Wachs als neue Tinte: Das grüne Ge­wissen der Druckindustrie schmilzt und sprüht

Xerox bringt seine Festtinten-Drucker nun auch ins Büro. Die Argumente sind vielversprechend: 50 Prozent billigere Farbausdrucke und fast kein Müll mehr.

Drucker sind nicht sexy, die Stiefkinder in der Bürofamilie. Sie werden aufs Ärgste strapaziert, ins letzte Eck gestellt, keiner will sich drum kümmern. Wer Drucker verkaufen will, muss sich was Besonderes einfallen lassen. Hans Radl, Business Manager für Office-Produkte bei Xerox Österreich, verspeist vor den Augen seiner Kunden schon einmal den Toner. Radl isst nicht den Toner, der üblicherweise auf der Sondermüll-Deponie landet. Er schiebt sich Wachswürfel in den Mund, „die viel Sojaöl enthalten und ähnlich neutral schmecken wie eine Hostie“.

Festtinte aus Wachswürfeln
Diese Wachswürfel heißen in der Fachsprache „Solid Ink“, zu deutsch Festtinte, und könnten so etwas wie das grüne Ge­wissen der Druckindustrie sein. Die Farbpigmente sind in die Wachswürfel eingeschmolzen und werden durch Hitze zu Papier gebracht. Xerox erwarb die Patente dafür bereits 2001 im Zuge einer Firmenübernahme und entwickelte die Technologie weiter, beseitigte Kinderkrankheiten und will damit nun mit Multifunktionsgeräten in den Büro-Massenmarkt. Wurde die Festtinte früher nur bei Profi-Geräten mit maximal 30 Seiten pro Minute eingesetzt, geht es jetzt in die Mittelklasse, ins Büro. Die ColorQube-Multifunktionsdrucker gibt es nun in ­Österreich.

Keine Kartuschen, kein Feinstaub
Tatsächlich sind die Argumente für die Festtinte bestechend: Da die Farbpigmente aus dem Würfel geschmolzen, geschleudert und dann zu Papier „gesprüht“ werden, gibt es keine Toner- oder Tinten-Kartuschen, die entsorgt werden müssten. Das Einsetzen der Wachswürfel ist deppensicher. Feinstaub- und Ozonbelastung durch in der Luft zirkulierende Tonerpartikel ist ebenfalls nicht gegeben. „Die grünen Argumente ziehen heute stärker als noch vor ein paar Jahren“, sagt Tosh Pra­bhakar, der für Gartner den Print-Markt analysiert.

Preisersparnis für Farbdrucke
Mindestens so attraktiv müssen die Zahlen für die Buchhalter sein. Zum einen steigt der Anteil der Farbausdrucke (derzeit erst 15 Prozent) weltweit, zum anderen wird er in vielen Firmen kurzerhand abgedreht, weil er zu teuer ist. „Preislich wird die Festtinte im Büro jetzt interessant“, sagt Prabhakar. Die ColorQube-Maschinen starten bei Preisen von 15.500 Euro und spielen in einer Liga mit Lasergeräten. Sie sind beim Druck einer durchschnittlichen Farbseite aber günstiger. Xerox-Mann Radl kalkuliert: „Normalerweise ist ein Farbausdruck bis zu zehnmal so teuer wie Schwarz-Weiß. Bei Festtinte gibt es denn Vollfarb-Ausdruck um die Hälfte dessen.“ Und: „Ein bisschen Farbe, wie das Firmenlogo, gibt’s zum S/W-Preis.“

Der Drucker, der nie schläft
Einen Nachteil des Arbeitens mit Wachs nimmt Konkurrent HP in einem köstlichen Video („An Inconvenient Truth about Solid Ink“ auf YouTube) aufs Korn: Eine schnelle In­betriebnahme gibt es bei Festtinten-Druckern nämlich nicht. Bis das Wachs Betriebstemperatur hat, vergeht eine Viertelstunde. Radl kennt das Problem, Xerox hat eine Lösung dafür: „Die Maschine merkt sich, wann gedruckt wird, und wirft sich zehn Minuten vorher automatisch an.“ Meist läuft der Drucker wohl durch, was in den meisten mittelgroßen Büro wahrscheinlich ohnehin der Fall ist. Dass der hohe Stromverbrauch die grüne Bilanz der Festtinten-Drucker etwas eintrübt, ist klar. Doch an der Energieeffizienz werde mit jeder Serie gearbeitet, verspricht der Hersteller.

Gut nur bei rauem Papier
Gut überlegt sollte der Festtinten-Einsatz auch bei den bedruckten Medien sein. Glänzendes Papier ist keine gute Wahl, hier hält sich die Tinte nicht wirklich gut. Dafür lassen sich unterschiedlichste Medien mit rauen Oberflächen, etwa gröberes Recyclingpapier, feinst bedrucken, weil die Tinte nicht so eingesaugt wird. Festtinte funktioniert übrigens auch gut mit Klopapier, womit sich der organische Kreislauf auf das Allerfeinste wieder schließt.

Von Barbara Mayerl

Im Bild: Die Wachswürfel werden eingesetzt, die Farbpigmente dann ausgeschmolzen.

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