<small><i>Andreas Lampl</i></small>
Frau Generaldirektor

Frauen haben selbstverständlich geringere Chancen auf Spitzenjobs in der Wirtschaft. Eine Frauenquote wäre ein akzeptables Symbol. Nicht mehr – und nicht weniger.

Werden Unternehmen mehr verdienen, wenn mehr Frauen es ins Top-Management schaffen? Nein. Wird die Wirtschaft anders funktionieren, wenn das weibliche Element gestärkt wird? Nein. Werden Aufsichtsräte mit einem höheren Frauenanteil besser arbeiten? Nein.

Brauchen wir in Österreich also eine Frauenquote in der Wirtschaft? Ja.
Zumindest brauchen wir eine Debatte darüber, so wie auch die Diskussion über verpflichtende Frauenquoten in Aufsichtsräten und Vorständen deutscher Konzerne schon heftig geführt wird. Wir brauchen Signale, wie sie Wirtschaftsminis­ter Reinhold Mitterlehner angekündigt hat: dass der Staat in Betrieben, wo er als Gesellschafter Mitsprache hat, Quoten vorgeben will – oder dies wenigstens ankündigt.

In privaten Unternehmen scheiden gesetzliche Vorschriften zwar aus, denn woher nähme der Staat das Recht, sich in Eigen­tümerfragen einzumischen? Aber die öffentliche Hand muss alles tun, um das Thema Chancengleichheit am Kochen zu halten – inklusive Vorbildwirkung im eigenen Einflussbereich.

Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Es ist schlicht an der Zeit, den gesellschaftlichen Wandel der Geschlechterrollen auch in den Führungsebenen der Wirtschaft abzubilden. Es schadet gar nicht, wenn etwas nachgeholfen wird, die tradierten Verhaltensmuster zu ändern: Männer, die gewohnt sind, nur mit Männern zu schalten, hieven bevorzugt wieder nur Männer an die Schalthebel. Deshalb sind Frauen tatsächlich benachteiligt.

Es geht nur um den Schritt zur Normalität, bei Weitem um keine ideologische Revolution. Ein akzeptabler Frauenanteil würde sich auch ganz von selbst entwickeln – zumal es sich die Wissensgesellschaft immer weniger leisten kann, Talente brachliegen zu lassen. Ohne sanften Druck würde das aber längere Zeit brauchen, weil eben Männer zumeist die Auswahl treffen. Und so nebenbei ist es auch kein Nachteil, wenn die großen Strippenzieher-Netze, hierzulande etwa Raiffeisen oder Industriellenvereinigung, ein paar Löcher bekommen.

Natürlich kann man einwenden, dass Qualifikation zählt und nicht das Geschlecht. Aber: Setzen sich jetzt ausnahmslos die fähigsten Männer durch? Der Prozentsatz, der die Karriere Freunderlwirtschaft oder Zufall verdankt, wird bei Frauen nicht höher sein. Darum glaube ich auch, dass Bedenken mancher erfolgreicher Frauen, Quoten könnten ihre eigene Leistung in schlechterem Licht erscheinen lassen, übertrieben sind.
Und dass sozialpolitische Rahmenbedingungen wichtiger sind als jede Quote, versteht sich sowieso von selbst: Kinderbetreuungseinrichtungen, Ganztagsschulen, Väterkarenz.

Außer dem Abbau unsichtbarer Barrieren (in den Köpfen der Männer) sind alle anderen Argumente für Frauenquoten Humbug. Unternehmen werden nicht profitabler, obwohl es Studien gibt, die sagen, dass sich proportional zur Zahl der Managerinnen auch die Performance verbessert – und
obwohl das weniger eindimensionale und hierarchiefixierte weibliche Denken selbstverständlich ein Gewinn sein kann.

Die Wirtschaft würde auch nicht weniger profitorientiert, wie einige Linke hoffen. Der Glaube, die Finanzkrise wäre verhindert worden, würden nicht 99 Prozent Männer im US-Finanzsystem das Sagen haben, ist bestenfalls naiv. Gerade in Amerika stehen Top-Managerinnen wie Meg Whitman ihren männlichen Kollegen an Härte nicht nach. Und in Norwegen, wo es eine Quote gibt, bekleiden nur 70 Frauen, die längst zum Establishment zählen, 300 wichtige Aufsichtsratsmandate.

Ist die Politik besser geworden, seitdem dort mehr Frauen Funktionen bekleiden? Bunter ja, und abwechslungsreicher. Aber nach wie vor hemmt der Machterhaltungstrieb politischer Parteien den Fortschritt. Das ist keine Geschlechter-, sondern eine Strukturfrage.

Auch die Arbeit von Aufsichtsräten wird nicht automatisch an Qualität gewinnen, nur weil ein paar Frauen drinsitzen. Vielleicht gäbe es etwas weniger Verhaberung, aber dazu müsste man eigentlich die Zahl der Golf-, Jagd- und Rotary-Freunde limitieren. Und vor allem müsste man die Verantwortung des Kontrollgremiums gesetzlich strenger fassen.
Frauen sind nicht besser als Männer, aber eben ganz sicher auch nicht schlechter.

lampl.andreas@trend.at

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