geld nicht mehr einer Bank und schon gar nicht einem Aktienfonds anvertrauen will. Viele Kunden sagen das auch explizit. Zu verdenken ist ihnen nicht, dass sie Finanzprodukten misstrauen, nachdem uns die unkontrollierbare Gier jener, die damit gespielt haben, den Schlamassel eingebrockt hat. Aber trotz aller Plädoyers für sinnvollen Konsum: Dass mit Finanzmärkten oder Finanzberatern kaum noch jemand was zu tun haben will, ist ein alarmierender Zustand – auch wenn uns im Moment das Sparen (volkswirtschaftlich) weniger nützt. Nicht nur in den USA, auch hierzulande hat der Staat viel zu nachlässig auf unser Geld aufgepasst. Wann, wenn nicht jetzt, will die Regierung den Anlegerschutz verbessern. Erfahrung damit, wie den Menschen das Geld aus der Tasche gezogen wird, hätten wir genug: Meinl, Immofinanz, AWD.

Die Finanzmarktaufsicht muss schleunigst ihren Kuschelkurs aufgeben und aggressiv auftreten. Sie braucht zudem schärfere Waffen: einen höheren Strafrahmen, der wehtut (nicht 100 oder 1000 Euro, wie jetzt üblich); die Möglichkeit, verhängte Sanktionen auch lautstark zu veröffentlichen; das Recht auf Hausdurchsuchungen. Und alle Anlageberater müssen unter die Zuständigkeit der Aufsicht fallen. In ihrem (lobenswerten) Eifer, den Konsum anzukurbeln, sollte die Politik darauf nicht vergessen. Wir werden auch die Börse noch brauchen.

lampl.andreas@trend.at

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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