Vom vergeblichen Versuch, ein Flugzeug abstürzen zu lassen

Vom vergeblichen Versuch, ein Flugzeug abstürzen zu lassen

Mein Kopilot heißt Tristan Wellstood. "39 Jahre, 16 Jahre Flugerfahrung bei British Airways, Pilot aus Leidenschaft“, stellt er sich vor und schüttelt enthusiastisch meine Hand. Das mit der Flugleidenschaft muss wohl stimmen, denn wie Wellstood später erzählt, hat er heute eigentlich frei. "Ich hatte aber einfach Lust, mal wieder Boeing 747 zu fliegen.“

Ein echtes Flugzeug ist das monströse Gerät vor uns eigentlich nicht, sondern einer der 17 Flugsimulatoren im Trainingszentrum von British Airways am Flughafen London-Heathrow. Er sieht aus wie einer dieser Kampfroboter aus "Star Wars“. Das Cockpit, ein viereckiger weißer Metallkasten, steht auf stelzigen Beinen in einer Halle. Über eine schmale Brücke betreten wir die Pilotenkabine. Eine Klimaanlage surrt, die Luft ist trocken. Ich bekomme Durst und hole eine Wasserflasche aus meiner Handtasche.

"Halt“, sagt Wellstood streng. Getränke seien absolut verboten. "Der Simulator kostet zehn Millionen Pfund, das zahlt Ihre Haftpflicht nicht.“ Also nichts trinken, sondern hingesetzt. Das Cockpit des Simulators ist ein Originalnachbau eines Boeing 747-400-Jumbojets. Was fehlt, ist die 70 Meter lange Maschine mit gut 400 Passagieren hinter uns. Das finde ich im Moment auch ziemlich gut. All die verschiedenen Knöpfe, Hebel, Pedale, Schalter, Anzeigen und blinkenden Lämpchen wirken Respekt einflößend.

"Sind Sie schon mal Flugsimulator geflogen?“, fragt Wellstood. Ich schüttele den Kopf. "Spielen Sie wenigstens Videospiele?“ Ich verneine betreten. "Oh, na ja, das kriegen wir schon hin.“ Es sei weniger kompliziert, als es aussieht, sagt mein Kopilot. Die 747, lange Zeit größter Passagierjet der Welt, hatte ihren Jungfernflug im Jahr 1969. Seitdem hat sich an der Bauweise nicht viel geändert. "Ihr Smartphone hat mehr Technik.“ Mag sein, aber das beherrsche ich ja auch nicht.

Wellstood erklärt mir die wichtigsten Hebel und Schalter. Er tippt ein paar Befehle in einen Computer. Bislang schauten wir aus den Fenstern vor uns nur auf eine dunkle Fläche. Nun erscheint vor uns die Startbahn des Flughafens Heathrow. Egal in welche Richtung man aus den Fenstern guckt, die Szenerie wirkt verblüffend echt. In der Ferne sieht man den Kontrollturm und Terminal 5, links und rechts von uns Wiese, vor uns Asphalt.

Wellstood bedient das Gas, ich soll das Flugzeug gerade über die Startbahn lenken. "Wenn ich ‚rotate‘ rufe, ziehen Sie den Steuerknüppel zu sich. Aber nicht zu viel, wir sind ja keine Kunstflieger.“ Der Pilot drückt die Gashebel langsam nach vorn. Ich versuche das Flugzeug mit den Fußpedalen gerade auf der Mittellinie zu halten. Das klappt nicht besonders gut. Wir fahren Schlangenlinien. Hätten wir Passagiere hinter uns sitzen, würden die gerade panisch den Tag verfluchen, an dem sie diesen Flug gebucht haben.

Wellstood schaut mir grinsend zu, wie ich hektisch auf die Pedale eintrete. Meistens würden sich Frauen im Simulator ja besser anstellen, da mit den großen Flugzeugen behutsam umgegangen werden müsse. "Sie sind aber wohl eher von der rabiaten Sorte.“

Rotate!

230 Stundenkilometer. Wir werden in die Sitze gedrückt. Die Maschine rast nun einigermaßen gerade über die Bahn, ich schwitze. Wellstood befiehlt "rotate!“, und ich ziehe den Steuerknüppel an meinen Körper. Gemächlich, wie eine überfressene Mastente, hievt sich die Maschine vom Boden. Ich fliege.

Die Realitätstreue ist beeindruckend. Unsere Kabine legt sich wie ein Achterbahnwagen in die Kurve, simuliert Fliehkraft und Druck auf den Körper. Ich steuere den Jumbojet in Richtung London. In der Luft ist er wesentlich einfacher zu manövrieren als am Boden.

"Die Boeing ist wie ein Sportwagen und der Airbus wie ein Kombi“, sagt Wellstood. Bei einer Boeing fühle man die Mechanik. "Alle Effekte werden durch diesen Airbus-Computerschnickschnack neutralisiert - total spaßfrei.“ Da könne man sich auch gleich mit einer Spielekonsole aufs Sofa setzen.

Wir nähern uns der Londoner Innenstadt. Riesenrad, Westminster-Palast. Das Fliegen ist entspannend, fast kontemplativ. Man sitzt da, schaut raus, gleitet über Landschaft - Häuser, Straßen, Flüsse - und muss eigentlich nichts tun.

"Ist das nicht ziemlich langweilig?“, frage ich. Zwischen Start und Landung passiert doch eigentlich nichts. Völlig falsch, findet Wellstood. Gerade bei Transatlantikflügen sei unheimlich viel zu tun. Die Flugrouten zwischen Europa und den USA heißen North Atlantic Tracks. "Da geht es zu wie auf einer verstopften Autobahn.“ Diese Strecken seien so voll, dass die Flugzeuge nicht nur hinter- und nebeneinander dicht koordiniert, sondern auch übereinander gestapelt sind. Da man gleichzeitig auch noch versuchen müsse, Turbulenzen auszuweichen und gute Rückenwinde zu erwischen, sei das ganz schön tricky, manchmal.

Ich könnte jetzt trotzdem ein bisschen Abwechslung brauchen und steuere auf den City Airport in den Londoner Docklands zu. Ob wir dort landen können, frage ich. "Um Gottes willen, nein!“, ruft er entsetzt. Die Landebahn des City Airports sei nicht breit genug und viel zu kurz für einen Jumbojet und die Einflugschneise über den Häusern halsbrecherisch steil. Eine Bruchlandung in der Themse wäre uns sicher. "Ich würde das nicht einmal in einem akuten Notfall versuchen!“, sagt der Pilot.

Jetzt wird es interessant, finde ich. "Der Flugsimulator könnte unseren Crash simulieren, oder?“ "Bis zu einem gewissen Grad schon“, antwortet Wellstood. Aber das komme überhaupt nicht infrage. Ich verbringe mehrere Minuten damit, ihn mit großen Augen anzusehen und zu betteln. Wellstood bleibt hart.

Sie kotzen mir hier den Simulator voll

Ich bitte ihn, ob er uns wenigstens ein paar Turbulenzen für die Landung herbeizaubern kann. Ein heftiges Gewitter vielleicht? "Ein guter Pilot umfliegt Gewitter“, sagt mein strenger Fluglehrer. Stirnrunzeln, er hält mich wohl für eine hoffnungslos schlechte Flugschülerin. Er habe doch schon zuvor erklärt, wie realitätsgetreu der Simulator ist. "Wenn ich schwere Turbulenzen einstelle, kotzen Sie mir hier den Simulator voll.“ Und der, ja, ja, kostet zehn Millionen Pfund.

Wir einigen uns auf ganz leichte Turbulenzen. Es rumpelt ein bisschen. Wir bereiten uns auf die Landung vor. Pilot Wellstood zeigt auf den kleinen Bildschirm vor mir, das sogenannte Primary Flight Display. "Sie müssen darauf achten, das Flugzeug möglichst genau auf dem weißen Kreuz zu halten.“ So würden wir sicherstellen, dass wir nicht zu steil oder zu langsam runtergehen.

Als er Fahrwerk und Landeklappen ausfährt, merke ich, wovon er gesprochen hat. Der Widerstand des Steuerknüppels wird härter. Ich muss fest drücken, um den Sinkflug nicht zu stoppen. Die Landebahn rast auf uns zu. Eine Computerstimme sagt in militärischem Ton den Abstand zum Boden an: "Approaching minimums, 100, 50, 40, 30, 20, 10.“

Wie Wellstood es mir vorher erklärt hat, ziehe ich die Front des Flugzeugs im letzten Moment leicht nach oben, damit wir mit den Rädern und nicht mit der Nase auf der Bahn landen. Ein heftiger Rums, wir sind unten am Boden. "Jetzt mit beiden Beinen fest in die Pedale steigen“, ruft er. Das mache ich auch, aber wie beim Start offenbar nicht besonders gleichmäßig. Der Jumbojet zieht nach links. Mit immer noch rund 150 Stundenkilometern preschen wir über den Rasen auf den Terminal zu.

Ich kreische, ehrlich gesagt vor Freude - endlich passiert hier doch noch etwas Aufregendes. Der strenge Wellstood findet das gar nicht lustig und bremst das Flugzeug auf der Grasfläche. Er sagt: "Wäre das ein echtes Flugzeug, würden Sie genau jetzt Ihre Frührente antreten.“

Ein echter Spießer, dieser Wellstood. Ich würde jederzeit bei ihm mitfliegen.

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