Aktieninvestment

Vermögen entstehen nicht am Sparbuch, sondern an Fließbändern und in den Geschäftsführungsetagen erfolgreicher Unternehmen. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Jetzt Aktien kaufen? Sie meinen, da müsse man ja verrückt sein? Bevor Sie die folgenden Seiten überblättern und erst bei den strategischen oder den „sicheren“ Investments wieder einsteigen, sollten Sie über drei Dinge nachdenken.

Erstens: Betrachten Sie den historischen Verlauf des US-Aktienindex Dow Jones. Stimmt schon, da gab es immer wieder längere Seitwärts- und Abwärtsperioden. Doch diese am besten dokumentierte Index-Zeitreihe startete am 26. Mai 1896 mit 40,94 Punkten, rutschte aber bald auf ihren historischen Tiefstand bei rund 28 Punkten ab. Derzeit pendelt der Index zwischen 11.000 und 12.000 Punkten – macht eine langfristige Verzinsung von knapp sechs Prozent, und zwar ohne Berücksichtigung der Dividenden. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, verlief die Indexkurve also immer von links unten nach rechts oben.

Zweitens: Bedenken Sie einen Ausspruch der US-Investmentlegende John Templeton. Der Gründer einer der später weltgrößten Fondsgesellschaften meinte einmal: „Der teuerste Satz für Anleger lautet: Diesmal ist alles anders.“ Auf die aktuelle Situation umgelegt: Bisher gab es nach jeder Krise eine Aktienrallye, und genau so wird es auch nach Überwindung der jetzigen Turbulenzen sein.

Drittens: Fragen Sie sich, ob eine Welt ohne die großen Pharma-, Nahrungsmittel-, Industrie- und Finanzunternehmen denkbar ist. Wie tief sich die Weltwirtschaft auch noch im Schuldensumpf verfangen wird und wie lang es auch dauern mag, aus diesem wieder herauszukommen – Coca-Cola zählt auch danach zu den weltweit bekanntesten Marken, Pfizer besitzt seine Patente für Pharmazeutika, Nestlé füllt die Regale des Einzelhandels mit Nahrungsmitteln, und VW verlernt das Autobauen nicht.

„Aktien sind Sachwerte“, bringt es Ulrich Baumann, Manager des Pacific-Invest-Fonds der Volksbanken, auf den Punkt. Selbst wenn das von Europäern derzeit am meisten gefürchtete Szenario eintritt, nämlich der Zerfall der Eurozone mit nachfolgendem Chaos an den Finanzmärkten (Ökonomen halten dieses Szenario derzeit allerdings für wenig wahrscheinlich): Know-how, Kundenbeziehungen, Markenrechte und Patente werden auch in Nachfolgewährungen ihren Wert nicht verlieren. „Selbst in diesem Szenario fühle ich mich mit Qualitätsaktien durchaus wohl“, meint Friedrich Strasser, Vorstandsmitglied und Chief Investment Officer des Bankhauses Gutmann.

Warren Buffett, einer der reichsten Männer der Welt, handelt nach dieser Erkenntnis. Der Selfmademilliardär, als „Orakel von Omaha“ von Millionen Anlegern weltweit bewundert, lässt sich von der globalen Panik an den Finanzmärkten offenbar nicht anstecken. Im heurigen Frühjahr fügte er den Schmiermittelhersteller Lubrizol um 9,7 Milliarden US-Dollar dem Portfolio seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway hinzu und bekundete mit dem eigenwilligen Satz „Der Elefantentöter ist schon geladen“ seinen Appetit auf weitere Übernahmen. Mitte September schien er ein weiteres Ziel gefunden zu haben: die deutsche Börse. Gerüchte, wonach Buffett einen Einstieg bei der Deutschen Bank plane – kolportiert wurden zehn Prozent – und seinen Anteil an der weltgrößten Rückversicherung Münchner Rück aufstocken wolle, ließen beide Aktienkurse kurzzeitig kräftig steigen.

Internationale Aktien

Tatsache ist: Im längerfristigen Vergleich sind Aktien derzeit billig. Klar wird das bei einem Vergleich der Aktienrenditen mit jenen der Anleihen in den USA. Bis in die fünfziger Jahre konnten Anleger jede Aktienrallye exakt vorhersagen: Man brauchte nur dann in die Börsen einzusteigen, wenn die Dividendenrenditen der Aktien über den Anleiherenditen lagen. Dieses bequeme Signal funktionierte aber nur bis 1958. Seither trat diese Situation nämlich nie wieder ein.

Und jetzt? Die Renditen zehnjähriger US-Anleihen (Treasuries) liegen derzeit um die zwei Prozent. Die durchschnittliche Dividendenrendite des S&P 500 (des von Standard & Poor’s berechneten Index der 500 wichtigsten US-Aktien) beträgt hingegen knapp 2,2 Prozent. Die Dividendenrendite des Dow-Jones-Index liegt mit rund 3,2 Prozent sogar noch höher. Seit dem Jahr 1958 ist dies das erste Mal, dass die Aktienrenditen jene der Anleihen übertreffen. US-Börsenbriefe schreiben bereits vom „besten Kaufsignal seit 53 Jahren“.

Die Euphorie scheint allerdings verfrüht. „In den USA ist offensichtlich bereits der Wahlkampf ausgebrochen. Da wird es wohl noch ein Jahr dauern, bis es Klarheit gibt“, meint Bank-Gutmann-Investmentchef Strasser, „und in Europa wird die Unsicherheit wohl auch noch so lang bestehen bleiben.“ Von einem Ausstieg aus Aktien hält der Anlageprofi dennoch nichts. „Was man jetzt aber bevorzugen sollte, sind solide Titel mit hohen Dividenden.“ Das Angebot an solchen Aktien ist ohnedies dicht.

Noch drücken freilich die enormen Staatsschulden auf die Stimmung. Doch pleite sind die USA noch lange nicht. Arm ist nämlich nur der Staat – die Bürger sind hingegen reich. Die Höhe der US-Staatsschulden erreicht gerade einmal ein Drittel der Privatvermögen. Dass speziell die großen Vermögen besonders schonend besteuert sind, eröffnet hier einige Finanzierungsspielräume.

Als Aktienmarkt interessant ist auch Deutschland. In den Monaten August und September stürzte der deutsche Aktienindex DAX um rund 2000 Punkte ab. Es war dies der größte Rückgang seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008. Doch Deutschlands Unternehmen haben aus der darauf folgenden Krise die Lehren gezogen: Die Unternehmen stehen finanziell solide da, und die Rationalisierungsmaßnahmen, die 2009 und 2010 umgesetzt wurden, machen sie auch für stürmische Zeiten wetterfest.

Noch boomt auch die deutsche Konjunktur. Zwar reduzierten die Wirtschaftsforscher ihre Wachstumsprognosen für 2011, doch das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut rechnet dennoch mit einem BIP-Zuwachs von drei Prozent – etwas mehr als das Kieler Institut für Weltwirtschaft IfW, das mit „nur“ 2,8 Prozent rechnet. Für 2012 allerdings rechnen die Ökonomen mit einem deutlich schwächeren Wachstum – es dürfte zwischen 0,8 Prozent und 1,2 Prozent liegen.

Rezession ist das noch keine, doch sollten sich die Prognosen erhärten, ist mit einem weiteren Rückgang der Aktienkurse zu rechnen. Deutsche Analysten sehen derzeit für den Ernstfall eine Bodenbildung bei 4600 Punkten – also um etwa 1000 Punkte über dem Tief aus dem Frühjahr 2009.

Hoffnung für die Weltwirtschaft kommt derzeit vor allem aus Asien. Die Schwellenländer – vor allem Indien und China – liefern nach wie vor weit überdurchschnittliche Wachstumsraten. „Konsum in Asien wird eines der dominierenden Themen für die Börsen der nächsten Jahre sein“, glaubt Asienfonds-Manager Baumann. Derzeit tragen vor allem exportorientierte Unternehmen das Wachstum der Region. Doch Europa und die USA müssen in den kommenden Jahren ihre Staatsschulden bekämpfen. Das wird Exporte in diese Regionen erschweren. Schon jetzt bemüht sich die chinesische Regierung daher, die Kaufkraft im eigenen Land zu stärken. Unter anderem soll dies durch höhere Löhne geschehen.

Profitieren werden davon aber nicht nur chinesische Unternehmen. Auch Europäer und Amerikaner, die in China investieren, werden dort in Zukunft mehr verkaufen. So läuft bei Coca-Cola derzeit ein vier Milliarden Dollar schweres Investitionsprogramm, mit dem der Getränkekonzern seine Marktpräsenz im Reich der Mitte stärken will. Mit zehn Milliarden Euro Investitionssumme und gemeinsam mit lokalen Partnern wie SAIC (Shanghai Automotive Industry Corp.) will VW schon demnächst die 2-Millionen-Marke bei den Neuzulassungen überspringen. Schon seit 2009 ist China der größte Absatzmarkt für den Wolfsburger Konzern.

Österreichische Aktien

„Österreichische Aktien sind derzeit billig, aber das interessiert leider niemanden.“ Relativ illusionslos bringt Friedrich Mostböck, Chefanalyst der Erste Group, auf den Punkt, was ohnedies jeder sieht. In konkreten Zahlen: Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis der wichtigsten, im ATX abgebildeten Unternehmen liegt aktuell bei acht, für das Jahr 2012 prognostizieren die Analysten eine weitere Verbilligung auf sieben. Im längerfristigen Vergleich wurden die Austro-Stocks mit dem zwölf- bis 14-Fachen des durchschnittlichen Jahresgewinns bewertet. 2007, im Jahr vor der Lehman-Pleite, lag diese Kennzahl sogar bei über 15.

Eingebrochen sind auch die Umsätze. „Vor allem Investoren aus dem angloamerikanischen Raum lassen völlig aus“, so Mostböcks Beobachtung. Nicht nur was die aktuelle Gewinnsituation betrifft, sind Wiener Aktien derzeit billig – ein Vergleich mit den Buchwerten bringt ebenfalls Interessantes zutage: Es gibt tatsächlich Unternehmen, deren Marktwert unter dem Buchwert oder nur knapp darüber liegt.

Gründe dafür gibt es einige – aber keiner rechtfertigt die Ausverkaufspreise, zu denen in Wien derzeit Aktien gehandelt werden. Da wäre zunächst die heuer neu eingeführte Kest II auf Kursgewinne. Diese hat vor allem Privatanleger arg vergrault, und ohne tragfähigen Binnenmarkt zögern auch ausländische Investoren mit Engagements. In jüngerer Zeit belastend wirkt sich der Versuch Ungarns aus, die Fremdwährungskreditnehmer durch zwangsweise verordnete Franken-Wechselkurse auf Kosten des Bankensystems zu entlasten.

Zwei im ATX prominent vertretene Aktien – Erste Group und Raiffeisen Bank International, die zusammen mehr als ein Fünftel des ATX ausmachen – leiden darunter. Einen Imageschaden trägt dadurch die gesamte Region davon. „Es handelt sich aber um ein regional begrenztes Problem. Und außerdem darf man nicht vergessen, dass Ungarn zwar mit einer Verschuldung von 75 Prozent des BIP unter den zentral- und mitteleuropäischen Staaten am schlechtesten dasteht, aber immer noch besser als der Durchschnitt der Eurozone. Der liegt nämlich über 80“, so Mostböck.

Auf längere Sicht sollte sich das Engagement Österreichs in Zentral- und Mitteleuropa jedenfalls bezahlt machen. Die niedrigere Verschuldung als in Resteuropa und die höheren Wachstumsraten werden den zahlreichen dort tätigen österreichischen Unternehmen zugutekommen. Die Ausgangsbasis für Kursgewinne ist jedenfalls jetzt schon gut. Es gibt Aktien mit Dividendenrenditen, die jenseits jeder mit vernünftigem Risiko erzielbaren Anleiherendite liegen. Andere Unternehmen werden zu einem Bruchteil des Buchwerts gehandelt, und bei manchen soliden Konzernen liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis noch unter dem niedrigen Marktdurchschnitt.

Immobilienaktien

Immobilien sind der beste Weg, sicher durch die Krise zu kommen. Vor 2008 hätte vermutlich die Mehrzahl der Anleger diesen Satz blind unterschrieben. Dann kamen Immofinanz, der Absturz der US-Häuserpreise sowie der Crash des spanischen Immobilienmarkts und machten plötzlich klar: Von der erhofften höchsten Sicherheit sind Immobilieninvestments sehr weit entfernt.

An den aktuellen Bewertungen ist das Misstrauen der Anleger deutlich abzulesen. Griechische Immobilienaktien notieren derzeit rund 61 Prozent unter dem Netto-Inventarwert – das bedeutet, wer so eine Aktie kauft, erhält die damit zusammengefassten Immobilien mit einem Rabatt von 61 Prozent. In Italien sind es 55 Prozent Bewertungsabschlag – und in Österreich 42 Prozent. „Die Immofinanz ist in diese Berechnung aber nicht einbezogen – sonst wären es auch rund 60 Prozent“, erklärt Christoph Thurnberger, Immobilienanalyst der Raiffeisen Centrobank. Warum sind ausgerechnet heimische Immobilienaktien so stark unterbewertet? „Am Markt geht die PIGS-Hysterie um, aber die Österreicher haben gar keine Bestände in Portugal, Irland, Griechenland oder Spanien. Vielleicht hat das mit dem Engagement in Zentral- und Osteuropa zu tun – dann ist es aber auch nicht gerechtfertigt“, so Thurnberger.

Vom Markt ignoriert werde dagegen das Engagement der Österreicher bei deutschen Immobilien. Durchschnittlich entfallen 50 Prozent der Investments österreichischer Immo-AGs auf Deutschland. Deutsche Immobilienaktien werden aber nur mit einem Bewertungsabschlag von rund 25 Prozent gehandelt. Vor allem conwert mit einem starken Engagement auf dem deutschen Wohnungsmarkt sei hier krisenresistent. Bei Immofinanz, einer der größten europäischen Immobilien-Aktiengesellschaften, winkten wiederum Rationalisierungsgewinne, da bei der Verwaltung des Unternehmens noch einiges an Einsparungspotenzial bestehe.

Überdies sind die österreichischen Immobilien-AGs eine Wette auf die Erholung in Zentral- und Osteuropa (CEE). Dort mussten im Zuge der Krise ab 2008 gröbere Abwertungen vorgenommen werden – die in den Kursen aber längst enthalten sind. Im Durchschnitt zwischen 20 und 40 Prozent der Investments entfallen auf diesen Raum. Springt der Markt dort wieder an, dann müssen auch die Bewertungen der Immobilien wieder nach oben korrigiert werden. Als Folge davon würde der „Rabatt“ auf den Kurs weiter steigen. Doch selbst wenn die Krise zurückkommen sollte, bieten Immobilienaktien Schutz. Thurnberger: „Ich kann mir kaum vorstellen, dass man zum Beispiel bei einem conwert-Portfolio 40 Prozent wegrechnen müsste.“ Und selbst dann wäre die Aktie erst fair bewertet.

Von Franz C. Bauer

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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