'Wenn politisch zu wenig für den IT-Standort gemacht wird, bleiben wir Lokalversorger'

Prof. Peter Kotauczek, Präsident des Verbands österreichischer Software Industrie, ist ein leidenschaftlicher Kämpfer für den IT-Standort Österreich.

FORMAT: Wenn man die Bruttowertschöpfung der IT-Industrie heranzieht, müssten Sie der Peter Schröcksnadel der Technik sein. Warum kennt Sie außerhalb der Branche kaum jemand?

Kotauczek: : Weil Skifahren halt attraktiver ist. Software ist sperrig, schwer greifbar und hat viel mit formaler Logik zu tun. Und da mangelt es bei uns ja schon in der Schule. Das ist einer der Gründe, warum Österreich nie ein sehr guter Softwarestandort sein wird.

FORMAT: Falsche Akzente in der Schulausbildung hindern uns daran, eine IT-Nation zu werden?

Kotauczek: : Das beginnt ja schon vor der Schule, bei den Eltern, die entscheiden, was Kinder lernen sollen. In Österreich haben wir eine geisteswissenschaftliche Schlagseite. Und Skilaufen kann jeder, wenn er es einmal ausprobiert hat. Wenn sich jemand aber nie mit formaler Logik auseinandergesetzt hat, wird er Software nicht wirklich verstehen.

FORMAT: Um bei der Sport-Analogie zu bleiben – dort bringen erfolgreiche Schlüsselfiguren etwas in Gang und Gelder in Bewegung. Artikuliert die IT-Branche ihren Stellenwert zu wenig gut?

Kotauczek: : Wir haben in Österreich viel verpasst, weil wir keine Leitfiguren à la Bill Gates oder Larry Ellison (Oracle, Anm.) haben. Die wurden weniger über ihre IT-Leistungen als über ihren Reichtum berühmt. Das ist auch so ein Problem. Als Sportler darf man in Österreich Geld verdienen, aber als Unternehmer sollte man das nicht. Das ist ein kulturelles Problem in fast allen mitteleuropäischen Ländern.

FORMAT: Macht Ihnen die nächste Generation nicht mehr Hoffnung? Bei den Internet-Start-ups braucht sich Österreich zurzeit ja nicht genieren.

Kotauczek: : Die Entwicklung bei den Jungen ist positiv, weil sie natürlich weltoffener sind. Sie ist mittelfristig aber nachteilig, weil wir damit noch weniger die Entscheidungszentralen hier halten können werden. Weil die Gründer als Erstes mit amerikanischen Venture-Kapitalisten reden müssen, Betonung auf müssen.

Wenn ich heute ein Junger wäre, würde ich auch eher mit den Kaliforniern reden, weil sie mich besser verstehen. Das war vor 30 Jahren nicht so. Dieser cultural gap beginnt sich jetzt auszuwirken. Es ist ja kein Zufall, dass der österreichische Alpin-Skilauf Weltspitze ist – weil er viele Zuwendungen bekommt, denn Schnee gibt es in anderen Ländern auch. Wenn politisch zu wenig für den IT-Standort gemacht wird, bleiben wir halt nur Lokalversorger.

FORMAT: Was wünschen Sie sich denn von der Politik?

Kotauczek: Dass sie sich für diese Belange so einsetzt, wie sie es für den Tourismus oder so subtile Themen wie die Festspielindustrie tut. Uns gehen die Gesprächspartner aus.

FORMAT: Was ist der Grund? Desinteresse? Unverständnis?

Kotauczek: : Zuerst schreien alle Hurra: „Wir wollen was tun!“ Aber wenn sie merken, wie stark das von ihren üblichen Denkgewohnheiten abweicht, ziehen sie sich zurück. Viktor Klima war der Schlimmste. Als Minister outete er sich als Wirtschaftsinformatiker und meinte, „ab jetzt wird alles anders“. Als Kanzler hat ihn dann nichts mehr interessiert.

FORMAT: Könnten wir uns von Ländern ähnlicher Größe etwas abschauen? Schweiz? Skandinavien?

Kotauczek: : Die Schweden wären eine gute Blaupause. Dort waren IT-Fragen politisch immer sehr hoch angesiedelt. Und sie waren immer auf eine technische Autarkie aus. Obendrein hat Schweden einen sehr gut ausgebildeten lokalen Kapitalmarkt.

FORMAT: Und das fehlende Kapital ist zurzeit wohl das größte Problem, wenn man sich die wenigen österreichischen IT-Leitbetriebe anschaut …

Kotauczek: : Ja, leider, das ist bei meiner Beko-Gruppe nicht anders als bei der S&T oder Siemens. Es wollen oder müssen mehr Eigentümer aus ihrem Engagement heraus, als neue hineinwollen. 300 bis 400 Millionen Euro kann in Österreich derzeit aber niemand so locker aufbringen. Das heißt, wir werden weiter Kapital importieren, und damit haben wir weiter Einfluss exportiert. Und wir werden eine Firma nach der anderen ins Ausland verkaufen – und werden nur mehr lokale Statthalter internationaler Konzerne sein.

FORMAT: Sie sind mit 71 Jahren ziemlich flott unterwegs. Wenn Sie als Unternehmer noch einmal beginnen könnten, wo würden Sie ansetzen?

Kotauczek: : Beim Cloud Computing oder beim Security-Bereich. Was in Österreich erstaunlicherweise immer noch unterentwickelt ist, ist die Industriekompetenz. Wenn man über Software spricht, redet man nie über Medizin- oder Automotive-Software, sondern immer nur über das, was halt auf den Bürorechnern so läuft.

Interview: Barbara Mayerl

Zur Person:
Prof. Peter Kotauczek, 71, ist seit 1995 Präsident des Verbandes österreichischer Software Industrie ( VÖSI ). Kotauczek ist ein Pionier der heimischen IT-Industrie, er gründete 1966 den Industriesoftware-Spezialisten Beko. Als VÖSI-Präsident legt sich der „Querdenker“ engagiert für den IT-Standort Österreich ins Zeug.

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