Virtuelle Ökonomie: Bei EVE Online regiert das harte Gesetz der freien Marktwirtschaft

Es sieht aus wie ein klassisches Science-Fiction-Game. Tatsächlich ist EVE Online ein virtuelles Bootcamp, das ökonomisches Wissen erfordert. Spielehersteller CCP Games ist mittlerweile eine der erfolgreichsten Firmen Islands.

Spieler fliegen mit ihren Raumschiffen durch eine riesige Galaxie, kämpfen gegen feindliche Parteien und Piraten, bauen Rohstoffe auf Asteroiden und Monden ab oder treiben Handel. Hinter der prächtigen Grafik steckt eines der komplexesten Online-Spiele überhaupt: Ist der digitale Tod woanders meist nur lästiges Ärgernis, büßen EVE-Spieler beim Verlust eines Raumschiffs oft die Früchte monatelanger Arbeit ein. So viel Realismus wirkt für viele Neueinsteiger abschreckend, für EVE-Online-Spieler macht genau diese erbarmungslose Härte den Reiz aus. Anders als bei gängigen Online-Spielen wie World of Warcraft hat EVE Online ein vollständig auf der Spielergemeinschaft basierendes Wirtschaftssystem. Alle Gegenstände – vom Treibstoff bis zum Raumschiff – werden von einem der rund 350.000 Spieler hergestellt und auf dem Marktplatz zum Verkauf angeboten. Während in den Randgebieten der 7.500 Sternensysteme zählenden EVE-Online-Galaxis in epischen Schlachten um Rohstoffe und strategisch wichtige Systeme gekämpft wird, herrscht in den Handelszentren ein nicht weniger erbittert geführter ökonomischer Krieg.

Virtuelle Handelserlöse in Millionenhöhe
Der Handel ist wie in der freien Marktwirtschaft unreglementiert, Preise entstehen über Angebot und Nachfrage. Da CCP Games den Spielern die Möglichkeit gibt, die monatliche Spielgebühr von 15 Euro wahlweise auch in virtueller Spielwährung zu bezahlen, lässt sich das jährliche Handelsvolumen von EVE Online in Euro beziffern: Pro Jahr setzen die Spieler virtuelle Waren im Wert von mehr als 100 Millionen Euro um. Fast jeder aus der realen Wirtschaft bekannte Mechanismus findet sich hier wieder. Spieler, die sich in erster Linie für Handel und Investment interessieren, verbringen ihre Spielzeit wie Börsenbroker mit der Analyse von Tabellen und Charts. Daher rührt auch der Spitzname des Games: Excel in Space. Und auch Marktturbulenzen, wie man sie aus der realen Finanzwirtschaft kennt, sind der Community nicht fremd. Rohstoffe sind nicht gleichmäßig über die Galaxis verteilt. Spielerallianzen, denen es gelingt, sich das Monopol über einen Rohstoff zu sichern, können Preise in kürzester Zeit explodieren lassen. Der Markt reagiert dabei so hysterisch wie internationale Börsen: ­Allein das Gerücht von einer Invasion einer großen Allianz kann zu heftigen Preisschwankungen und Teuerung führen.

Ökonom studiert Online-Marktplatz
Der Markt in EVE Online ist mittlerweile derart komplex geworden, dass CCP Games 2007 beschloss, den Vollzeitökonomen Eyjólfur Guðmundsson zu beschäftigen. Seine Auf­gabe ist es seitdem, Veränderungen im Markt zu beobachten und zu analysieren. Wahrlich keine einfache Aufgabe, passen ambitionierte Verkäufer im Haupthandelszentrum, dem Sternensystem Jita, ihre Preise doch mehrmals pro Stunde an die aktuelle Marktlage an. Für den Wirtschaftswissenschaftler ist EVE Online mehr. „Noch nie hatte ein Ökonom die Möglichkeit, Vorgänge in einer freien Marktwirtschaft derart präzis zu untersuchen“, so Guðmundsson. Aus den täglich mehr als 1,2 Millionen Markttransaktio­nen errechnet er Trends, gibt Prognosen ab und arbeitet mit den Spieleentwicklern von CCP Games zusammen an Werk­zeugen zur Verbesserung des Handels in EVE Online.

Betrügern und Piloten ist nichts verboten
Nicht alle Transaktionen und Handelsvorgänge laufen jedoch über den Marktplatz ab. Es gibt auch hier Finanzdienstleister, die Spielern Kredite, Anlage- und Investmentmöglichkeiten anbieten. Anders als in der Realwirtschaft kann der Spieler für seine (Finanz-)Verbrechen jedoch nicht belangt werden – Betrug ist nicht „strafbar“, der Ruf ist allerdings dahin. Von Spielern betriebene Banken, bei denen Weltraumpiloten ihre virtuellen Reichtümer gegen Rendite anlegen können, wurden 2009 reihenweise zahlungsunfähig, da die als Sicherheiten angegebenen (ebenfalls virtuellen) Firmenanteile weit über Wert gehandelt wurden. Ausgerechnet die größte dieser Banken entpuppte sich Mitte 2009 nicht nur als clever verstecktes Pyramidensystem, sondern auch als groß angelegter Betrug. Als Gerüchte um drohende Zahlungsunfähigkeit der Bank entstanden, setzte sich einer der Vorstände kurzerhand mit einem Großteil des virtuellen Vermögens in die Weiten des Eve-Universums ab. Den bislang größten Coup landete ein Spieler Ende 2009 mit einer Investmentmasche: Innerhalb weniger Tage konnte er virtuelle Währung im Wert von umgerechnet 20.000 Euro erbeuten. Chefökonom Guðmundsson zeigt sich auch nach drei Jahren begeistert: „Eve Online ist wie eine gigantische wirtschaftswissenschaftliche Sandkiste. Nirgendwo sonst kann man besser beobachten, was in einer völlig unreglementierten freien Marktwirtschaft passieren kann.“

Jan Fischer

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