Wow, jetzt aber wirklich: Microsoft bringt
das neue Betriebssystem Windows 7 heraus

Nächsten Donnerstag kommt das neue Microsoft-Betriebssystem in den Handel: Die ersten Anwender sind sehr zufrieden mit Windows 7. Ein zweites Vista-Desaster dürfte sich Microsoft nicht leisten.

Das elektronische Werbeplakat am Times Square ist gebucht. Ehrensache, wenn der weltgrößte Softwarekonzern ein neues Betriebssystem ausliefert. Kommenden Donnerstag kommt Windows 7 endlich auch für Endverbraucher auf den Markt.

Microsoft-CEO Steve Ballmer tourte diese Woche durch Europa. Ganz entgegen seinen sonstigen Anheizer-Qualitäten versuchte der charismatische Glatzkopf den Ball flach zu halten. „Windows 7 bringt den PC-Markt jetzt nicht zum Abheben. Es ist gut, und was passiert, werden wir sehen. Erwarten Sie keine Wunder.“

Kalkül? Etwas Bescheidenheit ist durchaus angebracht. Das Vorgänger-System Vista war ein Reinfall, von Anwendern geschmäht. Aus diesen Fehlern lernte der Konzern (FORMAT-Ausgabe 31/09) und trimmte die Ingenieure auf eine benutzerzentrierte Programmierung hin. Microsoft hat ein Produkt am Markt, für das es sich nicht zu genieren braucht. Der Tenor der Tester war von Beginn weg positiv: W7 ist nicht die Revolution. W7 ist funktionell, benutzerfreundlich, schlanker und sicherer. Selbst Laien können Netzwerke einrichten, und das System erkennt Zubehör von selbst. Profane Dinge wie das Herumgeschiebe von Fenstern wurden intelligent neu organisiert. Und W7 ist in einigen Aspekten sogar richtig originell.

Andere Zugänge versucht der Konzern jetzt auch in der Vermarktung. Teure Fernsehspots sind out, stattdessen werden über soziale Netzwerke Tupperware-artige Partys organisiert. Bei Firmenkunden ziehen zwar keine Luftballons, dafür hoffentlich zwei andere Argumente: Erstens hofft man auf den werbenden Effekt zufriedener Kunden. Zweitens steht der nächste Hardware-Tausch bei vielen noch heuer bzw. 2010 an. Da viele Firmen sowieso noch mit dem Vorgängersystem XP (aus dem Jahr 2001) arbeiten, ist der nächste Technologiesprung fast zwingend. „Zwei Drittel der österreichischen Firmen werden in den nächsten drei Jahren auf das 7er wechseln“, schätzt der österreichische Windows-Manager Robert Lampl.

Das glaubt auch Marcus Izmir, Vorstand der mii AG, eines der größten Microsoft-Partner des Landes: „Der große Boom kommt heuer noch nicht. 2010 aber wird ein Windows-7-Jahr werden.“ So ein prototypischer XP-Kunde ist das nö. Bedarfsflugunternehmen Jetalliance. Den technischen Vorstand Caspar Einem überzeugten mehrere Aspekte: „Wir expandieren nach Russland. Praktisch, dass man die Sprache auf Knopfdruck umstellen kann. Das beschleunigt den Roll-out natürlich sehr.“ Da die meisten Jetalliance-Mitarbeiter mobil auf Notebooks arbeiten, sind Sicherheitsfunktionen wichtig. Einem dazu: „Sensible Firmendaten sollen bei Geräteverlust ja schließlich nicht von jedem ausgelesen werden können.“ IT-Profis kaufen nicht nur W7, sie schwören auf das Zusammenspiel mit der Windows-Server-2008-Software der 2. Generation (R2). Damit lassen sich die Sicherheitsfunktionen – wie das Einspielen von Updates, Geräte-Management etc. – noch besser zentral steuern.

Für Microsoft-Mann Lampl ist der kommende Donnerstag der Höhepunkt in diesem Jahr. Extraschichten schiebt er aber schon, seit im Jänner die Beta-Version auf den Markt kam und er mit der Betreuung der Großkunden begann.

Was W7 im weihnachtlichen Endkundengeschäft bringen wird, möchte er nicht abschätzen: „Da ist auch der Chef vom Chef meines Chefs zurückhaltend“, verweist er auf Ballmer. Die neuesten PC-Markt-Zahlen aus Deutschland geben jedenfalls Hoffnung. Trotz Krise sollen heuer so viele PCs wie noch nie verkauft werden, und die Computerhersteller haben für den Windows-7-Start extra ein paar Spitzengeräte in der Warteschleife gelassen.

Begeistern wird die Konsumenten die Möglichkeit, das System alternativ über Finger- statt Maustipp zu steuern. Es ist erst einmal nicht davon auszugehen, dass sich an den Kräfteverhältnissen im Betriebssystem-Markt viel ändert. Neun von zehn Rechnern laufen unter dem Fenster-Logo. Und damit die Konsumenten erst gar nicht auf die Idee kommen, sich bei den Konkurrenzsystemen Linux und Apple umzusehen, bepreist der Konzern die Ware krisenadäquat. Die 50-Euro-Schmalspurversion für die Frühbesteller war im Sommer binnen Minuten weg, sodass man sich Schelte wegen künstlicher Verknappung einhandelte. Für den heute üblichen Mehr-PC-Haushalt bietet Microsoft die Home-Premium-Variante (Kasten Seite 92) für drei Rechner um 150 Euro. Der Kunde erspart sich zwischen 210 und 450 Euro. Wer ein Vorgängerprodukt (XP, Vista …) am Laufen hat, bezahlt nur den Upgrade- und nicht den Vollpreis.

Ändern wird sich aber die Art, wie Nutzer ihre Microsoft-Software beziehen. Die Informationstechnologie läuft mittelfristig in Richtung Cloud Computing (siehe Seite 94), und in Redmond ist man nicht gewillt, sich von Google mit Online-Bürosoftware und dem Android-Betriebssystem die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Nach einer kurzen Schrecksekunde hat sich der Konzern mit seinem Azure-Modell auf den neuen Vertriebsweg eingestellt. Anders als bei Google, werden die Microsoft-Kunden aber wohl auch in den nächsten Jahren noch die Wahl haben, ob sie die Software lieber bei sich am Rechner oder im Rechenzentrum halten wollen. mii-CEO Izmir wagt den Blick in die Zukunft: „Windows 7 wird vermutlich das letzte Betriebssystem sein, das ausschließlich am PC installiert wird. Oder das vorletzte.“ Alle nachfolgenden Systeme werden noch schlanker, reduzierter auf bestimmte Funktionalitäten und Geräte sein, teilweise oder ganz über das Netz laufen.

Barbara Mayerl

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