<small><i>Andreas Lampl</i></small>
Bildung als Selbstbedienungsladen

Mehr Geld für Bildung muss her. Da haben die Studenten Recht. Mit ihrer Ablehnung von Studiengebühren nicht: Weniger als fünf Prozent Eigenleistung für eine Investition in ihre Zukunft sind zumutbar.

Es gibt ein Menschenrecht auf Bildung. So argumentieren gar nicht so wenige Studenten ihre Forderung, die öffentliche Hand möge ihnen ohne Wenn und Aber Ressourcen an den Universitäten zur Verfügung stellen.

Warum soll diese komfortable Funktion des Staats als Selbstbedienungsladen eigentlich mit dem Abschluss eines Studiums enden? Es gibt auch ein Menschenrecht auf Arbeit. Daraus lässt sich vielleicht ableiten, dass auch ein Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt werden muss, und zwar nicht irgendein Job, sondern der gewünschte.

Muss also der Staat Verlage gründen, wenn ein paar tausend Publizistik-Master gerne publizieren würden? Muss das Parlament die Parteienförderung anheben, weil plötzlich Hundertschaften von Politologie-Absolventen ihre Berufung für Parteipolitik erkennen? Müssen die Lehrpläne geändert werden, wenn aus noch zu klärenden Gründen ein Run auf das Altgriechisch- Lehramt einsetzt? Oder muss die Münze Österreich ein Forschungsinstitut ins Leben rufen, um studierten Numismatikern eine bessere Perspektive zu bieten?

Um Missinterpretationen gleich vorzubeugen: Ich bin so wie diejenigen Studenten, die seit Wochen gegen unzulängliche Studienbedingungen protestieren, der Meinung, dass der österreichische Staat noch erheblich mehr Geld für Bildung ausgeben muss (auf Kosten anderer öffentlicher Ausgaben). Qualifikation ist im Wettbewerb innerhalb von Wissensgesellschaften die Existenzgrundlage. Eine zusätzliche Milliarde Euro wäre im Bildungssystem bei Weitem besser investiert als beispielsweise zur Stützung einer ineffizienten ÖBB-Struktur.

Die Studenten haben auch jedes Recht, ihren nachvollziehbaren Unmut über die Verhältnisse lautstark zu äußern oder Hörsäle zu besetzen. Kein Problem. Das große Aber: Es mischen sich zunehmend eigenartige, ideologisch verbrämte Parolen in die Kampfesrufe. Verklausuliert wird „selbstbestimmtes Studieren“ gefordert – oder auch ganz offen: „Studium ohne Leistungsdruck“. Jede Art von Zugangsregelung gilt als Frontalangriff gegen die Freiheit der Bildung.

Das hat nichts mehr mit dem Wunsch nach einem verbesserten und professionelleren System zu tun, geht in die ganz falsche Richtung und schadet der Sache der Jungen. Mehr Geld für Bildung muss im Gegenteil mit erhöhter Effizienz der eingesetzten Mittel und mit einer rigorosen Qualitätskontrolle (für Lehrende und Studierende) einhergehen.

Die Ressourcen für eine Studienrichtung haben immer irgendwo ihre Grenze. Deshalb muss es auch bei unbeschränktem Zugang ein Regelsystem geben, das sicherstellt, dass sich die Begabtesten, Kreativsten, Ernsthaftesten, Fleißigsten und Engagiertesten für die vorhandenen Plätze qualifizieren – jene, die in Kombination die besten Voraussetzungen für ein Fach mitbringen. Und wenn, wie etwa in der Publizistik, der Ansturm besonders groß ist, dann wird der Preis, im Sinne der nötigen Anstrengung, eben höher – wie überall, wo die Nachfrage das Angebot übersteigt. Bildung ist nicht nur ein ideeller Wert, sondern auch ein materieller: Bildung bringt in den meisten Fällen höhere Einkommen und erhöht die Chancen auf ein angenehmes Leben. Eine (Gegen-)Leistung dafür zu verlangen, ist also legitim. Wer die unlimitierte Zuteilung begrenzter Ressourcen für sich verlangt, tut das automatisch auf Kosten von anderen.

Auch Studiengebühren sind alles andere als eine Zumutung. Sie regen Eigenverantwortung und Ernsthaftigkeit an. Nicht einmal fünf Prozent der Kosten für ein Universitätsstudium machen diese Gebühren aus (so sie wieder eingeführt werden). Wer nicht bereit ist, diese geringe Eigenleistung zu einer Investition in seine persönliche Zukunft beizutragen, der muss sich den Vorwurf der Ignoranz gefallen lassen. Okay, die Gesellschaft profitiert auch, aber die zahlt ohnehin 95 Prozent. Jemand, der sich für fähig hält, ein Universitätsstudium zu absolvieren, sollte sich auch zutrauen, 60 Euro pro Monat dafür verdienen zu können. Entweder schon während des Studiums oder danach, indem er ein günstiges Darlehen zurückzahlt. Stipendien sollten nur ein Netz für wirkliche Härtefälle sein.

Dass durch Studiengebühren und Zugangsregeln die Bildung zur Ausbildung verkommt, ist schlicht Unsinn: Es gab schon vor 20 Jahren viel mehr Leute, die ohne jede Bildung einen Hochschulabschluss schafften, als Leute, deren Bildungsanspruch am Uni-System scheiterte.

lampl.andreas@trend.at

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