Wachstumsmarkt Business Intelligence

Wachstumsmarkt Business Intelligence

Wie Manager durch den Einsatz von Business Intelligence aus komplexen Datenbanken wertvolle Erkenntnisse für die Unternehmenssteuerung gewinnen können.

Barack Obama überließ nichts dem Zufall. Seine Wahlkampftruppe analysierte jede Gemeinde, fand jeden Wechselwähler, plante jede Aktion. 54.000 Telefoninterviews wurden durchgeführt, Marktstudien in Auftrag gegeben, eigene Facebook- und Twitter-Kanäle aufgebaut. Das Stimmverhalten vergangener Wahlen jedes einzelnen Bezirks wurde ebenso erfasst wie sämtliche soziodemografischen Daten der wahlentscheidenden Battleground-Staaten. "Wir haben alles gemessen, was es zu messen gab“, gesteht Obamas Kampagnen-Manager Jim Messina den massiven Einsatz neuester Business-Intelligence-Tools.

Milliarden von Zahlen und Statistiken aus den verschiedensten Quellen standen zur Verfügung, die in riesigen Datenbanken gehortet, sortiert und ausgewertet wurden. Selbst Tweets oder Mails flossen in die Analysen und Prognosen ein und trugen dazu bei, gezielte Aktionen, Reden, Postwurfsendungen, Gespräche oder Veranstaltungen in jeder noch so kleinen Ortschaft zu planen und durchzuführen.

Acht der neun Battleground-Staaten konnte Obama in der Wahlnacht auf diese Weise für sich gewinnen. "Bei zwei gleich starken Wettkämpfern“, resümiert Obamans Analytics-Chef Andrew Rasiej, "kann Technologie den entscheidenden Unterschied ausmachen.“

BI für alle

Business Intelligence (BI) ist längst keine Technologie mehr für Controller oder IT-Abteilungen alleine. Sie ist vielmehr Grundlage dafür geworden, in einer immer schneller werdenden Zeit mit immer härterem Wettbewerb reüssieren zu können. Das gilt für die Politik wie in noch viel stärkerem Maß für Unternehmen - von kleinen und mittleren Unternehmen bis zum Großkonzern -, für die Finanzwelt, die öffentliche Hand oder internationale Organisationen.

Ziel von Business Intelligence ist es im Wesentlichen, Geschäftsabläufe und Kundenbeziehungen zu optimieren. Mit raffinierten Softwaresystemen wie Datawarehousing, Data Profiling, Data Mining, Analyse- und Reportingtools oder Corporate-Performance-Management-Suites können bei richtiger Fragestellung aus unübersichtlichen Datenmengen entscheidende strategische Erkenntnisse gewonnen werden. Davon profitiert nicht nur das Management, sondern jede Abteilung eines Unternehmens. "

Zu Business Intelligence zählen alle Prozesse und Werkzeuge, die notwendig sind, damit die richtige Person zum richtigen Zeitpunkt richtige Daten hat, um bessere Entscheidungen zu treffen“, erklärt Andreas Hieger, BI-Leiter bei Atos Austria, dem größten Systemintegrator Österreichs.

Die Unterstützung bei Entscheidungen ist auch für Manfred Troger, Geschäftsführer des IT-Marktforschungsunternehmens Gartner, die wichtigste Aufgabe von komplexen BI-Systemen: "Gut aufbereitete Daten und Prognosen sind für ein Management unerlässlich für fundierte Entscheidungen. Das ist aber in unserer Kultur noch nicht so richtig etabliert. In Österreich werden viele Entscheidungen noch ohne entsprechende Analysen getroffen.“ Selbst dort, wo BI eingesetzt werde - in Österreich laut Marktforschungsinstitut IDC immerhin ein Markt von 235 Millionen Euro (2011) mit einer Wachstumsrate von 8,1 Prozent -, seien die Systeme oft wirkungslos, weil die falschen Fragen gestellt werden: "Um Business Intelligence sinnvoll einzusetzen, muss schon im Vorfeld genau erarbeitet werden, welche kritischen Fragen es zu klären gilt und wie die Entscheidungsbäume aussehen.“

Datenwürfel

Erst wenn das Management entschieden hat, wonach gesucht werden soll, können IT-Verantwortliche und Systemintegratoren an ihre Arbeit gehen und das BI-System maßgeschneidert aufsetzen. Dazu muss zunächst geklärt werden, welche Datenquellen in welcher Form dafür zur Verfügung stehen und mit welchen ETL-Tools sie extrahiert und in ein multidimensionales Datenbanksystem - Stichwort Datenwürfel - eingepflegt werden können.

Um aus diesem Würfel nun die richtigen Reports ziehen zu können, bedarf es wiederum eigener Reporting-Modelle, die entweder vorgefertigt in den BI-Suites für Basisabfragen zur Verfügung stehen oder für komplexere Abfragen erst speziell justiert werden müssen. Die Abfrage selbst kann dann schon mitunter mehrere Stunden bis zu einem Tag dauern, schließlich müssen trotz vorsortierter Datenbank im Zuge einer Abfrage oft mehrere Milliarden an Datensätzen analysiert werden. "Darum sind jetzt auch die In-Memory-Systeme im Kommen“, erklärt Hieger. Dabei werden die Daten in riesigen Hauptspeichern abgelegt, ähnlich dem Arbeitsspeicher eines Computers, um Analysen in wenigen Sekunden zu ermöglichen - ein in vielen Situationen oft entscheidender Vorteil gegenüber dem Mitbewerb.

Noch entscheidender kann es aber sein, nicht nur Statistiken und Auswertungen vorhandener Daten als Ergebnis präsentiert zu bekommen, was lange Zeit Hauptzweck von BI war, sondern in die Zukunft blickende Prognosen. Alle großen Anbieter offerieren mittlerweile entsprechende Tools unter dem Überbegriff Business Analytics oder Predictive Analytics. "Mit guten und richtig eingesetzten BI-Werkzeugen trifft man definitiv die besseren Entscheidungen“, ist Gartner-Chef Troger überzeugt, vor allem, wenn es sich um prägnante Vorhersagen auf Basis vorhandener Trends oder der Bewertung des Mitbewerbs handelt: "Bei jedem rechtlichen Thema wird die Rechtsauskunft der besten Juristen eingeholt, doch von einem CEO wird heute oft noch immer erwartet, dass er seine Entscheidung aus dem Bauch heraus trifft.“

Dass sich die Investitionen in ein BI-System, die bei mittelgroßen Betrieben in der Regel im ersten Jahr bei rund 50.000 bis 200.000 Euro liegen, auch tatsächlich rechnen, ist in der Praxis allerdings nicht nachweisbar. Zwar kommt es oftmals mit der Einführung von BI zu einer geringfügigen Personaleinsparung, "doch bessere Entscheidungen kann ich in einem Business Case nur schwer kalkulieren“, erklärt Atos-Experte Hieger.

Zumindest nicht für ein einzelnes Unternehmen. Denn das Massachusetts Institute of Technology (MIT) kommt in einer Untersuchung zu dem Schluss, dass BI ganz wesentlich zu einer höheren Profitabilität von Unternehmen führt und sich damit die Kosten schon nach kurzer Zeit amortisieren. Die Schlussfolgerung von Erik Brynjolfsson, Analytics-Guru des MIT: "Unternehmen, die Analytics einsetzen, sind fünf bis sechs Prozent produktiver als vergleichbare Unternehmen, die das nicht machen.“

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