<small><i>Andreas Lampl</i></small>
Boni Kaiser Strudelteig

Ist es gerecht, dass Brad Pitt 20 Millionen pro Film verdient? So sinnlos wie diese Frage ist der Streit um Manager-Boni. Die Reform des Finanzsystems braucht andere Regulative.

Die Diskussion um Boni-Kaiser zieht sich wie Strudelteig von Toni Kaiser. Und wird ebenfalls immer dünner. Beim G20-Weltwirtschaftsgipfel Ende September in Pittsburgh stritten wieder einmal ein paar der einflussreichsten Menschen der Welt, ob die Bezahlung für Manager gesetzlich begrenzt werden darf. Und wenn ja, wie. Vor allem deutsche Politiker diverser Couleurs haben sich dem Kampf gegen „sittenwidrig hohe Boni“ (Finanzminister Peer Steinbrück) verschrieben. Aber auch österreichische Sozialdemokraten vermitteln zuweilen den Eindruck, es genüge, die Prämien der Bosse zu kappen, um über Nacht Wohlstand für alle zu schaffen.

Das ist natürlich Unsinn. Die Gehälter von Managern zu reduzieren würde die Mechanismen der Marktwirtschaft genauso wenig ändern, wie die Herabsetzung der Schauspielergagen aus Hollywood keinen Hort des engagierten Kunstfilms machte. Abgesehen davon: Wer soll die Höhe festlegen, wenn nicht die Eigentümer eines Unternehmens, die bezahlen?

Und wie definiert sich sittenwidrig? Klar drängt sich hart arbeitenden Angestellten die Frage nach der Gerechtigkeit auf, wenn ein – womöglich mäßig erfolgreicher – Chef 15 oder 50 Millionen Bonus kassiert. Aber ist es gerecht, dass Brad Pitt über 20 Millionen Dollar pro Film bekommt, dass man USOpen- Sieger Juan Martin del Potro 1,6 Millionen für zwei Wochen Tennis spielen bezahlt oder dass Hansi Hinterseer so viel Geld verdient, obwohl er nicht besser singen kann als so mancher Hobby-Bandleader? Schon die Frage ist sinnlos. Wer es ganz nach oben schafft, kriegt ein unverhältnismäßig größeres Stück vom Kuchen (oder vom Strudel). Das war auch im Kommunismus so, nur viel verlogener. Von anderen Formen staatlicher Diktatur ganz zu schweigen. Über diese Ungerechtigkeit kann man sich lebenslang ärgern. Macht aber krank und nützt nichts.

Die Staaten könnten bestenfalls versuchen, Boni ab einer bestimmten Sittenwidrigkeitsstufe wegzubesteuern, sagen wir zu 90 Prozent. Das müssten dann nur alle tun. Immerhin wäre es aber kein direkter Eingriff in Unternehmensentscheidungen, sondern quasi ein nachgelagerter, wie es jede – vielfach notwendige – Umverteilung ist.

Ansonsten kann zum Beispiel Folgendes passieren: Der neue Chef der Bank Austria beklagt, dass die Fixkosten steigen, weil seine Investmentbanker wegen der Boni-Diskussion ein höheres Grundgehalt haben wollen.

Worum geht es denn? Dass Manager nicht unkalkulierbare Risken eingehen, um kurzfristig hohe Gewinne zu erzielen, von denen sie dann ihre fetten Prämien bekommen, und den angerichteten Schaden zahlt später die Allgemeinheit. Dieses Ziel ist durch eine gesetzliche Deckelung von Gagen aber nur sehr unzulänglich zu erreichen. Dazu braucht es andere legistische Regeln. Erstens: transparente Bankbilanzen. Wer Risken nicht mehr in Sondervehikeln verstecken kann, wird sie auch nicht mehr so leichtfertig eingehen. Zweitens: die Vorschreibung eines viel höheren Eigenkapitalanteils für diverse Finanzgeschäfte. Viele Spekulationen werden dann nicht mehr gemacht, weil sie sich einfach nicht mehr rentieren. Eine Ausrichtung auf langfristigen Unternehmenserfolg kommt dann automatisch. Da ist in Pittsburgh nicht viel weitergegangen.

Darüber hinaus müssten noch die Spitzengehälter selbst viel transparenter sein. Die Gesetzgeber könnten den Prüfauftrag der Finanzaufsichtsbehörden auf Manager-Bonifikationen ausdehnen. Nicht um Höhen festzulegen, sondern um – so wie beim Risikoportfolio – zu checken, ob die Bedingungen für die Boni mit dem Geschäftsmodell im Einklang stehen. Auch die Verpflichtung wäre denkbar, Spitzenverdienste in der Bilanz detailliert offenzulegen: wie alle anderen Kennzahlen, die für die Beurteilung eines Unternehmens relevant sind. Dann käme noch das Korrektiv von Kunden, Lieferanten und Anlegern dazu. Zumindest bei börsennotierten Firmen müsste das möglich sein (und andere können nicht so viel Schaden anrichten). Für Boni-Kaiser wäre das Leben dann rasch weniger süß.

Und noch etwas: Niemand hindert Regierungen, die einer Bank Staatshilfe gewähren, sich dabei Eigentümerrechte zu sichern, um in Boni-Fragen mitreden zu können, bis das Geld zurückgezahlt ist.

lampl.andreas@trend.at

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