<small><i>Andreas Lampl</i></small>
Lufthaua kann sich nur noch selbst helfen

Macht die AUA so weiter wie in den letzten Jahren, wird sie sich im Lufthansa-Konzern nicht durchsetzen können. Aber der Schock sitzt tief, auch bei den Betriebsräten. Das gibt Hoffnung, dass alles wieder gut wird.

Wie schwierig die Verhandlungen mit der störrischen EU-Kommissarin Neelie Kroes auch sind: Am Ende des Tages wird die AUA bei der Lufthansa landen. Die Bestürzung über das Ende der nationalen Airline ist erstaunlich schnell verflogen – die rot-weiß-rote Heckflosse bleibt ja erhalten. Die gleichen Politiker, die gleichen Boulevardblätter, die gleichen Stimmen aus dem Volk, denen noch vor neun Monaten ein Verkauf der AUA als nationale Katastrophe galt, vergleichbar höchstens mit dem Übertritt unserer Ski-Asse in das deutsche Team, die werfen jetzt plötzlich der Staatsholding ÖIAG vor, die Fluglinie viel zu spät privatisiert zu haben. Mir ham’s eh immer g’wusst.

Sei’s drum. Die AUA verdient ohnehin keine Trauer. Nur die 500 Millionen Staatshilfe sollen die Steuerzahler den Parteien ruhig nachtragen. Die wären zu vermeiden gewesen, hätte die Politik vor drei, vier Jahren den Mut aufgebracht, die Fluglinie sanft bei einem Partner landen zu lassen.

Jetzt kriegen wir eine Lufthaua. Die wird kleiner sein als die Staatsaua, aber besser als gar nichts. Und nachdem sich alle patriotischen Emotionen erübrigt haben, interessiert nur noch eine einzige Frage: Wohin werden Österreicher noch direkt fliegen können? Klar, die Zahl der angebotenen Verbindungen aus Wien wird sinken. Doch wenn die Lektionen aus den vergangenen 15 Jahren Dahinwurstelei endlich gelernt wurden, dann bleibt so viel übrig, dass der Wirtschaftsstandort nicht zusammenbricht.

Ob die Lufthaua zum reinen Zulieferer verkommt, der den großen Kranich mit Passagieren füttert, oder ob die Österreicher ein eigenes Netz verteidigen können, das hängt zum überwiegenden Teil von ihnen selbst ab. Sobald 100 Prozent des AUA-Ergebnisses in die Bilanz der Lufthansa fließen, ist es für die Deutschen ganz egal, ob die Mutter oder die Tochter auf einer Strecke Geld verdient (oder verliert). Kann die AUA ihre Dienstleistung günstiger produzieren, dann wird ihr das Management in Frankfurt gewisse Bereiche lassen – vor allem den für Österreich so wichtigen Verkehr nach Osteuropa.

Die nötige Kompetenz hat die AUA zweifellos. Aber sie kämpft mit einem gravierenden Handicap: Der Heimmarkt ist zu klein. Der reicht für Direktflüge von Wien nach Brüssel, London, Paris oder vielleicht New York. Für ein Netzwerk ist man allerdings mehr als andere Airlines auf Transferpassagiere und damit auf die Lufthansa angewiesen. Weshalb die AUA in ihren Nischen effizienter als die Mutter sein muss.

Die Heineken-Tochter Brau Union, die UniCredit-Tochter Bank Austria oder Siemens Österreich beweisen, dass sich heimische Unternehmen in internationalen Konzernstrukturen sehr wohl durchsetzen und ihre Position halten können.

Macht die AUA so weiter, wie sie seit den neunziger Jahren agiert hat, dann schafft sie das nicht. Doch der Schock sitzt tief. Das macht Hoffnung. Der Staat ist draußen. Die Airline kann als ganz normales Unternehmen neu starten. Die jetzt agierenden AUA-Vorstände sind weitgehend unbelastet von der unrühmlichen Vergangenheit. Auch die Belegschaft und ihre Vertreter scheinen umzudenken. Bis vor Kurzem haben es die Betriebsräte nicht einmal ignoriert, wenn ihnen vorgerechnet wurde, dass großzügige Arbeitszeitregelungen und allerlei Vergünstigungen aus alten Betriebsvereinbarungen auf dem Markt nicht mehr verdient werden können. Bei jeder Gelegenheit wurde mit Streik gedroht. Nach der Übernahme der Lauda Air wurde dort ein höherer Kollektivvertrag durchgeboxt, der dabei ist, die Charter- Tochter zu ruinieren. Schwache Vorstände beschränkten sich auf Durchhalteparolen, wurden aber auch oft genug von der Politik im Regen stehen gelassen, wenn wieder einmal die Gewerkschaft bei der Regierung antanzte.

Wahrscheinlich verfolgen die Betriebsräte Niki Lauda deshalb bis heute mit Hass, weil er lange vorhersagte, was der AUA passieren werde, einfach indem er eine simple Wahrheit aussprach: Wer lange teurer produziert, als es die Marktpreise erlauben, der stürzt irgendwann ab.

Mittlerweile scheint mehr Realismus eingekehrt zu sein. Lufthansa-Boss Wolfgang Mayrhuber hat die Querelen mit der EU geschickt genutzt, um der AUA harte Sparpakete abzuverlangen. Zuletzt musste nochmals eine Senkung der Personalkosten um 150 Millionen Euro akzeptiert werden. 1000 von 8000 Stellen werden auf jeden Fall abgebaut. Mindestens 500 weitere werden noch folgen. Die Personalvertreter haben erstaunlich professionell auf den Sanierungskurs reagiert. Sie wissen jetzt: Es ist die allerletzte Chance für die Airline.

Die Österreicher werden sich auch mit einer Lufthaua anfreunden, wenn es deren Crew schafft, durch ihre Leistungen dem Land ein anständiges Flugangebot zu erhalten.

lampl.andreas@trend.at

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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