Wer wird mächtigste Firma der Welt? Apple und Google kämpfen um das mobile Internet

Apple und Google konnten lange gut miteinander. Seit Google Handys und Apple Werbung verkauft, ist der Kampf um das mobile Web eröffnet. Es geht um die mächtigste Firma der Welt – und darum, ob digitale Information künftig durch Werbung oder bar bezahlt wird.

Rhetorik ist Teil der Kriegsführung. Steve Jobs weiß das. Wenn er im kleinen Kreis das Google-Motto „Tu nichts Böses“ als Bullshit bezeichnet, findet die Botschaft ihren Weg in die Welt. Die Google-Jungs dringen gerade in sein Revier ein, und das hält Jobs nicht für gut. Im Web wunderte sich die Google-Gemeinde: „Wie kommen die Leute überhaupt auf die Idee, dass Wettbewerb böse ist?“ Von Google-Boss Eric Schmidt ist nichts zu vernehmen. Man lässt die zweite Reihe zurückschießen.

Kampf um die digitale Herrschaft
Es geht nicht um normalen Wettbewerb. Zwischen Apple und Google zeichnen sich die Konturen der nächsten großen Technologie-Schlacht ab, der Kampf um die Herrschaft in der digitalen Welt und damit der Kampf um die mächtigste Firma der Welt. Google ist längst der wichtigste Informationsfilter des Globus, der mitbestimmt, was die Menschen erfahren und was nicht. Google Maps führt die Menschen durch die Welt, und über die Tochter YouTube teilen sie sich der Welt mit. Apple hat die begehrtesten Geräte für den Zugang ins Universum. Nach dem iPhone wird das neue iPad diese Position noch stärken. Apple dominiert die Verbreitung von Musik und Filmen. Jetzt soll die Hoheit über die Printmedien dazukommen. Und über sogenannte Apple-Apps (Applikationen) informieren sich Millionen Menschen übers Wetter, rechnen ihre Haushaltsausgaben aus oder spielen einfach.

Wer hat die bessere Strategie?
Wer am Ende als Sieger dasteht, wird davon abhängen, ob die Gratiskultur im Internet, für die Google steht, unangetastet bleibt. Oder ob sich die Apple-Strategie letztlich durchsetzt: Die setzt bei der Hardware an, für Inhalte bezahlt man, aber sehr einfach. Der 5. Jänner 2010 wird in die Annalen eingehen. Da stellte Eric Schmidt das erste Smartphone vor, auf dem nicht mehr „with Google“, sondern nur „Google“ draufsteht. Die Vorstellung des Nexus One wurde nicht groß inszeniert, fast bescheiden gehalten. Aber der Schachzug, selbst ins Hardware-Geschäft einzusteigen, ist in seiner strategischen Relevanz nicht zu unterschätzen. Wer die digitale Weltherrschaft will, kommt an einem Zugang zum Mobilfunkmarkt nicht vorbei. Das Handy ist binnen einer Dekade zum Begleiter in allen Lebenslagen geworden: 3,9 Milliarden Handys gibt es weltweit, im Vergleich dazu nur 1,9 Milliarden PCs. Die Displays werden kleiner, der Kampf darum größer. Wie das Internet im Pocketformat aussehen muss, dafür lieferte Apple die Blaupause. iPhone-Nutzer verbringen dreimal mehr Zeit online als andere Smartphone-Besitzer. Drei Jahre nach Markteintritt hält das iPhone fast ein Fünftel des Marktes im Bereich der hochpreisigen Internettelefone. 2013 wird diese Gerätekategorie 40 Prozent des Weltmarktes ausmachen, schätzen die Consulter von Gartner.

Die Android-Welle rollt an
Apple brachte im Vorjahr von (s)einem einzigen Modell 8,7 Millionen Stück unter die Völker (plus 100 Prozent). Google hat mit Android zwar ein eigenes Betriebs­system ins Rennen geschickt und sich praktisch alle Handyproduzenten ins Boot geholt, mehr als den Status eines ambitio­nierten Nischenanbieters schaffte man 2009 aber nicht. Das könnte sich ändern. „Bei den mobilen Betriebssystemen werden 2010 nur Apple und Google zulegen. Alle anderen verlieren“, sagt die Gartner-Expertin Annette Zimmermann. Eine wahre Android-Welle rollt an. Motorola, Sony Ericsson, die Koreaner Samsung und LG werden über 20 neue Android-Modelle in allen Preislagen bringen. Selbst HTC aus Taiwan, der einstige Hauslieferant für Microsoft-Handys, scheint komplett zum Google-Lager konvertiert zu sein. Die Handys haben dieselbe Funktion wie die Häuser beim Monopoly. Zuerst werden sie platziert, dann wird kassiert. Jetzt werden die Straßenzüge aufgeteilt. Dass Google das Nexus One nun auch selbst und ohne Mobilfunker gleich online verkauft, soll den Suchmaschinen-Giganten Apple rasch näher bringen.

Ein Blick ins Apple-Universum
Googles Eric Schmidt hat keine Zeit zu verlieren, denn Apple-Mastermind Steve Jobs hat schon den nächsten Zug gemacht. Mit dem iPad definiert Apple eine neue Hardware-Kategorie, die einigen Unkenrufen zum Trotz garantiert Millionen Fans haben wird. Warum? Apple hat für seine Verhältnisse moderat kalkuliert, das Gerät wird rasch auf den freien Markt kommen und Medienwelten noch besser erschließen. Jobs ist Perfektionist und hat das Zepter fest in der Hand. „Bei allem, was wir machen, will ich die Schlüsseltechnologie besitzen und kontrollieren“, sagte der große Meister 2004. Dieses Dogma gilt mehr denn je. Das Apple-Universum ist und bleibt in sich ­abgeschlossen. Apple hat ein eigenes Betriebssystem für Rechner und Telefon, einen eigenen Internetbrowser und die ultimative Entertainment-Zentrale iTunes mit Direktanbindung an die Kreditkarte des Nutzers. Jobs hervorragende Kontakte in Hollywood haben mit dazu beigetragen, seine Produkte als Ikonen des technischen Lifestyles zu platzieren. Das darf dann auch etwas mehr kosten. Apple-Hardware war immer teurer als die Konkurrenz, sie wird niemals verramscht. Songs kosten auch dann noch 99 Cent, wenn die Konkurrenz längst auf 69 Cent gesenkt hat. Apple wird 2010 erstmals in die Liga von 50 Milliarden Dollar Umsatz vorstoßen.

Kultur-Kampf bahnt sich an
Verbraucher müssen das Entertainment-Universum von Apple eigentlich nur zu einem Zweck verlassen: für die Suche nach Informationen im Web. Die Deutungshoheit über das, was im digitalen Universum ­relevant ist, hat sich Google in den letzten zehn Jahren hart erarbeitet. 70 Prozent der weltweiten Suchanfragen werden beim Google-Suchschlitz eingeworfen, und ebenso hoch ist der Marktanteil, den sich der Suchmaschinenkonzern mit seinem Werbevermarkter Doubleclick am Online-Werbemarkt sichert. Der Fight zwischen Apple und Google ist deshalb noch relativ jung, weil es bislang kaum Schnittmengen gab. Google ist der glatte Gegenentwurf zu Apple. Das Handy Nexus One ist eines der ersten Produkte für Endkunden, für das Google tatsächlich Cash verlangt. Bei Produkten wie Google Earth gibt es zwar auch kostenpflichtige Profiversionen, 99 Prozent der Umsätze generiert Google aber noch immer durch das revolutionäre Online-Werbemodell. Im letzten Jahr wurden in den USA 24 Milliarden Dollar für Online-Werbung ausgegeben, rund elf davon gingen an Google. Aber die Zweifel werden stärker, dass dieses Geschäftsmodell auf Dauer funktioniert. Zu den stärksten Zeiten hängten die Google-Ingenieure im Monatsrhythmus neue Produkte ins Netz. Die Firmengründer Sergey Brin und Larry Page betreiben mit ihrer Software Feldforschung in Echtzeit. Produkte werden im Online-Betrieb entwickelt, Google sieht live, was bei ­einer Software ankommt und was nicht. Das Geschäftsmodell „Tausche Werbung gegen persönliche Informationen“ ist ein perfekter Deal, mit dem die meisten Nutzer kein Problem haben.

Google hat eine Gratis-Kultur etabliert
Noch mehr als bei Apple gilt, wer sein digitales Leben organisieren will, kann das mit Google durchgängig und noch dazu kostenlos machen. Vom morgendlichen Blick in den Kalender und ins Gmail, unterwegs mit Google Maps, bis hin zur automatischen Sortierung des privaten Fotoalbums mit Picasa. Die wichtigsten Schreib- und Rechenprogramme gibt es bei Google docs, und zwischendurch entspannt man sich bei einem YouTube-Video oder einem abendlichen Blick in die Sterne der Google-Galaxie. Der Suchmaschinenkonzern sitzt auf einem gigantischen Datenberg, den er in seinen Rechenzentren weltweit permanent auswertet, um Werbung noch passgenauer zu machen. Google war das IT-Wunder der Nullerjahre. Dass sich die lustige Entwicklertruppe aus Mountain View zum Weltkonzern entwickelte, wird in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch nicht mehr vor­behaltlos positiv aufgenommen. Die Gründer-Idee, „das gesamte Wissen der Menschheit allen zugänglich zu machen“, wird immer öfter als Allmachtsfantasie eines Datenkraken begriffen, die nicht nur Datenschützern Angst macht. Google ist nicht die UNO des Web, Google ist ein börsennotierter Konzern auf der Suche nach neuen Umsätzen. Google muss sein traditionelles Hauptgeschäft – die Suche – immer härter gegen Konkurrenten wie Microsoft Bing verteidigen und tut sich in wichtigen Märkten wie China schwer. In der schnelldrehenden Technologiebranche steht auch ein Titan wie Google permanent auf dem Prüfstand.

Neue Herausforderungen für Google
Fix ist, dass sich die Informationssuche und die damit verbundene Werbung fundamental ändern werden. Dass Google automatisch die Hälfte davon mitnimmt, wird sich nicht mehr ausgehen. Mit dem Medienkonsum ändern sich auch die Werbeformen. Markenartikler wie Procter & Gamble oder Coca-Cola stürzen sich jetzt voll auf den Video-Content. Das Gespür von Steve Jobs für den richtigen Zeitpunkt ist kaum zu übertreffen. Er musste nie Vater einer Idee sein, er denkt sie aber so kompromisslos neu, dass er ­damit schon mehrmals Käuferschichten eroberte, die die Konkurrenz vorher nicht ­gesehen hatte. Bestes Beispiel ist der AppStore. Das Partner-Geschäft – Dritte produzieren Anwendungen für die eigene Plattform – ist so alt wie die IT-Industrie. Aber Microsoft brauchte mehr als zehn Jahre, um 640.000 Partner weltweit zu sammeln, die von diesen Produkten leben können. Jobs schaffte das in kleinerem Maßstab in bloß einem Jahr. 250 Millionen Geräte (iPhone & iPod) am Markt sind Nährboden für Zehntausende Entwickler, die Mini-Programme schreiben, ein attraktiver Markt. Jobs hat wieder das Muster dafür abgeliefert, wie Software-Vertrieb aussehen kann.

Apple stößt in den Werbemarkt vor
Alle folgen: Google mit den Android Market, BlackBerry, Microsoft und natürlich Nokia mit seinem Ovi-Portal. Jobs hat die Industrie mit dem App-Fieber angesteckt, und Apple verdient gut an der 30-Prozent-Provision von den Partnern. So profitabel muss die Konkurrenz erst einmal werden, zumal dort 80 Prozent der App-Downloads „gratis“ sind. Die Gartner Group schätzt, dass bereits 2013 ein Viertel der App-Umsätze weltweit über Werbung finanziert wird. Jobs hat das kapiert und stößt jetzt seinerseits ins Kerngeschäft von Google vor. Er kaufte den Online-Werbespezialisten Quattro Wireless und machte dessen Chef zum Leiter der Apple-Abteilung für mobile Werbung. Diese wird bei Apple so anders daherkommen, wie iPad und iPhone anders sind. Der jüngste Großeinkauf von Google war ebenfalls ein mobiler Werbespezialist, die Firma AdMob (für 750 Millionen Dollar). Kleine Start-ups wie Teracent, die Banner für User individuell zusammenbauen, zahlt Schmidt aus der Portokasse.

Die bequemere Bezahlung siegt
Die Anzeichen mehren sich, dass sich Gratis- und Bezahlkultur bei der Informationssuche und bei der Unterhaltung im Web überschneiden werden. Verlage und Medienhäuser tendieren eher zum Apple-Modell. Denn: Neben den bes­ten Werbeformen für Partner und Kunden wird am Ende des Tages entscheidend sein, wie die Bezahlung von Kleinbeträgen angenehm und simpel gelöst wird. „Disruptive“ (sinngemäß: durchschlagend) ist einer der Lieblingsbegriffe im Technologie-Mekka Kalifornien. „Wer das schafft, wird der nächste König im Silicon Valley sein“, meint ein Insider. Steve Jobs hat das Problem für sich gelöst. Wer ein Apple-Produkt nutzt, muss bei iTunes seine Kreditkartendaten hinterlegen. Apple kennt damit die Vorlieben und Gewohnheiten seiner Nutzer genauso gut wie Google. Spannend bleibt, auf welche Seite sich die Kunden in den nächsten Jahren schlagen werden und wie sich die Mitspieler Amazon, Nokia oder Microsoft verhalten werden. Wenn sich die IT-Geschichte wiederholt, wird entweder Google oder Apple in der Bedeutungs­losigkeit verschwinden. Oder wer außer den Chronisten erinnert sich noch an Digital (gegen IBM), Netscape (gegen ­Microsoft), AOL (gegen Yahoo). Mit Kampfrhetorik fängt es an, am Ende geht es dann schnell ums nackte Überleben.

Manfred Gram, Barbara Mayerl

Das Gros der Kunden bucht seinen Sommerurlaub in den Monaten Jänner bis März. Der Rest bucht in letzter Minute.
#urlaub #internet #reise
 

Internet

Urlaub in letzter Sekunde

Warum Apple 3,2 Milliarden Dollar für Kopfhörer ausgegeben hat, die man nicht braucht - und warum sich der Beats-Deal für den Konzern trotzdem lohnt.
#beats apple
 

Börse International

Warum Apple 3,2 Milliarden für den Beats-Deal zahlt

Das Auto soll mit Elektromotor ausgestattet werden und
#Google #Elektroauto
 

Innovation

Google baut selbstfahrende Autos ohne Lenkrad