Voll auf Speed

TV-Streaming, HD-Videoclips, Online-Videotheken und -Games gelten derzeit als die stärksten Bandbreiten-Fresser.

Der Ö3-Anchorman Robert Kratky lässt es gerne krachen. Der begeisterte Motorradfahrer hat auch im Internet gern die Hand am Gas.Als Werbeträger von UPC dichtete er zuletzt "ADSL ade, Fiber Power olé“ und forderte die Kunden auf, "mitzufibern“.

Technischer Hintergrund der Marketingoffensive: UPC kann in seinem Glasfasernetz Surfgeschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde anbieten.

Billig ist das Tempo-Upgrade allerdings nicht. Unter Einrechnung der jährlich zu berappenden Servicepauschale (15 Euro) liegt die Gebühr für das Produkt "Fiber Power Ultra“ bei stattlichen 51,15 Euro pro Monat - siehe Übersicht. UPC kann diese Fiber Power natürlich nur im Versorgungsgebiet (Wien, Baden, Wr. Neustadt, Graz, Klagenfurt, Tirol) offerieren.

Der Sager "ADSL ade“ ist aber direkt auf den größten Konkurrenten gemünzt: A1 kontert mit seiner Giganetz-Offensive und nennt das "GigaSpeed“. Über das normale vierdrahtige Telefon-Kupferkabel sind technisch zwar 98 Prozent der Bevölkerung erreichbar, aber Download-Geschwindigkeiten von 100 Megabit (noch) nicht realisierbar. Über das klassische ADSL-Kupfernetz gehen zurzeit zwei bis acht Megabit. Das reicht für durchschnittliches Surfverhalten allemal.

Für Fernsehen via Internet benötigt man aber bereits vier (Standard-TV) bzw. acht (HD-TV) Megabit pro Sekunde. Und dann soll Fernsehen und Surfen auch parallel problemlos funktionieren.

Verdoppelung im Jahresrhythmus

TV-Streaming, HD-Videoclips, Online-Videotheken und -Games gelten derzeit als die stärksten Bandbreiten-Fresser. Bei A1 rechnet man inzwischen mit einer Verdoppelung des Datenvolumens alle ein bis eineinhalb Jahre. Bis 2015, so die A1-Schätzungen, wird sich das Datenvolumen pro Kunde und Monat im Festnetz von heute rund 8 GB auf 100 GB steigern.

Mit dem "Giganetz“ und dem Produkt "GigaSpeed“ reagiert A1 auf den zu erwartenden Geschwindigkeits-Hunger seiner Kunden und die immer härtere Speed-Konkurrenz der Kabelnetzbetreiber. Durch den Einsatz neuer Technologien ist nämlich auch aus dem guten, alten Telefonnetz noch einiges herauszuholen.

Mithilfe kleiner Schaltstellen (ARUs), die per Glasfaser an die Hauptvermittlungsstelle angeschlossen sind, rückt das Giganetz näher an den Kunden. Per Telefondraht müssen nur noch wenige hundert Meter zurückgelegt werden. Das erlaubt schon jetzt Datenraten von 16 bis 30 Megabit pro Sekunde.

Gleichzeitig werden die Hauptvermittlungsstellen auf eine neue Übertragungstechnologie namens VDSL2 (Very High Speed Digital Subscriber Line) umgerüstet. Auf kurze Distanzen sind auch so - ganz ohne Grabungsarbeit - derzeit bis zu 30 Megabit drin.

Durch die Kombination beider Maßnahmen mit der neuen Technologie "Vectoring“ sind in weiterer Zukunft auch über das normale Telefonnetz Download-Raten von bis zu 100 Mbit/Sekunde möglich. Im Augenblick wird Vectoring aber erst im Rahmen eines Pilotprojekts in Korneuburg getestet.

A1-Technikvorstand Walter Goldenits glaubt an die Zukunft des Telefondrahts: "Es ist beeindruckend, welches Leistungspotenzial im bestehenden Kupfernetz steckt: Seit Ende der 1990er-Jahre, als Privathaushalte begonnen haben, Daten mit Modems zu übertragen, haben wir die Kapazität auf den bestehenden Leitungen mehr als vertausendfacht.“

Parallel dazu fährt A1 aber auch eine Austauschstrategie und tauscht Kupferleitungen gegen die leistungsfähigeren Glasfasern. Jahrzehnte nach den Kabel-TV-Betreibern beginnt man nun selbst, die Gegend umzugraben - und verlegt Glasfaser bis zu den Haushalten, im Fachsprech Fiber-to-the-home genannt. Auf diese Weise kann A1 in Teilen Wiens sowie bei einzelnen Neubauprojekten in den Landeshauptstädten ebenfalls sofort 100 Megabit pro Sekunde anbieten. Mit insgesamt 69,05 Euro pro Monat inklusive Servicepauschale ist "A1 GigaSpeed 100“ allerdings noch um einiges teurer als UPC.

Kleinfirma als Bestbieter

Diese Leistung bietet um weniger als die Hälfte ein kleiner Wiener Breitbandspezialist, die Firma TeleTronic. Mit einer Monatsgebühr von nur 34,90 Euro für die 100-Megabit-Leitung ist man derzeit Bestbieter.

Das Geheimnis von TeleTronic ist neben schlanken Firmenstrukturen die Kooperation mit Wien Energie. Der erst 31-jährige TeleTronic-Gründer Marco Resch sagt: "Wenn die Glasfaser schon einmal im Haus liegt, fällt es kostenmäßig nicht mehr so schwer ins Gewicht, ob man 10 oder 100 Megabit drüberschickt. Wir haben in fast allen Bezirken Wiens Gebäude erschlossen.“ Wien Energie verlegt im Zuge von Renovierung und Neubauten die Glasfasern, auf deren Basis TeleTronic seine Blizz-Zugänge anbietet. Resch: "Wir interessieren uns vorwiegend für Projekte mit 200 Wohneinheiten und mehr.“

NÖ, Burgenland, OÖ

Auch außerhalb der Bundeshauptstadt kann man bereits mit 100 Megabit surfen. Die niederösterreichische Kabelsignal kann bereits 90 Prozent ihrer Kunden in NÖ und dem Burgenland mit Top-Speed versorgen. Mit 92 Euro pro Monat ist man allerdings der teuerste Festnetz-Anbieter bei 100 Megabit. Auf ähnlichem Preisniveau befinden sich auch das A1-Angebot "GigaSpeed 100“ oder jenes des oberösterreichischen Kabelanbieters Liwest, "24 Speed 100“. Der Lokalmatador bietet Anschlüsse für Linz, Wels, Steyr und 57 weitere Gemeinen an. Technologisch könnte Liwest sogar noch mehr. Geschäftsführer Nicholas Sridharan: "Wir sind bereits technisch in der Lage, Produkte jenseits der 300 Mbit/s anzubieten, und sind damit für weitere Speed-Erhöhungen bestens gerüstet.“

Highspeed in der Luft

Die schärfste Konkurrenz für alle Festnetz-Provider kommt aber aus dem Äther (Grafik links). Mit dem neuen Mobilfunk-Standard LTE (Long Term Evolution) können die heimischen Mobilfunkprovider Hutchison 3G Austria ("3“), T-Mobile und A1 theoretisch ebenfalls Download-Geschwindigkeiten bis zu 100 Megabit pro Sekunde anbieten.

LTE ist allerdings noch lange nicht flächendeckend verfügbar. Diese Zeitspanne können die Festnetz-Provider nutzen - für die nächste Runde im Speed-Duell.

Rainer Grünwald

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