Urlaubsreife Roamingpakete: Die neuen Auslandstarife der Mobilfunkanbieter

Der 1. Juli ist ein wichtiger Stichtag für die Telefonie und für Surfen im Ausland. Österreichs Mobilfunker haben ihre Urlaubs-Roamingpakete bereits gepackt.

Österreich ist Mitglied der EU. Was die „Reisefreiheit“ von mobilen Datenpaketen betrifft, ist am Grenzübergang Schluss. Die Surf-Lust der Smartphone-Nutzer kehrt sich spätestens hier in Surf-Frust um. Die schönen Urlaubs-Apps, mobilen Reiseführer und Navigationswerkzeuge sind Makulatur, weil der Kunde sie aus Angst vor Horrorrechnungen nicht aktivieren kann und will. Wenn die Rechnung für das Datenroaming so viel kostet wie der ganze Pauschalurlaub, wird es bitter – war es bitter.

Die EU-Kommission hat für 2010 Entscheidendes durchgesetzt:

Wer mit seinem Smartphone oder Datenstick im EU-Ausland surft und in der Abrechnungs­periode 60 Euro überschreitet, dem muss der Netzbetreiber im übertragenen Sinne den Stecker ziehen und darf erst wieder aktivieren, wenn der Kunde grünes Licht gibt. Wer größeren Bedarf hat, kann seit 1. März seinem Betreiber das persönliche Wunschlimit bekannt geben. Wer nichts tut, kann sich mit 1. Juli auf das 60-Euro-Limit verlassen. Dieser Stichtag markiert noch ein paar andere Neuerungen.

Korrekte Umsetzung der Vorgaben

•Die Hinterlegung von Sprachnachrichten, die Zustellung der Verständigungs-SMS, ist im EU-Ausland gratis. Wer die Box dann abhört, zahlt natürlich.
• Übrigens: Auch die Kurznachrichten sind mit 13,2 Cent gedeckelt. Der Empfang einer SMS ist kostenlos.
• Für Sprachtelefonate nach Österreich (Aktivroaming) dürfen maximal 46,8 Cent, für angenommene Gespräche (Passivroaming) maximal 18 Cent verrechnet werden.
• Das Datenroaming ist leider noch nicht reguliert, die Monatsrechnung darf aber das erwähnte 60-Euro-Limit nicht sprengen.

Österreich hat im internationalen Vergleich nicht nur sehr niedrige Binnen­tarife; wie sich zeigt, sind die heimischen Betreiber auch in der Umsetzung der EU-Roamingvorgaben sehr korrekt. Darüber wacht unter anderem der Telekom-Regulator Georg Serentschy: „Die heimischen Mobilfunker liegen sogar unter dem von der EU vorgeschriebenen Schnitt.“ Dass die durchschnittliche Sprach-Roaming-Minute im Jahr 2009 von 18,3 auf 14,9 Cent sank, ist laut Serentschy auf die speziellen Roamingpakete der Netzbetreiber zurückzuführen.

Roamingstreitigkeiten sind eher selten

Der Regulator relativiert auch die Meldungen um Datenroaming-Horrorrechnungen aus dem vergangenen Jahr. Wenn es bei der Schlichtungsstelle zu Streit kommt, machen Roamingcausen gerade einmal acht Prozent aus. „Ein Vielfaches an Problemen beschert uns das Überziehen von Datenpaketen im Inland. Mit der Mengenabschätzung, was ein Megabyte ist, wie viel 100 Kilobyte sind, tun sich viele Kunden schwer“, so Serentschy. Was von einem Tarifpaket tatsächlich verbraucht wurde, bleibt aber gerade beim Telefonieren oder Surfen im Ausland eine Frage der Einschätzung. Apps zur Tarifkontrolle, wie sie die Betreiber im Inland haben, funktionieren im Ausland nicht.

Orange-Chef Michael Krammer erklärt warum: „Das geht nicht im Alleingang. Dafür müssen wir mit den Roamingpartnern zusammenarbeiten. Bei einem Netzbetreiber in Dubai hat ein Programm für die Kostenkontrolle österreichischer Kunden nicht gerade höchste Priorität.“ Das bedeutet auch für den Sommerurlaub 2010, das eigene Telefonverhalten idealerweise mitzuprotokollieren.

Achtung auf Bindefristen

Wer das tut und sich aus den nebenstehenden Roamingpaketen das passende aussucht, wird sicher keine bösen Tarifüberraschungen erleben. Generell gilt: Für den Kurzurlaub empfehlen sich in jedem Fall eher Einmal-Pakete. Bei Tarif-Optionen mit monatlichen Grundgebühren sollte die Option nach Rückkehr wieder deaktiviert bzw. abbestellt werden. Der Abschluss von Dauer-Roamingtarifen empfiehlt sich nur für Vertragskunden, die regelmäßig im Ausland unterwegs sind. Betreiber wie Orange oder T-Mobile gehen seit kurzem auch dazu über, einen Packen Roamingminuten in ihre Smartphone-Tarife mit hineinzupacken.

Bei „Call & Surf Europe“ von T-Mobile sind 200 EU-Minuten drin, bei „Europa zum Ortstarif“ von Orange sind es 300 Minuten. Mit diesem Paket gewinnt Orange „derzeit Hunderte Neukunden pro Tag“, sagt Chef Michael Krammer. Aber Achtung: Das Datenroaming ist bei diesen Tarifen nicht automatisch dabei. Das einzige All-inclusive-Paket hat derzeit 3 mit seinem „Holiday All Inclusive“: mit 30 Minuten, 20 SMS, 5 MMS und 20 MB Daten.

Was Kunden gerne vergessen:

Der EU-Tarif ist kein Europa-Tarif. Die von Brüssel vorgeschriebene Deckelung gilt so etwa nicht in Kroatien, einem beliebten Reiseziel der Österreicher. Hier heißt es einfach, nach Kroatien-Paketen zu fragen oder den günstigsten Partnernetzbetreiber vor Ort her­auszusuchen. Wer überhaupt einen längeren Urlaub plant und sich vor Ort koordinieren muss, lässt sich vor der Abreise am besten Handy oder Datenkarte entsperren und nimmt bei einem lokalen Netzbetreiber ein günstiges Prepaid-Angebot.

Barbara Mayerl

Die neuen Sprach- und Datentarife heimischer Anbieter lesen Sie im aktuellen Format (4. Juni 2010) auf Seite 65.

Das Gros der Kunden bucht seinen Sommerurlaub in den Monaten Jänner bis März. Der Rest bucht in letzter Minute.
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