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Österreich ist im internationalen Ranking der IT-Standorte weit zurückgefallen. Der lange geforderte IT-Masterplan kommt aber jetzt doch und soll die dringend notwendigen Impulse bringen.

Das Rennen ist gelaufen, die Noten sind vergeben und die Zeugnisse mit der Unterschrift des Weltwirtschaftsforums und der Weltbank ausgestellt. Auch Österreich hat mit dem alljährlichen „Networked Readiness Index (NRI) Ranking“, das das Vorhandensein und die tatsächliche Nutzung von IT-Infrastruktur vergleicht, sein Jahresabschlusszeugnis erhalten und belegt unter den 104 untersuchten Ländern den 19. Rang. Das ist auf den ersten Blick kein wirklich schlechter Platz, aber vor zwei Jahren lag Österreich noch an neunter Stelle, und in dem NRI-Ranking ist jeder Platz wichtig, denn viele Investoren messen ihm bei ihren Standortentscheidungen erhebliche Bedeutung bei.

IBM-Generaldirektor Ernst Nonhoff sieht daher Feuer am Dach und den EU-Beschluss der Agenda von Lissabon aus dem Jahr 2000 ernsthaft gefährdet. Damals hat sich die EU das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2010 zum dynamischsten und wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt zu werden, und die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) dafür als den entscheidenden Faktor definiert. „Das hohe Wirtschafts- und Produktivitätswachstum in den USA wird auf die hohen Investitionen in die Informations- und Kommunikationstechnologie zurückgeführt“, meint Nonhoff. „Umgelegt auf die Terminologie von Unternehmen müsste Österreich zur Halbzeit allerdings eine Gewinnwarnung vermelden.“

In puncto Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nehme Österreich nur Platz 17 ein, im Teilbereich Technologie liege das Land sogar nur an der 22. Stelle, und bei der Durchdringung mit Breitband belegt Österreich international Platz 19, innerhalb der EU-25 Platz neun. Mitschuld daran sei die mangelnde Verfügbarkeit von Breitband-Internetanschlüssen im ländlichen Raum. Nonhoff: „Die Verfügbarkeit liegt bei nur 50 bis 60 Prozent. Hier herrscht Nachholbedarf, denn gerade in wirtschaftlich schwierigen Regionen kämpfen Klein- und Mittelbetriebe auch deshalb mit Wettbewerbsnachteilen.“

Sprungbrett mit Sprung. Das sind keine guten Signale für die Branche, wenngleich Österreich aus heutiger Sicht als IT-Standort gut etabliert scheint. Nahezu alle großen Player der Branche haben hier einen Firmensitz, und viele, wie zum Beispiel Microsoft, SAP oder die heimische S&T, nutzen Österreich auch als Sprungbrett in Richtung Osten.

Für SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer ist das neue NRI-Ranking dennoch eine Schlappe: „Nach dem PISA-Schock muss Österreich einen weiteren Absturz hinnehmen. Österreich fällt in Sachen Informationstechnologie und Internet immer weiter zurück. Die Breitband-Förderung mittels Steuerabsetzbetrag hat sich offensichtlich alles andere als bewährt.“
Tatsächlich zeigen die Statistiken der Telekom Austria, des mit Abstand größten Breitband-Internetanbieters Österreichs, dass die steuerliche Absetzbarkeit von Breitband-Internetanschlüssen zu keinem nachhaltigen Aufwärtstrend geführt hat. Die Opposition fordert daher eine verstärkte Breitband-Förderung aus Budgetmitteln.
Karin Hakl, Telekomsprecherin der ÖVP, ist da anderer Meinung und spielt den Ball an die Telekommunikationsunternehmen weiter. „Für einen Totalausbau müssen zwischen 400 und 800 Millionen Euro investiert werden, mit der Ausnahme einiger Alpentäler in Tirol ist dieser Ausbau aber für die Branche durchaus rentabel. Die derzeitigen Mittel sind daher sicher ausreichend.“ Sie sieht mehr Sinn in einer groß angelegten Kampagne, die der Bevölkerung und besonders auch den Klein- und Mittelbetrieben den Nutzen des Breitband-Internets näher bringt.

Dass es auch ohne großzügige öffentliche Unterstützung möglich ist, flächendeckend Breitband-Internet zur Verfügung zu stellen, zeigt das Beispiel der Schweiz, die sich im NRI-Ranking von Rang 16 im Jahr 2002 auf Rang neun (2004) verbessern konnte. „Die Swisscom hat sehr viel investiert und das Breitband-Internet bis zum letzten Bauern im hintersten Alpental gebracht“, erklärt der Schweizer Peter Kamm, Generaldirektor von Philips Austria und Schweiz.

Masterplan geplant. Die Verbreitung des Breitband-Internets ist jedoch nicht das einzige Problem, das es in Österreich zu lösen gilt, um im internationalen Standortranking wieder weiter nach vorne zu kommen. „Neben nicht optimalen Rahmenbedingungen fehlt es in Österreich zum Beispiel an Venture Capital und einer ausreichend großen Zahl an Studienabgängern im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie“, urgiert Rudolf Fischer, Technikvorstand der Telekom Austria, „in Österreich brauchen wir dringend einen IT-Masterplan. Andere Länder in Europa haben sich bereits
vor Jahren konkrete Ziele gesetzt, wie mit forciertem Einsatz ein besserer Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung erreichbar ist.“
Jetzt soll tatsächlich ein solcher Masterplan entwickelt werden. Reichlich spät, meinen Kritiker; und die Vorgangsweise, zu der sich die Politik durchgerungen hat, lässt befürchten, dass es möglicherweise noch dauern wird, bis aus dem lange erhofften Masterplan auch Effekte spürbar werden: Ein Kreis von 50 Experten aus Österreichs IT-Wirtschaft und eine Arbeitsgruppe rund um die ÖVP-Nationalratsabgeordnete Hakl sollen bis November entsprechende Maßnahmen definieren, um die Schwächen, die Österreich hat, zu beseitigen. „Unser Ziel ist es, herauszufinden, welche Aufgaben der Staat übernehmen muss und was die Unternehmen beitragen können“, erklärt Hakl. „Daraus soll ein Stufenplan erstellt werden, in dem die einzelnen Schritte bis 2010 genau festgelegt werden.“

Die Vorgabe ist klar definiert und kommt von oberster Stelle: Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat die Parole ausgegeben, Österreich solle bei allen europäischen Strukturindikatoren unter die Top 3 kommen. Eine im Mai erstellte Analyse des Beratungsunternehmens Arthur D. Little zeigt indessen schon, wo die Stärken und die Schwächen Österreichs als IKT-Standort heute liegen. Besonders viel aufzuholen gibt es demnach im Bereich der Software- und Systemintegration, also bei der Einrichtung von IT-Systemen in Unternehmen. Hier hinkt den Erhebungen Arthur D. Littles zufolge das Angebot stark der Nachfrage hinterher. Auch im Mediensektor, etwa bei der Entwicklung des digitalen Fernsehens, und in der Hardwareproduktion hat Österreich im Vergleich mit anderen Nationen deutliche Schwächen. Um die Zahl der Unternehmen in diesen Bereichen zu erhöhen, sei einerseits mehr Venture Capital notwendig, andererseits aber auch die Gesetzgebung gefragt, um ein investitionsfreundlicheres Umfeld zu schaffen. Franz Semmernegg, Finanzvorstand der Kapsch AG: „Es wird kein Weg daran vorbeiführen, über die Lohnnebenkosten nachzudenken, damit sich Österreich auch als Standort für internationale Headquarters gut positionieren kann.“

Imagepflege. Dass sich die politische Führung des Landes nun entschlossen hat, mit einem Masterplan Initiative zu zeigen, freut den Geschäftsführer von Hewlett-Packard Österreich, Wolfgang Gruber, besonders. Er erwartet sich dadurch deutliche Impulse, die Österreich auch den dringend notwendigen Image-Schub geben können: „Man darf aber nicht alten Themen nachweinen. Eine PC-Produktion in Österreich ansiedeln zu wollen ist sinnlos. Der Zug ist abgefahren, das kann in China viel günstiger erledigt werden.“

Eine Tatsache, die im abgelaufenen Jahr auch der österreichische Computerhersteller Gericom zur Kenntnis nehmen musste: Im Februar verlagerte Gericom die gesamte Produktion nach China.
Philips-Chef Kamm hält es ebenfalls für besonders schwierig, in Österreich im Produktionsbereich Impulse zu setzen. Philips habe zwar hier mit der RFID- und NFC-Chipentwicklung in Gratkorn sowie der Lautsprecherentwicklung und der Spracherkennung in Wien drei seiner weltweiten Kompetenzzentren angesiedelt, die auch Produkte entwickeln und produzieren, mehr sei aber nur sehr schwer vorstellbar: „Österreich ist ja in vielen Bereichen gar nicht schlecht, in manchen Bereichen sogar sehr fortschrittlich, aber es ist eben ein kleines Land. Mehr ist kaum möglich.“

Siemens Österreich ist eines der großen IKT-Unternehmen, die bis heute an einer Produktion in Österreich festhalten. Generaldirektor Albert Hochleitner sieht zwischen der Wertschöpfung und dem Geschäft in einem Land einen engen Zusammenhang: „Es ist uns gelungen, durch Fertigungs-, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen eine hohe Wertschöpfung aufzubauen. Beispiele dafür sind die Elektronikfertigung SIMEA in Wien und Siegendorf sowie die Programm- und Systementwicklung (PSE). Gerade diese Einheiten haben Siemens Österreich zu einer eigenständigen Landesgesellschaft mit hoher Innovationskraft gemacht.“
Auf Forschung und Entwicklung neuer Produkte zu setzen ist für Hochleitner daher auch der Weg, um Österreich als IT-Standort langfristig abzusichern: „Wir müssen uns stets bewusst sein, dass wir ein klassisches Hochlohnland mit all den bekannten Konsequenzen sind.“ Zu spüren sei das besonders dann, wenn es darum ginge, die Wertschöpfung im Land zu halten und auszubauen. Daher sei es besonders wichtig, in Forschung und Entwicklung Flagge zu zeigen und die Nähe zu Osteuropa zu nutzen. Hochleitner: „Wir müssen in Zukunft eine höhere Anpassungsfähigkeit an neue Herausforderungen beweisen und fest eingefahrene Wege verlassen. Dies gilt sowohl für unsere Arbeitsmärkte als auch für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.“

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