Twitter: Das Geheimnis der 140 Buchstaben

Twitter hat in seiner noch kurzen Geschichte einen Ruf als Sprachrohr der Gesellschaft erreicht wie kaum ein anderes Medium.

Twitter: Das Geheimnis der 140 Buchstaben

Ein "stern“-Artikel allein, der die chauvinistische Entgleisung des FDP-Politikers Rainer Brüderle an einer Hotelbar zum Inhalt hatte, hätte vermutlich nicht ausgereicht, um die aktuelle Sexismus-Debatte loszutreten. Zum Massenphänomen wurde diese erst durch einen kurzen Dreizeiler, den die Autorin Anne Wizorek über ihren Twitter-Account ins Internet schickte. Daraus entwickelte sich der laute Schlachtruf webkundiger Frauen gegen den alltäglichen Chauvinismus.

Twitter hat in seiner noch kurzen Geschichte einen Ruf als Sprachrohr der Gesellschaft erreicht wie kaum ein anderes Medium: So wird der Kommunikation via Twitter gerne eine tragende Rolle im Arabischen Frühling zugeschrieben. Der freie und unzensierte Informationsaustausch mit maximal 140 Buchstaben bzw. Zeichen regt Diskussionen an, stürzt Tyrannen, organisiert die Massen. Aus demokratischer Sicht ist Twitter sicher ein Segen - doch der Kurznachrichtendienst ist ein US-Unternehmen, und dort geht es immer auch darum, ob dieser Erfolg auch zu einem ökonomischen gemacht werden kann.

Kein Geschäftsmodell

Als Twitter im Jahr 2006 von ein paar IT-Freaks ins Leben gerufen wurde, war gar nicht vorgesehen, mit dem "SMS des Internets“ jemals Geld zu verdienen. Den ersten Testlauf absolvierte Twitter als internes Kommunikationstool eines Unternehmens. Heute verzeichnet Twitter mehr als 500 Millionen registrierte User, die täglich fast 400 Millionen "Tweets“ versenden. Damit ist Twitter eine der meistbesuchten Websites der Welt.

Der enorme Andrang hat für die Betreiber auch eine Schattenseite: Um den Betrieb zuverlässig zu gewährleisten, muss Twitter viel in die Weiterentwicklung seiner Hard- und Software investieren.

Finanziert wurden die Entwicklung und der Betrieb von Twitter bisher fast ausschließlich durch Venture Capital: Bis Ende 2008 waren es 22 Millionen Dollar, 2009 stiegen Institutional Venture Partners und Benchmark Capital zusammen mit Union Square Ventures und Spark Capital mit weiteren 35 Millionen bei Twitter ein.

Aber das reichte noch lange nicht: 2010 soll die Summe aller Investments bei 200 Millionen Dollar gelegen haben, per 2011 sogar bei 800 Millionen Dollar.

So hoch diese Beträge im Vergleich zu den noch überschaubaren Umsätzen von Twitter scheinen, dürften sie sich für die Geldgeber - vorerst auf dem Papier - doch gerechnet haben: Inzwischen wird das Kurznachrichten-Social-Network auf einen Gesamtwert von zehn Milliarden Dollar geschätzt. Trotz der beachtlichen Verpflichtungen, die Twitter gegenüber seinen Geldgebern eingegangen ist, bleibt man seinen Grundsätzen treu. "Bei uns wird es immer Raum für große und mutige Ideen geben“, meint Twitter-Boss Dick Costolo. "Wir werden jedenfalls nie aus Angst, User oder Investoren mit neuen Funktionen zu irritieren, auf Innovation verzichten.“

Werbeeinnahmen

Erst im Jahr 2010 begann man sich bei Twitter ernsthaft um eine stetige Einnahmequelle zu bemühen: Unternehmen sollten gegen Geld Tweets "promoten“ können - diese Nachrichten werden dann in Suchanfragen immer ganz oben gelistet stehen und damit von mehr Usern gelesen. Das Modell unterscheidet sich nicht wesentlich von Googles Werbeplatzierungen in seiner Suchmaschine. Auch hier werden bezahlte Anzeigen zu passenden Suchanfragen über den eigentlichen Ergebnissen eingeblendet.

Große Kunden ließen nicht lange auf sich warten. Nach eigenen Angaben haben beispielsweise Sony Pictures, Red Bull und Starbucks bereits millionenschwere Werbedeals mit Twitter unterzeichnet.

Der Plan scheint aufzugehen: Im Jahr 2012 erwirtschaftete Twitter einen Gesamtumsatz von geschätzten 350 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 soll sogar die 500-Millionen-Dollar-Marke fallen.

Besonders erfolgreich ist das soziale Text-Netzwerk auf mobilen Endgeräten: Mehr als 70.000 unterschiedliche Apps auf iPhones, Android- oder Windows-Handys nutzen den Kurznachrichtendienst - und sei es nur, um beispielsweise den neuesten Highscore eines Handygames in den Äther zu posaunen. Die Allgegenwart von Twitter schlägt sich langsam auch in Geld nieder: Konnte der Branchengigant Facebook im Bereich mobile Werbung 2012 gerade 80 Millionen Dollar umsetzen, schaffte Twitter hier mehr als 122 Millionen Dollar an Einnahmen. Damit gehört es zu den erfolgreichsten Vermarktern von mobilen Anwendungen.

Börsengang

Seit seiner Berufung zum CEO im Jahr 2010 hat Dick Costolo zielstrebig auf den nächsten logischen Schritt für Twitter hingearbeitet: das Unternehmen von einem teuren Experiment zu einem lukrativen Börsengang zu führen.

Dass ein solcher jetzt unmittelbar bevorsteht, gilt bei vielen Branchenexperten als sicher, obwohl Costolo sich bezüglich eines Termins noch bedeckt hält. Nach der Einschätzung von Marktbeobachtern könnte es spätestens 2014 so weit sein.

Dass Costolo bereits Ausschau nach neuen Ufern hält, zeigt der jüngste Spross der Twitter-Familie. Vine nennt sich der neue Spin-off-Service, der Sechs-Sekunden-Videos direkt vom Handy aus per Twitter verteilt. "Wir sind sicher, dass Vine die nächste große Sache wird“, so Costolo. Mit dem Inhalt der meisten Vine-Videos ist man bei Twitter allerdings nicht ganz so glücklich - denn dort finden sich bislang vor allem sechs Sekunden lange Pornos.


Geschäftsmodell – Mehr Umsatz, viele Investoren

Weit über eine Milliarde Dollar hat Twitter im Lauf der letzten sechs Jahre von Investoren erhalten. Der Großteil der Finanzspritzen stammt von bekannten Venture-Capital-Firmen in den USA. Die schossen selbst in Zeiten Geld zu, als bei Twitter noch keine Pläne vorlagen, jemals Geld zu verdienen. Heute ist das Unternehmen mit einem für 2013 prognostizierten Umsatz von über 500 Millionen Dollar jedoch hoch lukrativ.

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