Alpenkaiser und Menschenfreunde: Wer in Wintersportorten den Ton angiebt

Wer in Kitzbühel, Sölden, am Arlberg und den anderen großen Wintersportorten den Ton angibt und die Touristen dirigiert.

Ihre Großväter haben noch selber Liftstützen gesetzt, Stahlseile gespannt und, wenn Not am Mann war, auch den Liftbügel für die Skifahrer von der Seilrolle gezogen. Sie haben über unwegsame Pfade den Bau von Hotels und Pensionen organisiert. Und so entstanden nach dem Krieg am Arlberg, in den Zillertaler oder den Kitzbühler Alpen Österreichs berühmteste Wintersportorte. Später übernahmen meist Länder und Gemeinden die Skigebiete, denn die Kosten für modernere Lifte, breitere Pisten, bessere Präparierung und immer mehr Beschneiungsanlagen überstiegen meist die finanzielle Kraft der Pioniere. Doch ein paar Gründerfamilien geben in Österreichs Wintersportzentren weiterhin den Ton an. Die junge Generation ist jetzt am Zug und investiert in Dinge, die sich ihre Großväter damals nicht vorstellen konnten: beheizte Sessellifte, Hotelsuiten mit 400 Quadratmetern oder Events, bei denen Hubschrauber zum Einsatz kommen. Ein Leseslalom durch Österreichs Top-Unternehmer im Alpenbusiness.

Liftmulti
Heinrich Schultz, Zillertal

„Diese Pseudojodlerei geht mir auf den Geist“, sagt Heinrich Schultz. Auf seiner Kristallhütte im Skigebiet Hochfügen-Zillertal plätschern daher groovige Jazzklänge über die Terrasse, wo man – in Lammfelle gehüllt – auf Deckchairs aus Teakholz in die Sonne blinzelt. Schultz managt nicht weniger als sechs Skigebiete: im Zillertal, in Matrei, in Kals, im Hochpustertal, im Mölltal, auf dem Ankogel in Mallnitz. Er betreibt ein eigenes Reisebüro und die Wohnbaufirma Schultz, die im Zillertal mit 1500 Wohnungen die größte Bauträgergesellschaft ist. Auch die Restaurants und Hütten in seinen Skigebieten gehören ihm. Rund 80 Millionen Euro setzt er damit jährlich um. 500 Mitarbeiter beschäftigt er im Schnitt, im Winter sogar 700. Schultz sagt, er hat gerne selber alles in der Hand: „Dann kann ich ein komplettes Resort gesamtheitlich entwickeln, wo Hotel, Skiverleih, alles nahtlos ineinandergreift.“ Jahrelang versuchte er auch, die notwendigen Gründe für einen Golfplatz (er selber spielt nicht) zusammenzubekommen. Obwohl es dafür 200.000 Nächtigungen für die Genehmigung braucht. Die hat das Gebiet zwar nicht, aber Schultz hat jetzt trotzdem die Genehmigung und 60 Hektar Grundfläche für einen 18-Loch-Platz. Schultz pflegt beste Kontakte zur Politik, sogar zur deutschen. Bundespräsident Horst Köhler ist Stammgast auf der Kristallhütte, und auch Bundespräsident Heinz Fischer genießt das Ambiente. Nur in zwei Skigebieten ist Schultz nicht der alleinige Herrscher: Am Mölltaler Gletscher und am Ankogel ist Hans-Peter Haselsteiner über die Strabag mitbeteiligt. „Aber die Partnerschaft klappt gut“, sagt Schultz. Seinen Hang zum Ganzheitlichen komplettiert seine Frau Martha: Sie organisiert mit Niki Lauda und Echo Media Tagesausflüge per NIKI-Jet ins Skigebiet (www.flugzumschnee.at). Sein größtes Projekt hat Schultz erst vor Kurzem eröffnet (35 Millionen Investitionsvolumen): das Großglockner-Resort, in dem er die Skigebiete von Kals und Matrei miteinander verbunden hat. Natürlich gibt es auch dort am Gipfel eine perfekte Hütten-Location: garantiert jodelfrei, dafür mit Blick auf über 30 Stück 3000er.

Querschneedenker
Günther Aloys, Ischgl

Günther Aloys ist ein Mann, dessen weit verzweigte Art zu denken sich schwer in die engen Täler der Alpen einfügen lässt. In der 1500-Seelen-Gemeinde Ischgl schätzt ihn nicht jeder. Auch wenn er viel dazu beigetragen hat, dass der Ort nun mit 1,4 Millionen Nächtigungen eines der erfolgreichs­ten Skigebiete Österreichs ist. „Die Zukunft zu machen ist ­schwierig“, sagt er, und man kann sich vorstellen, dass solche Worte bei aller Bauernschläue im Ort manch Kopfschütteln provozieren. Der Besitzer der Hotels Elisabeth und Madlein, zwei der größten und teuersten Herbergen des Ortes, hat Ischgl zur Marke gemacht, indem er Events der Superlative initiierte: Elton John im Schnee zum Singen brachte oder Paris Hilton ein paar Schlückchen Prosecco aus der Dose nippen ließ. (Der Bau eines Hotels durch den Stararchitekten Sir Norman Foster wurde von der Gemeinde abgelehnt.) „Man muss immer Projekte im Kopf haben“, sagt Aloys. In seinem neuesten, noch geheimen träumt er von Pamela Anderson. Aloys: „Ich plane einen Snowboard Funpark, der die Formen von Pamela Anderson hat, und ich hoffe, dass sie auch zur Eröffnung kommt.“ Doch Ischgl ist nicht nur eine Event-Location. In dem idyllischen Alpendorf verschwinden Autos in dem gigantischen Tiefgaragensystem, und Skifahrer werden unterirdisch auf Laufbändern zu den Talstationen der Lifte transportiert. Hannes Parth, Vorsitzender der Silvretta Seilbahn AG, managt das reibungslose Funktionieren der Skiinfrastruktur des Ortes. Sie gehört zwar seit 1963 den Bauern der Region, macht jährlich rund 40 Millionen Euro Umsatz und verdient gutes Geld, hat aber noch nie eine Dividende ausgeschüttet. Natürlich ist Ischgl ein Ort für die Massen. Dennoch steht hier Österreichs einziges Fünfsternehotel, das es dank der Küche von Martin Sieberer auf drei Gault-Millau-Hauben bringt: das Trofana Royal. Zum Rummel von Ischgl schweigt dessen Besitzer Johann van der Thannen geflissentlich, meint nur vornehm lächelnd: „Auch unser Haus ist eine wohldurchdachte Komposition.“

Der Schneemonopolist
Arnold Werner Pucher, Nassfeld

„Uns fehlen Betten. 1000, 2000, ja sogar 3000 könnten wir locker gebrauchen. Ich würde jeden, der bereit ist, hier am Nassfeld Hotels zu bauen, dabei unterstützen.“ Arnold Werner Pucher, der unumschränkte Herrscher am Kärntner Nassfeld, sieht keine Krise; für sein Skigebiet schon gar nicht. Das Nassfeld ist sein Gebiet. Er hat es 1962 mit seinem Vater entdeckt. „Wir sind da auf einer schmalen Straße hinaufgefahren, auf der sie im Ersten Weltkrieg einen Mörser nach oben gebracht haben, um nach Italien zu schießen. Und am Gipfel war nichts, nur Unmengen von Schnee. Da haben wir gewusst, das ist ideal. Da haben wir dann zuerst ein Hotel und später einen Skilift gebaut. Der war 300 Meter lang und ist von einem VW-Motor angetrieben worden.“ Heute sind die Gipfel des Nassfelds von 30 Liftanlagen erschlossen. Die Sitzflächen der Sessellifte sind beheitzt, und um fünf Euro bekommt man in zehn Minuten ein komplettes Skiservice. Der größte Teil der Liftanlagen gehört der Bergbahn Nassfeld Pramollo AG, an der die Hypo Alpe-Adria und die Kärntner Tourismus Holding die Mehrheit haben. Pucher selber hält immer noch 17 Prozent und ist der Geschäftsführer. Puchers Wunsch nach mehr Betten hat einen guten Grund: Auf der Madritsche, dem Gipfel des Nassfelds, wo die meisten Skifahrer starten, ist die Hotelluft tatsächlich dünn. Das Cube-Design-Hotel von Rudolf Tucek, das speziell auf jugendliche, partytaugliche Gäste ausgerichtet ist, liegt im Tal. Genauso das gediegene Hotel Carinzia der Familie Falkensteiner. Der Gipfel selbst ist fest in Händen der Familie Pucher. Das Hotel Sonnenalpe wird von Sohn Michael geführt. Sohn Arnold hat das erste Haus am Platz, das Wulfenia, zum Haubenlokal emporgekocht. Und natürlich gehören auch die sechs Skihütten von der Rudniggalm bis zur Noldi-Stuben den Puchers; um die kümmert sich Ehefrau Elfriede. Arnold Werner Pucher selber kümmert sich am liebsten um sein Skigebiet und blickt nach Italien hinunter. Pucher: „Es bietet sich ja geradezu an, dass man in Pontebba von der Autobahn abfährt und dann gleich mit einer Seilbahn aufs Nassfeld kommt. Dieses Projekt würd mich noch reizen.“

Schnee mit Stil
Klaus Hoch, Oberlech

Am Arlberg ist der Verweil in den Alpen noch eine wirklich edle Angelegenheit. Wurde doch Mausi Lugner wegen ihres eher undezenten Auftritts dort einmal des Hotels verwiesen. Und selbst Altkanzler Franz Vranitzky musste den Platz in der Tennishalle wieder verlassen, weil er ihn nicht ordnungsgemäß gebucht hatte. Die Granden der Orte Lech, Oberlech, Zürs oder St. Christoph wollen auch, dass das so bleibt. Klaus Hoch stammt aus einer der alteingesessenen Gründerfamilien. Aber er hat sich seinen Platz hart erkämpft: „Ich war 20, als mein Vater starb und ich das Hotel Sonnenburg in Oberlech übernehmen musste.“ Und um nicht nur sein Haus, sondern auch die Region voranzutreiben, hat er mit dem Skiliftbau begonnen. Weil: „Ich habe immer versucht, das Ganze zu sehen, die Infrastruktur, die Gastronomie und das Gebiet.“ Heute ist er deshalb nicht nur einer der führenden Hotelbesitzer, sondern auch Miteigentümer der Bergbahnen Lech-Oberlech. In den sechziger Jahren wurde der Arlberg dank der Aufbauarbeit vieler ansässiger Familien das Skigebiet der gekrönten Häupter. Aber die Zeiten haben sich gewandelt. Die Nachfolger der großen Arlberger Hoteliersfamilien wie Hoch, Werner, Pfefferkorn oder Skardarasy versuchen, so gut wie möglich den Wandel zu schaffen, ohne die Wurzeln zu verlieren. Und, so meint Florian Werner, Sohn des legendären Adi Werner, Besitzer des Hospiz in St. Christoph: „Wir pflegen das Altehrwürdige und integrieren die neueste Technik.“

Der Checker
Jakob Falkner, Sölden

Sölden hat eine Sonderstellung unter den großen heimischen Skigebieten – durch seine natürliche Höhe (bis über 3000 Meter) und die Anbindung an zwei Gletschergebiete. „Deshalb stehen wir für Sport”, sagt Jakob Falkner, den alle nur Jack nennen. „Wir können ja schon Ende Oktober in Sölden den Weltcupauftakt veranstalten.“ Die Familie Falkner besitzt das Fünfsternehotel Central und ist Hauptgesellschafter der Skiliftgesellschaft Sölden-Hochsölden, Jack ist der Geschäftsführer und die treibende Kraft der Region. „Der Gast muss ein komplettes Angebot bekommen, bei dem alles stimmt.“ Sölden bietet einiges, was in anderen Wintersportorten nicht zu sehen ist. Nachtskilauf und ein Konzert von DJ Ötzi – gut und schön; aber ein einwöchiges Gay Snow Happening Ende März, wenn es schön warm ist, haben nur wenige Orte im Programm. Und um die Saison noch zu verlängern, wird Anfang April das Event-Spektakel Hannibal geboten. Eine Multimedia-Aufführung, die Hannibals Überquerung der Alpen in einer irrwitzigen Choreografie mit Pistenbullis, Helikop­tern, Skidoos, Motocrossmaschinen, Fallschirmspringern und natürlich Skiläufern in 3000 Meter Seehöhe zeigt. An derlei Attraktionen hat Hans Falkner, Jacks Vater, sicher nicht gedacht, als er 1955 die Anteile am einzigen Lift der Gegend übernommen hat, weil er als gut verdienender Viehhändler und Bäcker eine steuerliche Absetzmöglichkeit brauchte. Als er an diesem Skilift dann auch noch die Familien Riml und Gurschler beteiligte, war damit der Grundstein für den wirtschaftlichen Aufschwung Söldens gelegt. Die drei Familien sind heute die größten Player in Sölden. Jack Falkner, der auch an Skihallen in Deutschland beteiligt ist, zieht es oft ins Ausland, um zu beraten und um sich selbst neue Anregungen zu holen. Er sagt nicht ohne Stolz über den österreichischen Wintertourismus: „Wir sind im Vergleich zu den meisten europäischen Skigebieten um vieles weiter – und trotzdem günstiger.“

Der Stadtanwalt
Christian Harisch, Kitzbühel

Kitzbühel kennt jeder: Hahnenkammrennen, Hansi Hinterseer, Toni Sailer, „Soko Kitzbühel“ ... Und die Promis natürlich: Niki Lauda, Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Grasser und Fiona Swarovski. Und die Top-Manager: Boris Nemsic oder Karl Stoss; die Sportgrößen wie Boris Becker oder Ralf Schumacher; deren Coras, Babsis und weiß Gott was für Mädels ... Lauter freiwillige Werbeschauspieler, die für die Gamsstadt in den Adabei-Kolumnen immer fröhlich beschwingt antanzen (nur Hansi Hinterseer hat mit der Gemeinde einen Werbevertrag). Christian Harisch hingegen kennen nur wenige. Sein Hauptberuf ist Anwalt – aber er ist auch der Tourismusobmann von Kitzbühel, Besitzer der beiden Luxushotels Schwarzer Adler und Weisses Rössl, und er hat einen nicht unbedeutenden Anteil am Funktionieren der 8500 Einwohner großen Gemeinde. Trotzdem sagt er über den Erfolg von Kitzbühel höchst diplomatisch: „Die Gemeinde, der Tourismusverband und die Bergbahnen sind eine starke Einheit.“ Da verwundert es schon wieder weniger, dass Harisch auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei der Bergbahnen AG ist. Vor fünf Jahren hatte Kitzbühel nur ein einziges Fünfsternehotel – jetzt zählt es deren sechs. Und es gibt in Kitzbühel die mit 370 Quadratmetern größte Hotelsuite Österreichs – sie ist natürlich auch die teuerste und kostet die Kleinigkeit von 58.800 Euro pro Woche. Für Interessenten und Neider: Sie ist eine der vier neu gebauten Harisch-Suiten. Kitzbühel ist aber auch eine von Unternehmern geprägte Stadt: Sportalm Mode ist der größte Arbeitgeber der Region. Und beim Ausverkauf von Frauenschuh im riesigen Zelt auf dem Parkplatz vor dem Kitzbüheler Tennisstadion prügeln sich die Damen der Schickeria um verbilligte 1000-Euro-Fetzen. Christian Harisch geht lieber Skitouren. Zuletzt eine, die ihn von Kitzbühel nach Saalbach-Hinterglemm geführt hat. Das macht den Kopf frei für Neues: „Die Kitzbüheler Alpen zusammen mit Saalbach, Zell am See, Kaprun und Mittersill zu vermarkten, das wäre eine Vision.“

Von Thomas Martinek

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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