"Wir sind schon lange der Buhmann"

"Wir sind schon lange der Buhmann"

FORMAT : Der Online-Umsatz im Musikbusiness legte in Österreich 2012 um zehn Prozent auf 26,5 Millionen Euro zu. Warum ist die Laune in der Musikbranche trotzdem getrübt?

Hannes Eder : Wir haben keinen Grund zu jubeln, denn die Online-Zuwächse liegen deutlich hinter den Erwartungen. Die CD-Umsätze sinken stetig, und die Online-Umsätze kompensieren diesen Verlust noch lange nicht.

Hören die Österreicher weniger Musik?

Eder : Ganz im Gegenteil, die Musiknutzung insgesamt steigt. Die Österreicher versorgen sich aber aus nicht immer legalen Quellen mit Musik. Besonders beliebt sind die MP3-Converter von YouTube. Deshalb wurden diese Inhalte in Deutschland auf YouTube geblockt. Diesen Weg wollen wir in Österreich noch nicht beschreiten, aber wir brauchen hier auf jeden Fall Lösungen.

Die Musikindustrie setzt sich schon seit Jahren für die Urheberrechte ein. Hat Ihnen das nicht viel Kritik gebracht?

Eder : Wir sind schon lange der Buhmann der selbst ernannten Netzbefreier. Doch jetzt haben auch Autoren, Fotografen, Zeitungsverlage und die Filmindustrie zunehmend mit dem Datenklau zu kämpfen, und die Plattform, die sich für das Urheberrecht einsetzt, hat sich deutlich verbreitert. Dabei tun die vermeintlichen Netz-Robin-Hoods immer so, als ob es verwerflich wäre, wenn man als Künstler oder Musikkonzern Geld verdienen will. Doch keiner fragt danach, wer Millionen dafür ausgibt, um eine junge Band weltweit aufzubauen.

Schon seit Jahren kämpfen Sie für eine Festplattenabgabe, nachdem die Leerkassettenabgabe heute eigentlich zu einer vernachlässigbaren Größe geworden ist. Woran scheitert die Durchsetzung?

Eder : Das Speichermedium Nummer eins ist heute nicht mehr die Kassette oder die Leer-CD, sondern die Festplatte. Das zeigt auch die neue Studie. Auf einer durchschnittlichen Festplatte lagern heute 2.700 Musiktitel, 1.300 nicht private Fotos, 301 Filme und 79 Hörbücher. Diese Leerkassettenabgabe ist seit den 70er-Jahren eine bei den Konsumenten akzeptierte Abgabe, die eben abdecken soll, dass Musikstücke für den privaten Gebrauch ein paar Mal kopiert wurden. Doch der Elektrohandel verweigert seit drei Jahren jede Verhandlung darüber.

Es sind nicht die Konsumenten, die für diese Gebühr kein Verständnis hätten?

Eder : Die Konsumentenschützer haben den sozialen Zweck dieser Abgabe eingesehen, denn mit dem Geld machen sich nicht die Konzerne die Taschen voll, sondern die Hälfte des Geldes fließt direkt an die Interpreten und Komponisten. Vom restlichen Geld fließt ein Großteil in einen sozialen Kulturfonds. Damit werden zum Beispiel Familien verunglückter Musiker versorgt, Musikschulen finanziert oder junge Talente gefördert.

Die Vertreter des Elektrohandels fürchten durch die Festplattenabgabe um ihre Existenz. Ist das für Sie nachvollziehbar?

Eder : In Wirklichkeit jammern milliardenschwere Computerhersteller wie Apple oder HP über diese Abgabe. Jetzt stelle ich mir schon die Frage, ob man sich um deren Überleben mehr Sorgen machen muss als um das Überleben heimischer Kreativer.

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