Wer ein E-Book liest, wird auch selbst gelesen

Wer ein E-Book liest, wird auch selbst gelesen

Ein großer Unterschied zwischen gedruckten Büchern und E-Books ist ebenso wichtig wie kaum bekannt: Ein gedrucktes Buch gehört einem ganz.

Man kann es auf einen Sitz auslesen, man kann es durchblättern und weglegen, man kann es einfach ins Regal stellen und vergessen. Ganz nach Lust und Laune - und keiner wird davon erfahren, außer man möchte darüber reden.

E-Books sind anders. Kauft man etwa einen Kindle-Reader von Amazon, räumt man dem Hersteller gleichzeitig das Recht ein, Informationen zu sammeln und auszuwerten. Man bleibt dem Hersteller via WLAN- oder Mobilfunkverbindung eng verbunden, und der erfährt in regelmäßigen Abständen, was man mit seinem Kindle so treibt.

Welche Buchtitel man sich herunterlädt, welche Suchbegriffe man dafür verwendet, in welchem Tempo man liest, welche Passagen man "highlighted“ und weiterschickt, ob man seine E-Books in Etappen oder in einem durch liest oder nach Kapitel 4 endgültig weglegt.

Auch wenn heimische Anbieter wie die Buchhandelskette Thalia in ihre E-Reader "keine Techniken zur User-Verhaltensanalyse implementiert“ haben, wie es auf FORMAT-Nachfrage heißt, die großen internationalen Player des E-Book-Publishings - Amazon (Kindle), Apple (iBook), Google (Google Books), Barnes & Noble (Nook) - haben sich längst an die Fersen ihrer Kunden geheftet. Wer ein E-Book liest, liest nicht einfach nur, er wird auch selbst gelesen.

Dieser brandneue Blick in das jahrhundertelang vollkommen private Verhältnis Leser - Buch erweist sich als zweischneidiges Schwert: Da sind die Datenschützer und all jene, die die Freiheit der Literatur angesichts des Diktats von User-Verhaltensanalysen bedroht sehen. Es gibt aber auch viele, die sich freuen, nach dem Motto "Sie wünschen, wir spielen!“ zielgruppenorientierteren Lesestoff produzieren zu können.

Der US-amerikanische E-Book-Markt, der im ersten Quartal 2012 mit 282 Millionen Dollar schon mehr Umsatz gemacht hat als der Markt für gebundene Bücher (230 Millionen Dollar), zeigt vor, was der Branche bevorsteht: Barnes & Noble produziert neuerdings "Nook Snaps“, kürzere E-Reportagen zu aktuellen Themen, weil es festgestellt hatte, dass lange E-Sachbücher oft nicht ausgelesen werden. Manche Verlage testen Bücher digital, bevor sie eine gedruckte Ausgabe auf den Markt bringen, andere arbeiten mit digitalen Fortsetzungsromanen, wieder andere haben ein "choose your own adventure“-Format zu Buchserien eingeführt, durch das Leser entscheiden können, welchen seiner Figuren ein Autor im nächsten Band eine wichtige Rolle geben soll und welchen nicht. Gespenstisch irgendwie, die schöne, neue Buchwelt.

Aber sie hat durchaus auch unter renommierten Autoren Anhänger. Thriller-Autor Scott Turow sagte kürzlich dem "Wall Street Journal“: "Wenn man herausfinden kann, dass ein Buch zu lang ist und man beim Kürzen radikaler sein muss, wäre das eine Information, die ich persönlich sehr gerne hätte.“ Na dann!

Das Gros der Kunden bucht seinen Sommerurlaub in den Monaten Jänner bis März. Der Rest bucht in letzter Minute.
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